Internationaler Karlspreis Kohl würdigt Juncker als "unverbesserlichen Optimisten"

Mit einer der bedeutendsten europäischen Auszeichnungen ist Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker ausgezeichnet worden: dem Karlspreis. Er wurde für seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Integration Europas ausgezeichnet.


Aachen - Altbundeskanzler Helmut Kohl würdigte den 51-Jährigen in seiner Laudatio als unverbesserlichen Optimisten, der nie am Erfolg der Einigung Europas gezweifelt habe: "Er hat mit Tatkraft und Engagement dazu beigetragen, dass das Haus Europa größer und stabiler geworden ist". Kohl, der selbst Träger des Karlspreises ist, zeigte sich davon überzeugt, dass der Ausbau Europas gerade mit Politikern wie Juncker trotz aller momentanen Schwierigkeiten weitergehe. "Ich kann nicht erkennen, wer das aufhalten sollte."

Juncker, Kohl: "Kämpfe weiter für Verfassungswerk"
AP

Juncker, Kohl: "Kämpfe weiter für Verfassungswerk"

Juncker forderte, die Europäer müssten stolzer auf die Leistungen Europas sein. "Ich kann nicht verstehen, warum wir uns in Europa immer nur beklagen statt zu freuen." Durch den europäischen Einigungsprozess seien ein Friedenskontinent und eine höchst erfolgreiche Währungsunion entstanden. Die Politiker seien in der Pflicht, den Bürgern die positiven Seiten Europas deutlicher zu vermitteln. Auch die EU-Verfassung sehe er nicht als gescheitert an. "Solange nicht alle den Tod festgestellt haben, kämpfe ich weiter für ein Verfassungswerk", sagte Juncker. Ein Grundgesetz Europas müsse noch in den kommenden zehn Jahren vereinbart werden.

Juncker wurde vom Karlspreis-Direktorium für seinen leidenschaftlichen Einsatz für die Integration Europas ausgezeichnet. Er sei ein großer Europäer, der als Motor und entscheidender Akteur bei nahezu allen Integrationsfortschritten der vergangenen zwei Jahrzehnte als Vermittler und Brückenbauer mitgewirkt habe, heißt es in der Begründung. Der Sohn eines Stahlarbeiters und gelernte Jurist gilt als Vertreter eines wirtschaftlich starken, innovativen und sozial gerechten Europas.

Entscheidend mitgestaltet hat Juncker unter anderem die Einheitliche Europäischen Akte, die 1986 die Eröffnung des europäischen Binnenmarktes besiegelte und bei der Entstehung der Währungsunion durch den Vertrags von Maastricht 1992 mitgewirkt.

An der traditionellen Zeremonie am Himmelfahrtstag nahmen rund 800 geladene Gästen teil, darunter Exbundeskanzler Gerhard Schröder, Großherzog Henri von Luxemburg, der Präsident der Europäischen Zentralbank und Karlspreisträger Jean Claude Trichet, der Vizepräsident der EU-Kommission Günter Verheugen, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sowie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Der Internationale Karlspreis gilt als einer der bedeutendsten europäischen Auszeichnungen. Er wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Der Karlspreis ist mit einer symbolischen Summe von 5000 Euro dotiert und wird traditionell an Christi Himmelfahrt verliehen.

Jul/AP



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