Internet-Offensive ARD und ZDF kündigen Drei-Stufen-Plan an

Suche nach dem Kompromiss: ARD und ZDF wollen ihre geplanten neuen Rundfunkprojekte im Internet oder Mobilfunk künftig wie gefordert nach einem Drei-Stufen-Plan einführen. Das kündigte ZDF-Intendant Markus Schächter bei den Münchner Medientagen an.


München - Nach der anhaltenden Kritik der privaten Mitbewerber bemühen sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten um Kompromisse bei ihrer Online-Offensive: Ziel des Drei-Stufen-Plans soll es sein, zu überprüfen, ob diese Angebote auch dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprächen. Auch andere "Marktteilnehmer und Wettbewerber" sollten in das Verfahren einbezogen werden. Der ZDF-Fernsehrat werde über die Einführung dieses Modells am 7. Dezember einen Beschluss fassen, sagte Schächter.

ZDF-Intendant Schächter: Kündigte einen Drei-Stufen-Plan für digitale Projekte an
DPA

ZDF-Intendant Schächter: Kündigte einen Drei-Stufen-Plan für digitale Projekte an

Die Entwicklung des Drei-Stufen-Tests hatte der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz, bereits Ende September angekündigt. Dabei soll festgestellt werden, ob ein neues Angebot zum Auftrag öffentlich-rechtlicher Anstalten gehört, qualitativ zum journalistischen Wettbewerb beiträgt und wie hoch die Kosten sind. Hintergrund sind Vorgaben der EU-Kommission für die Rundfunkordnung, die in Deutschland jedoch erst als Gesetz im neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag ab 2009 verankert werden.

Jürgen Doetz, Präsident des privaten Interessenverbandes VPRT, betonte zu Schächters Ankündigung, das letzte Wort dazu hätten immer noch die Länder. "Es bedarf eines soliden Verfahrens", sagte Doetz. Wolf-Dieter Ring, Chef der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, ergänzte, ARD und ZDF hätten in einer "Selbstbindung" 2004 beschlossen, nicht über die bestehende Zahl von TV- und Hörfunkprogrammen hinauszugehen.

Unterdessen bezeichnete der Verleger Hubert Burda das Verhältnis zwischen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den privatwirtschaftlich operierenden Verlegern im Feld der Online-Aktivitäten als "asymmetrisch". In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte Burda auf den Medientagen: "Durch das hohe Gebührenaufkommen stehen ARD und ZDF auf Dauer in Konkurrenz mit den Verlagen".

Laut dem Verleger muss geklärt werden, welche Informationen aufgrund des öffentlich-rechtlichen Auftrags im Internet verbreitet werden sollten. "Es muss definiert werden, was die für ARD und ZDF gestatteten programmbegleitenden Informationen sind und was die sogenannte Randnutzung bedeutet", sagte Burda. "Dieses Thema könnte die EU in Brüssel noch beschäftigen." Die "Schieflage" zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Sendern erfordere dringend "Regulierungsbedarf".

Ein weiteres Problem in den Augen Burdas: Durch hohe Zuschauerzahlen im TV führten die Sender ihren Online-Plattformen viele "User" zu. Dieser "Linking Value" sei das eigentliche Kapital von ARD und ZDF.

hoc/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.