Interview mit Mathieu Carrière "Bin der Soulmaster aller Rindviecher"

Ansichten eines Schauspielers: Mathieu Carrière, 50 Jahre alt und Vater von zwei Töchtern, sprach mit SPIEGEL ONLINE über seine Karriere, Karl May, Kinder und sein Verhältnis zu Frauen.


Mathieu Carrière: "Fühle mich manchmal als Unheilsbote"
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Mathieu Carrière: "Fühle mich manchmal als Unheilsbote"

SPIEGEL ONLINE:

Wie sehen Sie die unterschiedlichen Stadien ihrer Karriere?

Mathieu Carrière: Zuerst war ich ein Reh wie Audrey Hepburn, obwohl ich auch Serienkiller spielen durfte. Dann war ich ein Hirsch in der "Flambierten Frau". Jetzt bin ich der Soulmaster aller Rindviecher. Vielleicht hat mich am Anfang die Scham zum Film gebracht. Als ich 1966 in Cannes nach der Weltpremiere von "Der junge Törless" mit Samtschleife den roten Teppich hinunterstolperte, jubelten uns Orson Welles, die Begum und Aga Khan zu, obwohl ich in Lübeck nur ein paar Sätze über Schiller runtergeleiert und danach in Mathe eine Fünf geschrieben hatte.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt aber sehr nach Understatement. Und was ist mit den vielen berühmten Kollegen, die sich an Ihrer Schulter ausweinten?

Carrière: Na ja. Trotzdem fühlte ich mich auch manchmal wie ein Unheilsbote. Orson Welles, Romy Schneider, Jean Vilar, Brigitte Bardot - ich habe mit ihnen ihren jeweils letzten Film gedreht. Soll ich darauf stolz sein?

SPIEGEL ONLINE: Im vergangenen Jahr haben Sie in Bad Segeberg den Ölprinzen gespielt. Was halten Sie von Karl May?

Carrière: Er war für mich mit zwölf eine wichtige Wichsvorlage. Winnetou! Mann oder Frau? Diese Haare, dieser Körper. Und wer küsst wen? Meist der Mensch das geilste Tier, das Pferd! Und diese Folterszenen, köstlich. Außerdem war May ein Religionsstifter. Winnetou ist Jesus, und der Arier Old Shatterhand sein liebster Jünger. May war eben ein kleinbürgerlicher Sadist mit verführerisch psychotischen Zügen.

SPIEGEL ONLINE: Was möchten Sie dem Zuschauer geben?

Carrière: Spaß. Interesse. Oder, wie Eisenstein sagte, Attraktion. Ich möchte, ganz egal ob ich einen Kinderschänder oder Pontius Pilatus spiele, dass das Publikum hinguckt. Viele Leute finden mich zum Kotzen, andere schwärmen von mir. Was mich freut, ist, dass sich beide Gruppen für meine Arbeit interessieren.

SPIEGEL ONLINE: Und wie sehen Ihre Pläne aus?

Carrière: Ich möchte einen Film machen mit dem Titel "Nicht ohne meine Töchter" - mit umgekehrten Geschlechtsvorzeichen, was die Eltern betrifft. Denn auch in unserem in dieser Hinsicht barbarischen Land gibt es Hoffnung für uns arme Väter. Seit dem ersten Januar 2000 gilt für uns alle europäisches Recht. Danach ist es eine Verletzung der Menschenrechte und der Menschenwürde - vor allem der des Kindes -, wenn ein Elternteil, egal ob verheiratet oder nicht, mehr Rechte hat als das andere. Außerdem sind Väter sowieso die besseren Mütter.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie dafür Belege?

Carrière: Väter sind als allein erziehendes Elternteil interaktiver, liebevoller, flexibler als die Mütter, und sie vermitteln den Kindern die besseren Werte. Das ergaben jedenfalls die neuesten Studien in den USA und Europa. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, hat jetzt also zum ersten Mal seit dem Mittelalter auch in Deutschland über Straßburg das einklagbare Recht, Verantwortung zu übernehmen. Also nicht nur Zahlpapa zu sein, sondern auch das, was das Kind will und braucht. Diese ganze anthroposophische Esoterikscheiße, von der die Mütter schwärmen, finde ich erbärmlich.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie etwas gegen Frauen?

Carrière: Frauen sind die besseren Menschen. Sie sind evolutionstechnisch besser ausgerüstet als wir und leben länger. Außerdem glauben sie an ihre eigenen Lügen. Übrigens: Kinder sind noch bessere Menschen als Frauen.

Das Interview führte Marc Hairapetian



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