Irak-Berichterstattung Blair-Regierung fordert Reue von der BBC

Es ist der wohl schärfste Konflikt zwischen der BBC und Downing Street seit 1982: In einem Beitrag behauptet der Sender, die Blair-Regierung habe falsche Geheimdienstberichte verbreitet, um kritische Parlamentarier für den Irak-Krieg zu gewinnen. Mehrere Minister sprechen von "Lüge" und fordern einen Widerruf.

London - Der Kommunikationschef von Premierminister Tony Blair, Alastair Campbell, warf der BBC und dem Korrespondenten Andrew Gilligan vor, bewusst gelogen zu haben. Auch mehrere Angehörige des Blair-Kabinetts verlangten eine Entschuldigung

Reporter Gilligan hatte berichtet, die Regierung habe die Bedrohung durch irakische Waffen übertrieben, um skeptische Abgeordnete von der Notwendigkeit des Kriegs zu überzeugen. So hätten Vertraute Blairs die Behauptung eingefügt, Irak könne innerhalb von 45 Minuten chemische und biologische Waffen einsetzen.

BBC: Hoon hatte Gelegenheit zur Stellungnahme

Vertreter des Geheimdienstes seien unzufrieden mit dieser Behauptung gewesen, weil sie auf der Aussage einer einzigen, unzuverlässigen Quelle beruhe. Campbell und etliche Minister beharren auf ihrer Darstellung, dass sie nichts an den vorgelegten Geheimdienstberichten veränderten.

Der BBC-Bericht, der auf den Aussagen eines nicht genannten Geheimdienstmitarbeiters beruhte, hätte nach Ansicht von Fischereiminister Ben Bradshaw nicht gesendet werden dürfen. Es gebe bei der BBC Richtlinien, wonach ein Bericht nicht auf einer einzigen anonymen Quelle beruhen dürfe, sagte Bradshaw, der selbst früher BBC-Korrespondent war. Die BBC habe der Regierung keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.

"Nicht übertrieben"

Dies wies der Sender zurück und erklärte, Verteidigungsminister Geoff Hoon sei über den Bericht informiert worden. Ihm sei auch angeboten worden, sich zu äußern. Hoon bezeichnete dies als unwahr.

Ein Mitglied des Parlamentsausschusses, der die Verwendung der Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs prüft, unterstützte die Minister. Campbell habe die ihm damals vorgelegenen Informationen nicht übertrieben, sagte Eric Illsley am Sonntag. Der Geheimdienst habe die Aussage über die schnell verfügbaren Massenvernichtungswaffen in Irak eingefügt, nicht Campbell.

Ein anderes Mitglied des Ausschusses, John Maples, bezeichnete die Aussagen seines Kollegen allerdings als verfrüht. Der Ausschuss sei noch nicht zu einem abschließenden Urteil gekommen, erklärte Maples.

Fast zwei Drittel der Briten misstraut Blair

Es ist der bislang schärfste Streit zwischen der Regierung und der BBC seit dem Falklandkrieg 1982. Damals warfen Mitglieder der konservativen Regierung von Premierministerin Margaret Thatcher der BBC vor, die britischen Kriegsbemühungen zu untergraben.

Eine Umfrage ergab unterdessen, dass zwei Drittel der Bevölkerung Regierungschef Blair nicht vertraut. 36 Prozent der Befragten bezeichneten Blair in der am Samstag veröffentlichten Umfrage als vertrauenswürdig, während 58 Prozent sagten, sie trauten ihm nicht. Die oppositionellen Konservativen holten in der Gunst der Bürger auf und kamen auf 35 Prozent, genauso viel wie Blairs Labour Party.