Irak-Berichterstattung Englands Regierung kritisiert BBC als "Bagdads Freund"

Der britischen Regierung ist die BBC-Berichterstattung aus dem Irak nicht patriotisch genug. Nach einem Bericht des "Observer" wird dem Sender zu große Irak-Freundlichkeit unterstellt.


London - Der Labour-Vorsitzende und Kabinettsminister John Reid soll den Sender sogar beschuldigt haben, ein "Freund Bagdads" zu sein, berichtete die britische Sonntagszeitung. Sie zitierte eine "Führungsfigur" aus der Downing Street mit den Worten, die BBC behandele die Alliierten genauso wie Saddam Hussein.

"Auf der einen Seite steht eine Diktatur, die keine Überprüfung ihrer Handlungen zulässt; auf der anderen Seite stehen Demokratien, die eine Politik der Offenheit betreiben", zitiert dpa die Regierungsquelle im "Observer". "Man kann nicht mit beiden Seiten umgehen, als wären sie das Gleiche." Der britische Außenminister Jack Straw sagte in einem Interview mit dem "Observer", er bezweifle, dass 1940 die Rettung der in Dünkirchen eingeschlossenen britischen Truppen möglich gewesen wäre, wenn es damals schon die rund um die Uhr berichtenden Nachrichtensender gegeben hätte.

BBC-Chefs bestritten die Vorwürfe und wiesen darauf hin, dass das Bemühen um Objektivität gerade in einem Krieg wesentlich sei. Der politische Chefkorrespondent der BBC, Andrew Marr, sagte, die Regierung betrachte inzwischen jeden, der sich um eine ausgewogene Berichterstattung bemühe, als Saddam-Freund. Die Regierung sei "wütend darüber, dass sie zwar kontrollieren kann, wohin die Reporter gehen, aber nicht, was sie sehen", sagte Marr.



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