Irritationen bei der ARD Bambi statt "Brennpunkt"

Trallala oder Terror? Diese Wahl hatte ARD-Programmdirektor Volker Herres, als er sich für einen "Brennpunkt" zu den Terrorangriffen in Mumbai und gegen einen pünktlichen Start der Bambi-Show entscheiden musste. Herres votierte für den Bambi - zum Unmut seiner Kollegen.
Von Markus Brauck, Reinhard Mohr und Thorsten Dörting

Hamburg - Rund vier Wochen ist Volker Herres, Jahrgang 1957, nun im Amt des mächtigen Programmdirektors der ARD - und hat schon für Irritationen im Hause gesorgt.

Als sich im Laufe des Donnerstags die ganze Dimension der terroristischen Attacken in der westindischen Metropole Mumbai abzeichnete, zu deren Opfer - wie sich herausstellte - auch deutsche Staatsbürger gehören, erwogen die Chefredakteure der ARD-Sender, einen aktuellen "Brennpunkt" zu den Vorfällen vorzubereiten. Sendetermin wie stets: 20.15 Uhr, gleich nach der "Tagesschau".

Doch die Chefredakteure hatten nicht mit ihrem neuen Programmdirektor gerechnet: Volker Herres entschied sich gegen den "Brennpunkt".

Stattdessen lief, wie vorgesehen, die "Bambi"-Preisverleihung aus Offenburg; ein schaler Prominentenaufmarsch und eine Privatveranstaltung des Burda-Verlags, die sich über mehr als zweieinhalb Stunden hinzog. Mit der Entscheidung erregte Volker Herres nach Informationen von SPIEGEL ONLINE einigen Unmut bei seinen ARD-Kollegen, zumal das ZDF - trotz der Fußballübertragungen - mehrmals im "heute journal" und "heute journal spezial" über die Ereignisse in Indien informierte.

Herres selbst verteidigt seine Entscheidung und sagte SPIEGEL ONLINE, dass die "Tagesschau" um 20 Uhr wegen der Vorfälle in Indien fünf Minuten länger als gewöhnlich gedauert habe. Zudem hätte in einem "Brennpunkt" zu diesem Zeitpunkt nichts berichtet werden können, was über die eigentliche Nachrichtenlage hinausgegangen wäre.

Laut Herres hätte eine Entscheidung für einen "Brennpunkt" überdies bedeutet, dass sich wegen der Bambi-Übertragung - bei der eine Überziehung einzukalkulieren war - der Sendebeginn der "Tagesthemen" noch weiter nach hinten hinausgeschoben hätte. Die wiederum hätten schließlich ausführlich über die Terrorangriffe informiert.

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