Italien Satire über Drogentests bei Politikern abgesetzt

Medienskandal in Italien: Ein Beitrag eines Satire-TV-Magazins wurde gestrichen, weil er angeblich ein Drittel der Palamentarier des Drogenmissbrauchs überführt. Der Privatsender Italia Uno hatte Schweißproben der Politiker untersuchen lassen - und war angeblich fündig geworden.

Rom – Die Absetzung der Satire-Sendung "Le Iene" (Die Hyänen) über angeblich grassierenden Drogenkonsum von Politikern hat in Italien für einen Skandal gesorgt: "Jeder dritte Parlamentarier konsumiert Haschisch oder Kokain" spitzten italienische Medien die Nachricht zu. Auf Anordnung der Datenschutz-Behörde war der brisante Beitrag des Privatsenders Italia Uno aus dem Programm genommen worden.

"Le Iene"-Mitarbeiter hatten Politiker um Interviews gebeten. Dabei entnahmen sie ihnen beim Schminken für den Auftritt Schweißproben per Wattebausch, die anschließend in einem Drogen-Schnelltest ausgewertet wurden.

Nach Angaben des Senders war der Test bei rund einem Drittel der 50 Politiker positiv. Nach "Le Iene"-Angaben bedeutet das, dass die Politiker innerhalb der vergangenen 36 Stunden Kokain oder Haschisch zu sich genommen hätten. Doch zur Ausstrahlung kam es dann nicht.

Proteste kamen zunächst vom Sender, auf dem der Beitrag laufen sollte - pikanterweise der Privatsender des Medienunternehmers und Oppositionsführers Berlusconis: Da die Identität der Politiker nicht erkennbar sei, sehe man keinen Grund für die Einwände der Datenschutz-Behörde. "Wir sind seit zehn Jahren mit diesem Programm auf Sendung und haben die Privatsphäre bei philippinischen Wunderheilern wie bei Mopeddieben respektiert", hieß es in einer Stellungnahme des Senders.

Der ehemalige Parlamentspräsident Pier Ferdinando Casini sagte: "Die Bürger haben ein Recht darauf, zu erfahren, ob die Abgeordneten drogenabhängig sind oder nicht" und forderte "obligatorische Drogentests für alle Abgeordneten". Die Politiker müssten "für Transparenz sorgen", wenn sie "ein Stück Glaubwürdigkeit wieder erlangen wollen". Auch Alessandra Mussolini, Abgeordnete und Enkelin des faschistischen Diktators Mussolini, protestierte und bezeichnete den Vorgang als Zensur. "So wird den Mächtigen der Drogenkonsum garantiert, während die kleinen Fische ins Gefängnis kommen." Die ehemalige Familienministerin Rosi Bindi gab zu bedenken: "Wenn meine Kollegen keine Drogen nähmen, gebe es den ganzen Wirbel nicht."

Die Aufregung zieht nun auch eine Debatte über die Neigung der Italiener nach weichen Drogen nach sich: Experten weisen auf den besorgniserregend hohen Haschischkonsum unter Jugendlichen hin. Der Campo de' Fiori, einer der Hauptplätze Roms, sei Samstagabends in eine süßliche Haschischwolke getaucht. Vor wenigen Monaten hatte bereits ein kommunistischer Politiker auf einer Demonstration einen "spinello" - einen Joint - geraucht.

amg/dpa

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