James Dean Der Grund für alle Rebellen

Ohne ihn gäbe es keine Beatles, keinen Elvis, keinen Robbie Williams: Heute vor 50 Jahren starb der Hollywood-Schauspieler James Dean.

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"It's better to burn out than to fade away" sagte der große Rock-Melancholiker Neil Young einst, und wahrscheinlich hatte er dabei James Dean vor Augen. Der junge Schauspieler, der am 30. September 1955 mit seinem silbernen Porsche 550 Spider in den blauen Ford des Studenten Donald Turnupseed raste und dabei sein Leben verlor, ist der Prototyp aller Pop-Rebellen: Die lässige Pose, die kecken, widerborstigen Haare, der verletzte und gleichzeitig verachtende Blick - ohne James Dean, sagte John Lennon, hätte es die Beatles nicht gegeben. Elvis Presley formte sein Image nach Deans Vorbild. Die Linie der geistigen Ahnen James Deans zieht sich bis zu den Ikonen der Gegenwart: Kurt Cobain, der kaum älter wurde, Brad Pitt, Robbie Williams - sie alle hatten und haben ihn, diesen provokant-mokanten, von unten kommenden Blick, der dir sagt: "Ich bin verdammt unsicher, aber ich werde es dir nicht zeigen. Ich bin hübsch, ich bin jung, du kriegst mich nicht klein."

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James Dean: Ein Mythos in Bildern
Nur drei Filme drehte James Dean, nur einer von ihnen, "Jenseits von Eden" ("East of Eden"), war bereits im Kino gelaufen, als Dean starb. Kurz nach seinem Tod kam "Denn sie wissen nicht, was sie tun" ("Rebel Without a Cause") heraus, und es muss gespenstisch gewesen sein, diesem erschreckend gut aussehenden Geist auf der Leinwand zuzusehen, wie er beim berühmten Klippenrennen in letzter Sekunde aus dem Wagen springt und dem Tod sein düsteres Grinsen zeigt. "Giganten" kam wenig später in die Kinos, aber da war die Unsterblichkeit Deans bereits vollzogen. Das Bild, das auch heute noch die Coolness der Jugend und die amerikanischen Pop-Mythen des 20. Jahrhunderts symbolisiert, ist James Dean in blauer Jeans, weißem T-Shirt und roter Jacke, die Hände lässig in den Hosentaschen, eine Zigarette im Mundwinkel.

Aber es gibt auch noch ein anderes, ein schwarzweißes Bild von ihm, das einen festen Platz im Bilderkanon der Popkultur bekommen hat: Es zeigt ihn an einem nasskalten New Yorker Wintermorgen auf dem menschenleeren Times Square, die Schultern hochgezogen, die Hände in den Taschen eines schwarzen Mantels vergraben. Egal ob Unschuld gegen Erfahrung, Jugend gegen Alter oder der Mensch gegen sein eigenes Image, "James Dean war die perfekte Verkörperung ewigen Kampfes", sagte Andy Warhol. Dean auf dem Times Square, das ist der Geworfene, der ewige Außenseiter, die unbehauste Seele, die immer sucht und niemals findet - eine Blaupause für Pubertierende aller nachfolgenden Generationen und jeden Pop- und Rockmusiker, der sich aufmachte, jener diffusen "teenage angst" einen Soundtrack zu geben.

Als James Dean starb, 24-jährig, rasend in einem glitzernden, schnellen Wagen, erfüllte er die Sehnsucht jedes Jugendlichen, bis in alle Ewigkeit wild und jung zu bleiben: Lebe schnell, stirb jung und hinterlasse eine gut aussehende Leiche. Es ist spannend, sich auszumalen, wie es mit James Dean und der Zeichenwelt des letzten Jahrhunderts weitergegangen wäre, hätte er überlebt und weitere Filme gedreht. Ein großer Schauspieler war er nicht. In allen drei Filmen stellt er eigentlich nur sich selbst und seinen überbordenden Narzissmus zur Schau.

Marlon Brando, der andere große Kinorebell jener Zeit, bewunderte und fürchtete Dean für seine Authentizität vor der Kamera, eine Wahrhaftigkeit, die der method actor Brando nie erreichte. Wahrscheinlich wäre Dean, so deuten es verschiedene Biographen, schon bald ins Regiefach gewechselt und hätte die Schauspielerei seinen jüngeren Nachfolgern überlassen. Einige, darunter Paul Newman, standen bereits in den Startlöchern, als Dean starb. Später kamen Warren Beatty, Jack Nicholson, Robert De Niro und Dutzende andere, die versuchten, ihn zu imitieren und darüber zu ihrem eigenen Stil fanden.

In diesem oder im vergangenen Jahr hätte ihm vielleicht Sean Penn, auch einer seiner Epigonen, den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk verliehen, feierlich, mit diesem flackernden Loderblick und mit Tränen in den Augen. Aber darüber hätte der graumelierte ältere Herr mit dem Bauchansatz und der beginnenden Glatze vermutlich nur noch milde und ein bisschen zynisch gelächelt. Es war immer schon besser, in einem Fanal zu verglühen, als leise abzutreten.



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