"News of the World"-Skandal James Murdoch gibt Chefposten bei BSkyB auf

Den Chefposten bei der Zeitungsholding hat James Murdoch bereits geräumt - nun ist der Filius des Verlegerpatriarchen Rupert Murdoch auch von der Spitze des britischen Fernsehkonzerns BSkyB zurückgetreten. Das Medienimperium steht wegen der Abhör- und Bestechungsskandale weiter unter Druck.

James Murdoch (2011): Auch bei der Pay-TV-Kette nicht mehr Nummer eins
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James Murdoch (2011): Auch bei der Pay-TV-Kette nicht mehr Nummer eins


Hamburg/London - Am Ende war er unhaltbar geworden: James Murdoch ist als Chef des Verwaltungsrats beim Fernsehkonzern British Sky Broadcasting (BSkyB) zurückgetreten. Der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch bleibt aber einfaches Mitglied des Gremiums. Einen entsprechenden Bericht des hauseigenen Nachrichtensenders Sky News bestätigte das Unternehmen. Das Medienimperium Rupert Murdochs, News Corp., hält 39 Prozent der Anteile an dem TV-Konzern.

Bereits vor einigen Wochen hatte James Murdoch den Spitzenposten bei der Zeitungsholding News International aufgegeben, nachdem er im Zuge der Abhör- und Bestechungsskandale bei den britischen Zeitungen "News of the World" und "The Sun" immer stärker unter Druck geraten war.

Den nun erfolgten Rückzug von der BSkyB-Spitze begründete der 39-Jährige in einem Schreiben an den Vorstand ebenfalls mit der Affäre um abgehörte Telefone und bestochene Polizisten. Nur durch seinen Rücktritt könne er sicherstellen, dass es zu keiner "falschen Verschmelzung" von Vorgängen bei verschiedenen Unternehmen komme. Bereits im vergangenen November musste Murdoch eine empfindliche Schlappe hinnehmen, als er zwar klar als BSkyB-Chef bestätigt wurde, dabei jedoch von mehr als 40 Prozent der unabhängigen Anteilseigner nicht unterstützt wurde.

Konkret steht James Murdoch im Verdacht, vor einem Parlamentsausschuss zur Untersuchung der Affäre im vergangenen Juli nicht die volle Wahrheit gesagt zu haben, als er gefragt wurde, zu welchem Zeitpunkt er selbst von den illegalen Praktiken bei News International erfahren hatte. In den vergangenen Wochen nahm die britische Polizei immer wieder aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von Murdoch-Zeitungen fest, zuletzt auch die Vertraute von Rupert Murdoch, Rebekah Brooks.

Mindestens sieben der insgesamt bislang 17 Festgenommenen hatten leitende Positionen inne. Außer der "Sun" und der inzwischen eingestellten "News of the World" gehören auch die "Times" und die "Sunday Times" zu News International.

Allerdings soll es auch im Umfeld von BSkyB Unregelmäßigkeiten gegeben haben. So berichtete die BBC erst in der vergangenen Woche, dass der früher zum Murdoch-Imperium gehörende Smartcard-Hersteller NDS die Verschlüsselung des BSkyB-Konkurrenten ONdigital geknackt haben soll.

fdi/dpa/AFP

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