Jan Böhmermann "AfD-Wähler sind schlechte Satiriker oder Rechtsextreme"

Jan Böhmermann soll ab 2020 ins ZDF-Hauptprogramm wechseln. Im SPIEGEL äußert sich der Satiriker zur AfD - und zu der Frage, ob es nicht zur Verhärtung beitrage, Menschen als Rechte zu stigmatisieren.

Jan Böhmermann darf ins Hauptprogramm des ZDF
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Jan Böhmermann darf ins Hauptprogramm des ZDF

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Satiriker Jan Böhmermann, 38, sieht keinen Grund zur Milde im Umgang mit AfD-Wählern. Dem SPIEGEL sagte er: "27 Prozent wählen in Sachsen Rechtsextreme. Das sind keine Protestwähler. Das sind entweder alles schlechte Satiriker oder eben Rechtsextreme, die von sich glauben, nicht rechtsextrem zu sein."

So hätten demnach selbst die angeklagten Hauptkriegsverbrecher der Nürnberger Prozesse argumentiert: "Niemand von uns war ein Nazi, niemand hatte was zu sagen, wir haben bloß ohne darüber nachzudenken gedacht, was alle anderen gedacht haben. Albert Speer war überzeugt, kein echter Nazi zu sein."

Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll Böhmermann ab Herbst 2020 ins ZDF-Hauptprogramm wechseln. Das letzte "Neo Magazin Royale" soll im Dezember laufen, in den Monaten danach wollen er und sein Team das Konzept überarbeiten.

Im aktuellen SPIEGEL sagt er zu dem Vorwurf, es trage zur Verhärtung bei, Menschen als Rechte zu stigmatisieren: "Du wirst nicht deswegen zum Nazi, weil dir jemand beweist, dass dich das, was du eben denkst und tust, als Nazi qualifiziert. Das passiert leider vorher. Man hätte den Nationalsozialismus nicht verhindert, wenn man aufgehört hätte, Hitler einen gefährlichen Nazi zu schimpfen, und ihn stattdessen zu Maischberger oder zum 'NZZ'-Interview eingeladen hätte. Damit er mal seine Sicht der Dinge erklärt. So funktioniert das nicht."

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insgesamt 172 Beiträge
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doctoronsen 20.09.2019
1. Stimmt leider
Das deckt sich mit meiner Erfahrung im deutschen Osten: AfD-Wähler weisen höchst empört von sich, Nazi-Sympathisanten zu sein, während sie gleichzeitig rechtsradikale Inhalte vertreten.
2oz_5nvn2lqw83ui 20.09.2019
2. Recht hat er...
...und die Fronten werden sich leider weiter verhärten. Aber AfD-Wähler und Sympathisanten deswegen mit Samthandschuhen anzufassen würde leider bei denen keinen Bewusstseinswandel auslösen. Protest wählen, wofür ich vollstes Verständnis habe, kann man bei jeder Wahl auch auf halbwegs menschliche, intelligente Art
Deep Thought 20.09.2019
3. Böhmermann - völlig überschätzt....
Er überschätzt sich selber, wurde gnadenlos gehypt, egal, wie schlecht seine platten Gags waren und sind. Ich erinnere nur an das hochgradig primitive Geschreibsel zu Erdogan. Fast JEDER verurteilt zu Recht Erdogan. - aber in der Politik wie auch in anderen Bereichen zählen immer noch ARGUMENTE und nicht die Gossensprache... Seine völlig undifferenzierte Meinung zu den AfD Wählern ist ebenso schlicht wie so vieles aus seiner Quelle... ich erinnere als positives Gegenbeispiel im TV hier an die Lanz-Sendung der letzten Tage, wo von Sarah Wagenknecht, dem Schriftsteller von Schirach, und dem Kabarettisten Sebastian Pufpaff interessante, sauber erläuterte, und daher eben recht differenzierte Meinungen dazu geäussert wurden. Er ist ein typisches Beispiel dafür, wie groß der intellektuelle Anspruch im TV variieren kann...
allesmir 20.09.2019
4. ich finde es irgenwie amüsant
... Wenn sich diejenigen die Ausgrenzen wollen darüber beklagen ausgegrenzt zu werden. Ich jedenfalls stehe auf und gehe wenn ich rausfinde, dass ein AfDler am Tisch sitzt. Nicht weil er selbst notwenigerweise ein offensichtlicher Nazi ist, sondern weil man mit der Wahl der AfD Nazis duldet und verharmlost und sich damit schuldig macht eine Diktatur unserer Demokratie vorzuziehen. Und egal was der Grund sein mag AfD zu wählen, aber für diesen Teil gibt es einfach keine Entschuldigung. Und da hilft nur Konsequenz und klar machen, dass ein echter deutscher eben nicht AfD wählen könnte... (ja genau so muss man denen das sagen, sonst glauben die noch Sie würden Deutsche sein repräsentieren, tun Sie nicht) :)
Christiane67 20.09.2019
5. Ein Nazi ist ein Nazi...
Wer eine solch menschenverachtende Partei wählt ist ein Nazi, da gibt es einfach nichts zu beschönigen. Diese Vollpfosten mit Samtpfötchen umschleichen wurde in den letzten Jahren hinreichend versucht... gebracht hat es lediglich, dass die Sprache weiter verroht ist und "man ja wohl noch mal sagen dürfen" darf, was lange Zeit im Gesellschaftskonsens ein berechtigtes, weil menschenfeindliches, Tabu war. Übergriffe auf Andersdenkende, ein Klima der Angst, offener Rassenhass... das sind erst die Anfänge, aber reichen wir den "Krawattennazis" (hier im Kommentar von Frau Ataman entdeckt & für gut befunden) doch die Hand, begegnen wir ihnen mit Verständnis bei Maischberger & Co., pampern wir ihnen ihre verletzte Seele und lassen uns weiterhin vorführen, wie die letzten Volldeppen. Oder setzt sich die Erkenntnis irgendwann durch, dass man mit Rechtsaußen-Idiologen nicht sprechen kann und ihnen somit auch nicht ständig eine Bühne bieten muss? Wäre cool... Klare Worte, Konfrontation mit ihren Widersprüchen und ihrer menschlichen & politischen Inkompetenz; das funktoniert... siehe B. Höcke, der hat deutlich gezeigt, wie jämmerlich er eigentlich ist!
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