Dame mit Schwein Werber wirft Jeff Koons Plagiat bei Skulptur vor

Ein Schwein als Bernhardiner: Hatte der Künstler Jeff Koons die Idee für seine Skulptur? Oder hat er sie abgekupfert bei einer Anzeige für die französische Modemarke Naf Naf? Das wirft der Werbemann, der die Kampagne erfand, dem Pop-Art-Star vor.

AFP

Was Lacoste das Krokodil, das war dem französischen Modelabel Naf Naf das Schwein, zumindest in den Achtzigerjahren. Damals warb die Firma mit einer Kampagne für seine Bekleidung, in der Schweine die Rolle von anderen berühmten Tieren wie etwa dem großen bösen Wolf aus dem Märchen übernahmen. Eine Werbung, die in Frankreich vielen im Gedächtnis geblieben ist. Auch dem weitgereisten Künstler Jeff Koons?

Der 59-jährige Pop-Art-Künstler muss sich nun dem Vorwurf des Plagiats stellen. Der Werbefachmann Franck Davidovici beschuldig den US-Künstler, seine Werbung für Naf Naf aus dem Jahr 1985 in Form einer Porzellan-Skulptur umgesetzt zu haben, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Insiderkreisen erfuhr.

Bei der Plastik handelt es sich um ein Schwein, das einer im Schnee liegenden, halbnackten Frau zu Hilfe eilt. Die Arbeit ist derzeit im Rahmen einer Retrospektive im Pariser Centre Pompidou zu sehen. Ein Gerichtsvollzieher soll vergangenen Donnerstag zahlreiche Fotos von der Skulptur aus dem Jahr 1988 gemacht haben.

Überprüfen muss er die Ähnlichkeit von Koons' Motiv mit der Naf-Naf-Werbekampagne für die Herbst-Winter-Kollektion 1985. Dort ist eine im Schnee liegende junge Frau zu sehen, offenbar das Opfer einer Lawine. Ihrem Kopf nähert sich ein Schwein, das wie ein Bernhardiner-Hund ein Fässchen um den Hals trägt.

Anders als in der Werbung sind bei Koons aber unter einem Netz-Oberteil die nackten Brüste der Frau zu sehen, außerdem hat der Künstler zwei Pinguine hinzugefügt zu seiner Skulptur, die "Fait d'Hiver" betitelt ist. Das ist einerseits mit "Winter-Ereignis" übersetzbar, ist aber auch ein Wortspiel zu "Faits divers", der Rubrik "Vermischtes" in Tageszeitungen.

Der Anwalt des Schöpfers der Naf-Naf-Werbung kündigte "juristische Schritte" an, ohne weitere Details zu nennen. Weder das Centre Pompidou noch Koons selbst antworteten auf AFP-Anfragen.

Jeff Koons ist einer der bekanntesten Gegenwartskünstler der Welt. Ende 2013 wurde ein "Balloon Dog" - eine Skulptur, die aussieht wie ein aus verknoteten Luftballons geformter Hund - des heute 59-Jährigen bei einer Auktion für 58,4 Millionen Dollar (heute knapp 47 Millionen Euro) versteigert, ein Rekordpreis für ein Werk eines zeitgenössischen Künstlers.

Die derzeit im Centre Pompidou ausgestellte Skulptur, die der Naf-Naf-Werbung nachempfunden sein soll, hatte 2007 bei einer Auktion in New York umgerechnet drei Millionen Euro erzielt. Von ihr gibt es vier Exemplare.

feb/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
kai Spaicher 17.12.2014
1. So ganz neu ist die Sache mit dem expolierten Schwein nicht:
http://exhibs.info/display/Hamburg/Bucerius-Kunstforum_Schrecken_und_Lust/slides/rops-schwein.html
kamol 17.12.2014
2. Wenn nur...
... umgekehrt alle Künstler die Werbeleute anzeigen würden, sobald sich diese an deren Werken bedienten!
gantern 17.12.2014
3. Geniale Vermarkter
Der Pop-Art-Künstler Jeff Koons und der Werbefachmann Franck Davidovici bedauern beide sicher nicht, durch den Plagiatsvorwurf weitere Aufmerksamkeit zu erhalten. Auch im Pariser Centre Pompidou wird man sich freuen, dass zusätzliche Neugierde auf die Ausstellung geweckt wurde. Natürlich ist es interessant über ein mögliches Plagiat zu spekulieren – ich würde auch gerne wissen, ob Marcel Duchamps Fountain von dem Meister bei jemandem abgekupfert worden war.
silverhair 17.12.2014
4. Das ist alles schon viel Älter ..
Zitat von ganternDer Pop-Art-Künstler Jeff Koons und der Werbefachmann Franck Davidovici bedauern beide sicher nicht, durch den Plagiatsvorwurf weitere Aufmerksamkeit zu erhalten. Auch im Pariser Centre Pompidou wird man sich freuen, dass zusätzliche Neugierde auf die Ausstellung geweckt wurde. Natürlich ist es interessant über ein mögliches Plagiat zu spekulieren – ich würde auch gerne wissen, ob Marcel Duchamps Fountain von dem Meister bei jemandem abgekupfert worden war.
#3 Heute, 17:47 von gantern Die Haben beide abgekupfert :) Es gibt diese Sparte BDSM seit etwa 1950 - und eine der attraktionen auf feten war schon immer halbnackte Frau mit irgendwelchen Essbaren Teilen auf dem Buffett! Dieses Designmuster gibts überall irgendwo auf der Welt , Japan, Europa , USA .. und gilt als besondere Attraktion für feten! Ob da jetzt Schwein oder sonstiges Decor ringsherum verwendet wurde .. es ist immer das gleiche! Und ebenso ist der "Netzanzug" den die Dame da trägt genau wie heiße Netz-Unterwäsche nichts was mit Schnee zu tun hat .. niemand trägt sowas wenn er auf Bergen unterwegs ist! Als erotischer gag dürfte das noch älter sein :) sogar in 1001 nacht sind solche Beschreibungen zu finden!
guxdu 18.12.2014
5. Koons ein Künstler? Der kann doch gar nix, der LÄSST doch nur künsteln *hmw
Wie is der Autor des vorstehenden Artikels nur auf die merkwürdige Idee gekommen, Coons als "Künstler" zu bezeichnen??? Die Voraussetzung dafür wäre doch sicher ein Mindestmaß an Können auf seiten des so Bezeichneten. Aber haben Sie als Autor etwa jemals ein Werk von Coons gesehen. das dieser selbst gefertigt hätte?? Der künstelt nicht mal selbst, er läßt andre für sich künsteln. Er mag mit seinen Machwerken ja soviel verdienen wie er will, aber auf künstlerischer Ebene hat er nicht einmal das Zeug zur Lachnummer. Der weiß doch nicht mal, wie man einen Pinsel hält :D Aber er hat einflußreiche FreundInnen in den Museen, die seinen Müll mit dem musealen Stempel adeln, indem sie seinen Mist in die Museen tragen. So geadelt steigen sie immens im Wert. In der Stuttgarter Staatsgalerie ist es etwa die Meerjungfrau, die aussieht, wie ein rosa gefärbtes Hundehäufchen - oder wie'n mißglückter Haufen Spaghettieis. Mit Coons' geistigem Niveau siehts nich viel besser aus: 1991 heiratete er die Pornodarstellerin Ilona Staller, genannt "Cicciolina" (Schnuckelchen). Während der Ehe vögelte das Paar als Teil von "Kunstaktionen" in aller Öffentlichkeit was das Bett hielt und verkaufte anschließend großformatige, sehr detaillierte Fotos dieser "Aktionen". Aus der Ehe ging ein Sohn hervor, "den Koons als eine biologische Skulptur und somit sein größtes Kunstwerk bezeichnet." (-> Ilona Staller, Wikipedia) Aber damit noch nicht genug des "Geistes": Nach der Scheidung kam es zu einem erbitterten Sorgerechtsstreit, in dem Koons seiner EX die Fähigkeit zu einer geordneten Erziehung des Sohnes absprach und dies ausgerechnet mit deren "sexuellen Ausschweifungen" begründete. Peinlicher gehts nimmer. Selbstvermarktung ist wirklich das Einzige, was dieser Typ beherrscht - aber das in absoluter Vollendung. Wenn man liest, daß solche Knatterchargen als "Künstler" bezeichnet werden, dann schämt man sich, wenn man selbst einer ist.
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