Jerusalem-Ausstellung in Berlin Wem gehört die Stadt?

Seit Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat, kommt es wieder zu Gewalt. Umso schöner, dass eine aktuelle Ausstellung an die Vielfalt dieses Sehnsuchtsorts für Christen, Juden und Muslime erinnert.

Von Maria Wölfle


Über Jahrtausende hinweg wurde Jerusalem immer wieder erobert und befreit. Jeder Befreier oder Besatzer - je nach Sichtweise - hat die Stadt auf seine Weise geprägt. Gemeinsam haben alle vor allem eines: Jerusalem war und ist für sie heilig.

Die Frage, wem die Stadt letztlich gehört, zieht sich durch die Zeit und ist heute genauso aktuell wie vor 2000 Jahren. Zuletzt hat das US-Präsident Donald Trump deutlich gemacht, als er Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannte - und heftiger Protest der Palästinenser folgte, der zu erneuter Gewalt führte.

Ist es Zufall, dass das Jüdische Museum in Berlin gerade jetzt seine neue Ausstellung "Welcome to Jerusalem" präsentiert? Am Sonntag wurde sie eröffnet. Im Mittelpunkt steht die Stadt in all ihren Facetten. "Vielleicht ist es gar kein Zufall", sagt Monika Grütters. "Vielleicht ist es einfach ein Zeichen der Zeit, dass gerade jetzt und hier diese Ausstellung eröffnet, wo andernorts große Weltpolitik mit dieser Stadt gemacht wird." Grütters ist Staatsministerin für Kultur und Medien und hielt eine Rede während der Vernissage der Ausstellung. "Jerusalem ist ein, wenn nicht der identitätsstiftende Sehnsuchtsort für Gläubige der drei abrahamitischen Religionen und damit für Menschen auf der ganzen Welt."

Eine Reise durch Vergangenheit und Gegenwart

Margret Kampmeyer und Cilly Kugelmann kuratierten "Welcome to Jerusalem". Religion und Heiligkeit wählten sie als zentralen Aspekt, der die Themenbereiche zusammenhält. Auf 1000 Quadratmetern, in 15 Räumen und mit 170 Exponaten wird in der Ausstellung die Geschichte Jerusalems aufgearbeitet. Allerdings beginnt sie nicht mit der Ankunft der Israeliten vor 5000 Jahren, sondern reicht von der Zeit von Herodes bis ins Heute.

Im ersten Raum hängen Leinwände, die Szenen des modernen Jerusalems zeigen: Straßencafés, die Gassen der Altstadt, Busse oder palästinensische Schüler. Die Eindrücke stammen aus der Arte-Dokumentation "24h Jerusalem" von Volker Heise und Thomas Kufus von 2014.

"Welcome to Jerusalem" folgt keiner Chronologie, Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich. In einem Raum hängen unzählige Kreuze und andere Gegenstände mit religiöser Bedeutung an der Wand. Hier wird deutlich, womit Jerusalem einen großen Teil seines Geldes verdient: Tourismus. Menschen aus aller Welt pilgern seit 2000 Jahren in die Stadt und nehmen Souvenirs mit nach Hause.

Drei Orte gelten in Jerusalem als besonders heilig: die Grabeskirche, die Westmauer und Haram asch-Scharif, der Tempelberg mit dem Felsendom. Von hier soll Mohammed in den Himmel gereist sein. Die Westmauer ist ein letzter Rest des alten Tempels und den Juden heilig. Und in der Grabeskirche soll das Grab Jesus Christus liegen.

Im zentralen Raum der Ausstellung stehen Modelle dieser drei Heiligtümer. Beeindruckend ist vor allem das des Tempelbergs. Der Architekt Conrad Schick hat es 1879 detailgetreu angefertigt. Es ist eine Leihgabe aus dem Bibelmuseum Amsterdam. Das Modell der Grabeskirche kommt vom Dom-Museum Trier und die Westmauer ließen die Kuratoren aus Kork nachbauen. Alle stehen sie nah beieinander - wie in Jerusalem.

Am Ende bleibt die Gegenwart

Faszinierend sind vor allem die alten Filmaufnahmen. In einem eigenen runden Raum wird die 20-minütige Dokumentation "Konflikt" gezeigt, historische Originalbilder und Kommentare zum Nahostkonflikt von 1917 bis heute am Beispiel Jerusalem. Wer die gegenwärtige Situation besser verstehen möchte, sollte gerade in diesem Raum ein wenig länger verweilen.

"Welcome to Jerusalem" endet schließlich doch in der Gegenwart, mit Werken zeitgenössischer Künstler wie Mona Hatoum oder Gustav Metzger. Der Gang durch die Ausstellung soll einer Reise ähneln. Deshalb gibt es nur wenige Infotafeln. Stattdessen sind die Exponate nummeriert, wer mehr wissen möchte, blättert in einer Art Reiseführer, den es am Eingang kostenlos gibt.

"Welcome to Jerusalem" erhebt keinen Anspruch, historisch flächendeckend zu sein. Die Ausstellung schafft es aber, zu zeigen, wie vielfältig Jerusalem war und ist, auch wenn sie viele Themen nur anreißt. Die Besucher bekommen vor allem ein besseres Verständnis für die heiligen Stätten und ihrer Bedeutung, auch im Heute. Aber an manchen Stellen wären mehr Erklärungen hilfreich. Bei den Besuchern wird viel Wissen vorausgesetzt.

Mehr als 800.000 Menschen leben in Jerusalem. Es ist die größte Stadt Israels und kaum eine andere hat eine größere Vielfalt an Bewohnern. Vielleicht wird das in der Ausstellung am deutlichsten.


"Welcome to Jerusalem", bis zum 30. April 2019, Jüdisches Museum Berlin



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