John H. Johnson ist tot Schreiben für die Freiheit

Der Bürgerrechtler und Verleger John H. Johnson ist im Alter von 87 Jahren verstorben. Mit "Black World", "Ebony" und "Jet" gründete Johnson die erfolgreichsten afroamerikanischen Magazine.


Verleger Johnson: Mit seinen Publikationen kämpfte er für die Rechte Schwarzer
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Verleger Johnson: Mit seinen Publikationen kämpfte er für die Rechte Schwarzer

"Ich rate jungen Amerikanern davon ab, für ein Unternehmen zu arbeiten, dass Weißen gehört. Es sei denn, es reicht ihnen, Vizepräsident zu werden. Aber wenn sie sich wie ich nicht damit zufrieden geben wollen und lieber an die Spitze möchten, dann sollten sie etwas anderes machen", sagte John H. Johnson der "New York Times" vor 15 Jahren. Seinem Motto blieb er sein Leben lang treu. Gestern verstarb der Bürgerrechtler und Verleger in Chicago.

John Harold Johnson wurde am 19. Januar 1918 in Arkansas City als Enkel von Sklaven geboren. Sein Vater Leroy, Arbeiter in einem Sägewerk, kam bei einem Fabrik-Unfall ums Leben, als John acht Jahre alt war. Seine Mutter Gertrude versuchte sich als Köchin und Waschfrau über Wasser zu halten und heiratete erneut.

John wächst zu einer Zeit auf, als die Rassentrennung die amerikanische Gesellschaft stark prägt: Er besucht eine Schule, an die ausschließlich schwarze Kinder gehen dürfen. Eine weiterführende Schule gibt es für Schwarze in Arkansas City nicht. Anstatt die Schule früh zu beenden, wiederholt John freiwillig die achte Klasse. 1933 besucht er gemeinsam mit seiner Mutter die Weltausstellung in Chicago. Sie entscheiden sich, dort zu bleiben. Die Familie lebt von Sozialhilfe und von dem, was der Stiefvater in einem staatlichen Programm verdient. In Chicago besucht John eine Highschool und fällt bald durch seine hervorragenden Leistungen auf. Er wird Jahrgangssprecher und Herausgeber der Schülerzeitung.

Nach seinem Abschluss spricht Johnson bei einem Festessen der Bürgerrechtsorganisation "Urban League". Harry Pace, Präsident eines Versicherungsunternehmens, ist so beeindruckt, dass er dem 18-jährigen einen Job und ein Stipendium für die University of Chicago anbietet. Doch Johnson verlässt die Uni bald darauf und wird Herausgeber des internen Magazins der Versicherung. Da sich die Supreme Liberty Life Insurance Company auf schwarze Versicherungsnehmer spezialisiert hat, verbringt Johnson viel Zeit mit der Recherche über die Darstellung von Afroamerikanern in anderen Medien.

1941 heiratet er Eunice Walker. Ein Jahr später überredet er seine Mutter, ihm 500 Dollar zu leihen, um sein eigenes Magazin herausgeben zu können. Er bittet 20.000 Versicherungsnehmer, für zwei Dollar ein Magazin zu abbonnieren, was es noch gar nicht gibt. Auf diesem Weg gewinnt Johnson rund 3000 Leser. Im Juni ruft er das Magazin "Negro Digest", in Anlehnung an "Reader's Digest" ins Leben.

Um das Magazin an die Kioske zu bringen, bedient Johnson sich einer Taktik: Er bittet 20 Freunde von Kiosk zu Kiosk zu ziehen, und "Negro Digest" zu verlangen. Als Folge der vermeintlich großen Nachfrage bestellen die Zeitungshändler das Magazin beim Verleger. Johnson's Freunde kaufen die georderten Ausgaben, er selbst verkauft sie anschließend weiter. Die Strategie wendet Johnson auch in anderen Städten an und binnen eines Jahres erreicht die Zeitschrift eine Auflage von 50.000 Exemplaren.

John Johnson beschließt, eine zweite Zeitschrift auf den Markt zu bringen. Ein Hochglanzmagazin soll es sein, ähnlich dem "weißen" Vorreiter "Life". Johnsons Ziel ist es, "nicht nur den Schwarzen, sondern auch den Weißen zu zeigen, dass Schwarze heiraten, sich für Schönheitswettbewerbe interessieren, Partys geben und erfolgreiche Geschäftsleute sind." Seine Frau bringt den Namen "Ebony" ins Spiel. Der Titel bedeutet übersetzt "Ebenholz" und spielt auf die tiefschwarze Farbe des edlen Holzes an. Die ersten 25.000 Ausgaben sind 1945 auf der Stelle ausverkauft. Das Magazin sorgt in der amerikanischen Gesellschaft für Furore. "Ebony" sei Konsum verherrlichend und nehme die ernsten Probleme der amerikanischen Gesellschaft, in der Schwarze noch immer von vielen Bereichen des Lebens ausgeschlossen sind, nicht wahr. Viele Leser empfinden die Berichterstattung jedoch auch als Aufwertung.

1951 ruft Johnson die Zeitschrift "Jet" ins Leben, ein afroamerikanisches Nachrichtenmagazin. Mit seinen Publikationen bekämpft Johnson die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. So lautet ein Aufmacher aus dem Jahr 1965: "Das weiße Problem Amerikas". 1972 bringt er außerdem eine Kosmetiklinie speziell für farbige Haut auf den Markt. Johnson Publishing Co., das größte Verlagshaus eines Afroamerikaners, veröffentlicht Bücher schwarzer Autoren und produziert Sendungen für das Fernsehen.

1982 nimmt ihn das Wirtschaftsmagazin "Forbes" als ersten Afroamerikaner in die Liste der 400 reichsten Bürger des Landes auf.

Dass zwölf Prozent seiner Leser weiß sind, freute Johnson jedoch nicht: "Das sind mehr, als ich haben möchte", sagte er der "New York Times". "Ich möchte König des schwarzen Hügels sein, nicht des bunten."

Der Präsident der Nationalen Vereinigung Schwarzer Journalisten, Bryan Monroe, lobte Johnsons Bedeutung für die Bürgerrechtsbewegung: "Wir sind alle mit 'Ebony', 'Jet' und den anderen Publikationen Johnsons aufgewachsen. Johnson war ein Pionier, ein Visionär und eine Inspiration für uns alle. Er ist verantwortlich für die Karriere und den Erfolg hunderter schwarzer Journalisten. Seine Stimme wird uns fehlen."



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