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12. April 2006, 18:01 Uhr

Jugendschutz

MTV will 'Popetown' trotz Kritik ausstrahlen

Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten hat den Popsender MTV aufgefordert, die Ausstrahlung der umstrittenen Papstsatire "Popetown" noch einmal zu überdenken. MTV hält aber an der Ausstrahlung fest.

München  - Die Sorge, dass die Zeichentrickserie auf Kinder und Jugendliche entwicklungsbeeinträchtigend wirken und religiöse Gefühle verletzen könnte, sei berechtigt, erklärte die Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM). 

Papstfigur aus "Popetown": "Der christliche Glaube wird auf ungeheuerliche Weise verunglimpft"

Papstfigur aus "Popetown": "Der christliche Glaube wird auf ungeheuerliche Weise verunglimpft"

In einem offenen Brief an MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann schreibt die Kommission, ihr seien bereits jetzt zahlreiche Beschwerden und Anfragen zugegangen. Man wolle deshalb mit der Gemeinsamen Stelle Programm Werbung und Medienkompetenz eine Prüfung vornehmen, sobald die erste Folge der Serie ausgestrahlt wurde. "Sogar die BBC als Produzentin der Serie hat nach entsprechenden Protesten aus der Mitte der Gesellschaft seinerzeit auf die Ausstrahlung verzichtet", heißt es in dem Brief weiter.

Wolf-Dieter Ring, Vorsitzender der KJM, appellierte an MTV, "in so einem grundsätzlichen Fall wie diesem die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) einzuschalten, um deren Bewertung einzuholen".

Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, kritisierte, in "Popetown" würden unter anderem Jesus Christus und auch der Papst in einer verunglimpfenden Weise dargestellt. "Die Verantwortlichen des Fernsehsenders sind nachdrücklich aufgefordert, diese Serie, die bereits in Großbritannien auf Grund heftiger Proteste gestoppt wurde, nicht zu senden", so die CDU-Politikerin. Die Ausstrahlung wäre eine unerträgliche Beleidigung aller Christen, sagte Steinbach.

Scharfe Kritik kam heute auch aus dem Erzbistum Köln. Der Diözesanrat der Katholiken bezeichnete Serie und Werbeanzeige als "widerwärtige Verhöhnung der katholischen Kirche". Der christliche Glaube werde auf "ungeheuerliche Weise" verunglimpft.

Zuvor hatten neben der evangelischen und der katholischen Kirche auch die CSU und die Unionsfraktion im Bundestag gegen die ab 3. Mai geplante Ausstrahlung der Serie und die für sie werbende Zeitschriftenanzeige protestiert.

CSU-Generalsekretär Markus Söder behauptete: "Solch eine Sendung gehört nicht ins deutsche Fernsehen." Gerade ein Jugendsender wie MTV müsse gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Der Fall zeige, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) alleine nicht ausreiche. "Religiöse Symbole müssen endlich gesetzlich geschützt werden", forderte der CSU-Politiker. Söder hatte bereits gestern im Zusammenhang mit der Serie eine Verankerung von härteren Strafen wegen Blasphemie im Strafrecht gefordert.

Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister hingegen hält "Popetown" nicht für bedenklich: "Jede realistische Dokumentation über die Rolle der katholischen Kirche im Mittelalter wäre für das Ansehen des Vatikans schädlicher als diese Zeichentrickserie." Hachmeister, Direktor des Instituts für Medienpolitik in Berlin, hatte 2005 das Fernsehfestival Cologne Conference organisiert, bei dem "Popetown" unter die Top Ten der Veranstaltung kam. Die Serie wurde 2005 in Australien gezeigt und wird in Großbritannien auf DVD vertrieben.

MTV gibt sich unbeirrt. Man werde die Serie senden. Das Format solle jedoch in keiner Weise eine Haltung von MTV Networks zum Katholizismus oder zur katholischen Kirche ausdrücken, sagte MTV-Sprecher Matts Wappmann der Nachrichtenagentur ddp. Vielmehr sei die Sendung als Form satirischer Unterhaltung und somit als Kunstform zu verstehen.

Wappmann erklärte, MTV habe die Reihe bereits vor Wochen bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) eingereicht, die einer englischsprachigen Episode eine Freigabe für das Tagesprogramm erteilt habe. Sobald die synchronisierten deutschen Folgen vorliegen, werde der Sender diese ebenfalls der FSF zur Prüfung vorlegen, so Wappmann. Die Serie polarisiere das Publikum und spreche nicht jeden Zuschauer an, jedoch komme es weder zu Verunglimpfungen noch zu Beleidigungen von Glaubensrichtungen.

Nach der Kritik des Deutschen Werberates hatte MTV gestern auf die weitere Verbreitung der umstrittenen "Popetown"-Werbeanzeige verzichtet. 

anr/ddp/AP/dpa

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