Kabarett und Häuserkampf Trauer um Matthias Beltz

Einer der scharfzüngigsten politischen Kabarettisten Deutschlands ist tot. Matthias Beltz starb im Alter von 57 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt. Politiker würdigten den Frankfurter Satiriker und ehemaligen Hausbesetzer als "hessische Institution".


Matthias Beltz starb im Alter von 57 Jahren
DPA

Matthias Beltz starb im Alter von 57 Jahren

Frankfurt - Der Grimme-Preisträger hatte eigentlich noch am Mittwochabend im Frankfurter Varieté "Tigerpalast" auftreten wollen. Doch dann führte ein überraschender Herzinfarkt zum Tod des 57-Jährigen. Die Polizei fand Beltz tot in seiner Wohnung im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen auf.

Die Polizei berichtete, Verantwortliche des "Tigerpalasts" hätten in der Wohnung von Beltz nachgeschaut, als er nicht zu seinem Auftritt kam. Ein Notarzt habe das Leben des Kabarettisten nicht mehr retten können. Eine Straftat sei auszuschließen, sagte ein Polizeisprecher.

Matthias Beltz war ein unbequemer, aber dennoch hochdekorierter Mann. Er war einer der wenigen rein politischen Kabarettisten in Deutschland. Für seine Arbeit wurde er unter anderem 1993 mit dem Adolf-Grimme-Preis und dem Deutschen Kleinkunstpreis, 1991 mit dem Deutschen Kabarett-Preis ausgezeichnet.

"Eine hessische Institution"

Hessens Kunstministerin Ruth Wagner (FDP) würdigte den Kabarettisten als "eine hessische Institution". Beltz habe mit scharfer Zunge und nicht minder spitzer Feder die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse aufs Korn genommen. Seine Kritik sei pointiert gewesen und habe oft schmerzhaft getroffen. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) würdigte Beltz als einen der bedeutendsten deutschen Sprachkünstler. Als bekennender Frankfurter habe Beltz seine Stadt nicht mit ätzender Kritik verschont.

Beltz wurde am 31. Januar 1945 in Wohnfeld (Vogelsberg) geboren. Nachdem sein Vater Fritz Beltz nicht aus dem Krieg zurückgekehrt war, wuchs Beltz zusammen mit seinem Bruder Michael, seiner Mutter Martha und seiner Großmutter Maria in Gießen auf. Dort machte auch seinen Schulabschluss, um anschließend in Marburg und Frankfurt Jura zu studieren.

In den siebziger Jahren gehörte Beltz neben dem heutigen Außenminister Joschka Fischer und dem Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit zu den Protagonisten der Frankfurter Hausbesetzer-Szene. Seit 1976 stand Beltz als Kabarettist auf der Bühne. Zunächst spielte er für das gerade erst gegründete "Carl Napps Chaos Theater". Daraus entstand 1982 das Trio "Vorläufiges Frankfurter Front-Theater". Beltz und seine beiden Kollegen gehörten zu den erfolgreichsten Kabarettgruppen der linken Studentenszene. Im Herbst 1988 eröffnete er mit Johnny Klinke und Margareta Dillinger das Varieté Tigerpalast in Frankfurt.

Beltz trat jedoch nicht nur auf Kleinkunstbühnen, sondern auch im Fernsehen auf. Außerdem meldete er sich mit mehreren satirischen Büchern zu Wort. Seit 1998 war Beltz verheiratet.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.