Zum Tode Karl Moiks Hab Höhensonne im Herzen

Gegen eine Welt des Kalten Kriegs und der Alltagssorgen trat Karl Moik mit viel guter Laune und dem "Musikantenstadl" an. Damit verzückte er ein Millionenpublikum. Jetzt ist er im Alter von 76 Jahren gestorben.

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Ein Nachruf von


Die schönste Gabe, die dem österreichischen Entertainer Karl Moik von den Göttern mit auf den Lebensweg gegeben wurde - einen Weg, der auf viele Höhen und durch nur manches Tal führte -, war dieses einzigartige Lächeln. Auf welch gewinnende Weise dieser Mann fast ausschließlich die obere seiner Zahnreihen präsentieren konnte!

Sehr viele Menschen aller Generationen haben Karl Moik, berühmt geworden in der Rolle des Hausherrn der TV-Sendung "Musikantenstadl", als Kultfigur der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung verehrt. Nicht viel weniger Menschen haben ihn als Schreckensgestalt der Moderatorenzunft und der Volksmusikverhunzung gefürchtet und verlacht.

Der geradezu schmerzenden Liebenswürdigkeit seines Lächelns aber konnten weder Freund noch Feind das Geringste anhaben. Karl Moiks Lächeln war von jener Art, die vermutlich sogar Gletscher zum Schmelzen brachte (weshalb Wissenschaftler künftiger Zeiten sich unbedingt dem Beitrag von Karl Moik zum Klimawandel in den Alpen widmen sollten). Auf jeden Fall aber gilt: Das Blecken der Moikschen Beißer ließ ein Wärmelämpchen noch in der Nacht des finstersten Herzens leuchten.

Wie pfundig schön die Welt doch war

Gegen eine Welt des Kalten Kriegs, der Alltagssorgen und der schlechten Laune trat Karl Moik, geboren 1938 in Linz und aufgewachsen als Sohn einer alleinerziehenden Mutter in Hallein, mit dem "Musikantenstadl" an; von 1981 im österreichischen Fernsehen, von 1983 an auch im schweizerischen und im deutschen der ARD, jeweils zur samstäglichen Hauptsendezeit.

Von Beginn an verzückte der Mann, der eigentlich den Beruf eines Werkzeugmachers erlernt hatte, ein Millionenpublikum. Wenn die Kameras eingeschaltet waren und das Publikum klatschte, dann breitete er die Arme aus, schüttelte den Kopf und strahlte über das ganze kernige Angesicht: ein Komödiant, der ganz offensichtlich Mühe hatte zu begreifen, wie pfundig schön die Welt doch war, wie zünftig die Musik und wie toll seine Saalgäste.

Moik erfreute sich bei Freunden der volksmusikalisch inspirierten Schlagermusik und des betont schlichten Humors einer geradezu ungeheuerlichen Beliebtheit. Ihn selbst schien sie nie zu ängstigen. Er reiste mit seiner Fernsehshow, als deren Chef er erst im Alter von 67 im Jahr 2005 abserviert (und schmählicherweise durch Andy Borg ersetzt) wurde, bis nach Moskau und Peking, nach Abu Dhabi und Australien. Und er hielt sich zugute, dass er damit nicht nur in der Seelenlandschaft der Zuschauer, sondern auch in der großen Politik mindestens mittelgroße Berge versetzte.

Unkaputtbare Menschenfreundlichkeit

Als Karl Moik ein paar Monate vor seinem Tod daran erinnert wurde, dass der "Musikantenstadl" in der Schlussphase der DDR als erste Show des Westfernsehens überhaupt vom Grund und Boden des Arbeiter- und Bauernstaates DDR gesendet worden sei, antwortete der Entertainer: "Wir haben schon Geschichte geschrieben. Ich erinnere mich noch, wie Harald Juhnke in der Garderobe saß und geheult hat wie ein Schlosshund. Was wir erlebt haben an Emotionen, vergesse ich mein Leben nicht!"

In seiner Leutseligkeit und unkaputtbaren Menschenfreundlichkeit konterte der Unterhaltungskünstler Moik alle Schmähungen und hämischen Parodien mit feurigen Umarmungen. Den ätzenden Spaßmacher Harald Schmidt verehre er sehr, gestand er zum Beispiel; und die Bewahrer der traditionellen Volksmusik, die ihm oft erbost vorwarfen, das Schlagergejodel der "Musikantenstadl"-Artisten versündige sich am musikalischen Erbe der Vorväter, beschied er mit der entwaffnenden Weisheit eines Trachtenjankerbuddhas: "Ich bin ein Mensch, der gern in die Zukunft blickt und die Gegenwart liebt. Die Vergangenheit ist mir relativ gleichgültig." Im Übrigen habe es populäre Spielarten der volkstümlichen Unterhaltungsmusik seit je gegeben.

Schlimmere Verwerfungen im Leben des Charmebolzens Karl Moik, der allezeit ein sonniges Gemüt spazierentrug und gern seine Liebe zur seit 1964 an seiner Seite harrenden Gattin Edith öffentlich bejubelte, sind eher nicht überliefert. Einmal sorgte er für ein bisschen Krawall, weil er vor der Kamera die europäischen Nachbarn aus Italien mit dem einst verbreiteten Begriff "Spaghettifresser" bedachte.

Des Öfteren beschenkte er seine Fans mit eigenen Liedern, von denen eines "Ein Zipferl vom Glück" hieß und eines, nach Moiks Standardfloskel am Ende jeder "Musikantenstadl"-Sendung, "Servus, Pfüat Gott und Auf Wiedersehn". Jetzt, wo er in einem Salzburger Krankenhaus tatsächlich Abschied genommen hat von allem irdischen Jauchzen, Jodeln und Frohlocken, kann man mit Fug und ohne Schmäh sagen: Die Welt ist ein bisschen frostiger geworden ohne das Wonnelächeln des Karl Moik.



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