Katja Riemann "Ich versuche herauszufinden, ob ich Theater spielen kann"

Nach mehrjähriger Theaterabstinenz kehrt Filmschauspielerin Katja Riemann auf die Bühne zurück. Sie wird am Berliner Boulevard-Theater im Zwei-Personen-Stück "Raucher/Nichtraucher" auftreten. Darin setzt Regisseur Uwe Eric Laufenberg ganz auf Interaktion mit dem Publikum.

Von Harriet Dreier


Experiment am Boulevard: Riemann und Laufenberg
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Experiment am Boulevard: Riemann und Laufenberg

"Raucher/ Nichtraucher" ist ein Zyklus, der mit dem Gedanken spielt, ein Leben zweimal leben zu können und damit einmal gemachte Fehler zu revidieren. Die Doppelbödigkeit, was geschah - was hätte geschehen können, wenn... - wird in verschiedenen Varianten durchgespielt. Nach dem noch komplexeren Bühnenstück "Intimate Exchanges" von Alan Aykbourn, das mit seinen acht Theater-Abenden wohl noch nie komplett aufgeführt wurde, gestaltet Regisseur Uwe Eric Laufenberg nun am Theater am Kurfürstendamm das Bühnen-Experiment. Laufenberg, der zuletzt am Gorki-Theater die Inszenierung "Berlin Alexanderplatz" auf die Bühne brachte, gibt an der Seite von Katja Riemann zugleich den männliche Part in dem Zwei-Personen-Dramolett.

Greift sie zum Glimmstengel oder nicht? Die erste Entscheidung fällt die weibliche Hauptrolle Celia Teasdale innerhalb von fünf Sekunden. Die nächsten folgen und führen puzzleartig zu verschiedenen Enden: Eine minimal andere Wendung, und das Stück endet nach weiteren Knotenpunkten bei einem Begräbnis statt am Krankenbett. Dabei kehren die Zwillingsaufführungen "Raucher/ Nichtraucher" (die erste Inszenierung widmet sich dem Raucherpärchen, die zweite den Abstinenzlern) immer wieder zurück zur Ausgangssituation "Nehme ich eine Zigarette oder nicht?" und beantwortet die Frage in den beiden Inszenierungen unterschiedlich.

"Raucher/Nichtraucher" ist ein gewagtes Doppelspiel mit mehreren Rollen, aber nur zwei Darstellern. Daher müssen die beiden Akteure gleich mehrere Parts in diesem mathematisch konstruierten "Mehr-Ender" übernehmen. So wird Riemann als Hausfrau zu sehen sein, die in ihrer Ehe mit ihrem alkoholabhängigen Mann keine Erfüllung mehr sieht. Gleichzeitig spielt sie die sehr viel jüngere, spitzzüngige Haushaltshilfe Sylvie und eine ältere Dame, die sich um Probleme über Liebe und Sex keine Gedanken mehr macht.

"Ich hoffe, dass wir nicht zur sehr beschimpft werden"

"Ich versuche gerade herauszufinden, ob ich überhaupt Theater spielen kann", sagte Riemann ("Der bewegte Mann") am Montag in Berlin in dem Boulevard-Theater. Riemann hatte zuletzt 1993 am inzwischen geschlossenen Berliner Schiller-Theater unter anderem als Amalia in Schillers "Räuber" auf der Bühne gestanden. Nach ihren damals eher "schlechten Erfahrungen" sei sie nach ihren Film- und Fernseharbeiten sehr froh über das jetzige Angebot. "Ich hoffe, dass wir nicht zur sehr beschimpft werden", so die Schauspielerin über ihren Auftritt. Ihre Rückkehr zum Theater war nicht geplant. "Man sitzt als Schauspieler und wartet, dass einem etwas angeboten wird - nicht umgekehrt. Das wird leider oft vergessen." Angst vor dem Boulevard-Theater hat die Actrice nicht. "Das Stück kommt zwar boulevardesk daher, trifft dann aber durch die Brust ins Auge umso härter." Als Komödiendarstellerin sieht sie sich nicht. "Eine Schublade ist wie ein Gefängnis. Ich will meine Freiheit. Die Presse ist doch diejenige, die die Schubladen aufzieht", so die 37-Jährige über ihre Image.

"Raucher" oder "Nichtraucher" heißt es auch für die Zuschauer - wenn sie sich nicht beide Aufführungen ansehen und das insgesamt dreieinhalbstündige Spiel genießen wollen, das in seiner Gänze nur einmal auf die Bühne kommt. Ansonsten wird der Spaß in zwei Teile gesplittet. Wer den gleichen Anfang beim zweiten Besuch nicht noch einmal sehen will, kommt nach der Pause und rollt von dort die neue Version ab. Als besonderes Bonbon zahlt der Besucher dann für die zweite Halbzeit der zweiten Fassung auch nur die Hälfte.

Wie bei selbstgedrehten Zigaretten basteln sich die Zuschauer selbst die Form jeder Aufführung. Das Publikum kann den Ausgang des Stücks an jedem Abend selbst bestimmen. Vor der Pause werden die Zuschauer von den Schauspielern aufgefordert, darüber abzustimmen, wie es nach der Pause weitergehen soll. Als weiterer Clou können Interessierte im Internet unter www.theater-am-kurfuerstendamm.de interaktiv mitentscheiden.

Die Premiere ist für den 2. März geplant. 22 Aufführungen sind zunächst bis Ostern vorgesehen. Später soll das Stück auch in Hamburg gezeigt werden. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest.



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