Keine "Impulse" mehr Chefredakteurin Weidenfeld tritt ab

Die krisengeschüttelten Wirtschaftstitel des Hamburger Verlags Gruner + Jahr kommen nicht zur Ruhe. Ursula Weidenfeld, Chefredakteurin des Magazins "Impulse", verlässt das Blatt - ohne Angabe von Gründen.


Hamburg - Und da waren's nur noch zwei. Ursula Weidenfeld, Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins "Impulse", verlässt die von einem massiven Umbau betroffene Wirtschaftspresse des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr. Die Journalistin hat den Posten erst seit Mai vergangenen Jahres inne. Damit verbleiben von den ehedem vier Chefredakteuren der Gruner + Jahr-Wirtschaftstitel nur noch zwei im Hause. Eine Nachfolge für Weidenfeld soll allerdings in Kürze bekannt gegeben werden.

Chefredakteurin Weidenfeld: Keine "Impulse" mehr

Chefredakteurin Weidenfeld: Keine "Impulse" mehr

Im November hatte der Verlag angekündigt, dass ab März eine neue Zentralredaktion in Hamburg die Wirtschaftsblätter des Hauses bestücken soll.

Betroffen sind die Tageszeitung "Financial Times Deutschland", die Magazine "Capital" und "Impulse", die bisher in Köln beheimatet sind, und das Anlegermagazin "Börse Online", derzeitiger Redaktionssitz München.

Die zusammengelegte Redaktion soll von einem Kollegium unter Leitung von Steffen Klusmann, Chefredakteur der "FTD", geführt werden. Rund 250 Vollzeitkräfte sollen ihr angehören. Die Standorte Köln und München werden allerdings geschlossen - und 110 Redakteure entlassen. Sie alle können sich um 50 neue Stellen in Hamburg bewerben, müssen dabei aber auch schlechtere Konditionen in der neu gegründeten Redaktion in Kauf nehmen.

Der Verlag hatte allerdings betont, dass - trotz Klusmanns Rolle als primus inter pares - die Chefredakteure der drei anderen Titel, Ursula Weidenfeld ("Impulse"), Stefanie Burgmaier ("Börse Online") und Klaus Schweinsberg ("Capital"), die inhaltliche Verantwortung für ihre Marken behalten sollen.

"Capital"-Chef Schweinsberg hatte aber bereits kurz vor Verkündung der Sparpläne erklärt, den Verlag Anfang 2009 verlassen zu wollen. Seinen Posten soll "FTD"-Mann Klusmann übernehmen, wie wenige Wochen darauf bekannt wurde.

Das gesamte Vorgehen des Verlag sorgte für Aufruhr in der Branche - und seitens der Gruner + Jahr-Redakteure für bisweilen harsche Kritik an der Verlagsleitung.

Solch barsche Methoden war man in dem lange Zeit eher erfolgsverwöhnten Haus nicht gewohnt. Die Pläne "übersteigen das Vorstellungsvermögen - in jeder Beziehung", schrieb etwa der scheidende "Capital"-Chefredakteur Schweinsberg in einer internen E-Mail, wie der SPIEGEL berichtete.

Die Münchner und Kölner Betriebsräte wiederum bezeichneten die Pläne in einem offenen Brief an Hartmut Ostrowski, Vorstand des Bertelsmann-Konzern, zu dem Gruner + Jahr gehört, als "Himmelfahrtskommando".

Weidenfeld wollte offenbar nicht mehr Teil dieses Kommandos sein - selbst wenn es bisher keine Stellungsnahme zu den Gründen ihres Abgangs gibt.

tdo/ddp



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