Kilians Kolumne Ich werde Republikaner!

Yieppieh-A-Yeah! Der Dollar fällt, der Euro steigt - höchste Zeit für die Regierung der Vereinigten Staaten, sich Gedanken über eine neue Währung zu machen.

Von Martin Kilian, Charlottesville


Crash des Dollars: Reicht gerade mal für eine Currywurst
REUTERS

Crash des Dollars: Reicht gerade mal für eine Currywurst

Achtung, Sicherheitshinweis: Knollenblätterpilze entschlacken final! Wie seltsam: Damit wollte ich eigentlich überhaupt nicht beginnen. Welch ein grandioser Fehlstart! Wie schnell man sich doch in einem Text verirren kann! Ganz plötzlich kollern Adjektive und Verben unkontrolliert vorbei. Ein Gefühl der Machtlosigkeit überkommt einen. Großräumiges Denken wird unmöglich. Und konzise kommt sowieso nichts mehr nach dem gestrigen Abend. Im Rhumba Cafe in Washington hob das Dach ab. Diverse Europäer feierten. Ich auch. Onkel Wims Euro steigt. Ich werde stinkreich. Ein neues Leben beginnt! Onkel Wim: Der Größte! Seit der niederländischen Band Bettie Serveert das Beste aus Holland! Meine amerikanischen Freunde haben bereits reagiert: Die wöchentliche Almosenzahlung unterblieb. Ich hätte jetzt genug Moos. Tom und Joe sind hypernervös geworden. Der Dollar! Er sinkt. In Washington beginnt man, ihn zu kompostieren. Das Grün macht sich hübsch auf jedem Misthaufen. Einige meiner Freunde werfen das Zeug einfach weg. Warum sich damit noch belasten? Greenspans Greenback: Bald wertlos. Ex und hopp.

Und Sie? Ihr Dollar-Schwarzgeld auf den Cayman Islands? Au weia, Baby! Von wegen Pensionierung mit 35. Crash des Dollars = weiterhin Heizungen in Tübingen montieren oder Fassaden in Passau anstreichen. Geschieht Ihnen recht!

George W. Bushs seltsamer Finanzminister Paul ("der Querdenker") O'Neill trat des Dollars wegen vor dem Kongress auf. Alle schlugen auf ihn ein: Die Handelsdefizite. Und was, bitteschön, wenn der Dollar deswegen ummacht? Ich sage nur: 1 Euro = 10 Dollar. Ach was: 100 Dollar! Man hört bereits das Zähneklappern von Bushs Unterlingen im Weißen Haus. Adam Smiths unsichtbare Hand - behutsam geführt von Onkel Wim und Zorro, dem Rächer der Wechselkursgeschädigten - schlägt zu. I love you, Onkel Wim! Bald raschelt richtig Kies in der Tasche, wie es sich gehört hier zu Lande. Meine ganz private Euro-Party ist bereits geplant. Mit Madonna, R. Kelly und Doris Day. Und den Monkees. Gesamtgage: 1 Million Dollar = 10.000 Wims.

Wim Duisenberg: Der Größte!
DPA

Wim Duisenberg: Der Größte!

Zudem komme ich endlich in den Genuss von Bushs Steuersenkungen für King Krösus und Dagobert Duck. Yo, Schicksal! Ich werde Republikaner! Schließlich bestimmt das Sein das Bewusstsein (siehe Sinatra F., Prolegomena zu einer Theorie des Seins in: Festschrift für Dean Martin, Las Vegas, 1955). Nun also: Nie mehr Cornflakes. Sondern Duo von Steak und Foie Gras auf Kaviar - zum Frühstück! Dazu klassengerecht meckern: Zu viel Staat, zu hohe Steuern, zu viel Dirigismus, zu viele Sozis. Und George W. Bush? Meine Stimme hat er. Obschon es ziemlich düster für ihn aussieht. Man überlegt angeblich, den Dollar aufzugeben und den argentinischen Peso zu übernehmen. Von einer "Pesoisierung" der amerikanischen Volkswirtschaft ist die Rede. Irre! W. wird womöglich Bankferien bis zum Wahltag 2004 anordnen müssen. O'Neill soll sich in Buenos Aires befinden, um die "Pesoisierung" vorzubereiten. Whoa! Bei Ws. geplanten Staatsbesuch in Berlin wird es also nur für eine Currywurst reichen. Schließlich kostet allein der Klacks Ketchup 200.000 US-Pesos!

Und Ws. Jumbojet wird wohl aus dem Verkehr gezogen - zu hohe Spritkosten, da Kerosin nächstens in Duisenbergs abgerechnet wird. Eigenhändig, so die Befürchtung des Weißen Hauses, wird W. seine Piper Cub (2 Sitzplätze + 1 Propeller) nach Tempelhof steuern. Im Handgepäck: 40 Millionen Pesos, damit die Landegebühren bezahlt werden können.

Dagobert Duck: Endlich im Geld schwimmen wie der Entenopa
AP

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Jesus! Allein der Gedanke daran! In der engen Kabine transportiert W. überdies das Geschenk für Schröder: Eine gebrannte CD ("Songs from the Heart of Thurn und Texas"). Oben auf dem Kabinendach ein Alu-Koffer: Mehr Pesos. Um für den Heimflug aufzutanken. Hier nun wäre Großherzigkeit gefragt. Spendenkonto 193847 745363 bei der Berliner Bankgesellschaft. Stichwort: "Ein Herz für W." Sachspenden (Erdnussbutter, alkoholfreies Bier, Käse-Doodles, Brezeln) werden ebenfalls dankbar entgegengenommen. Doch der nächste Schock lauert bereits um die Ecke: O'Neill erwägt nämlich (wegen des schlechten Image des Pesos) die Einführung der - schluck! - Lira!!! Sie gehört ja niemandem mehr! Die Lira! Wow! Greenspan wird Big Wim beim nächsten Notenbankgipfel den Gouda entrinden und ihm die Tulpen auf dem Dach der EZB in Frankfurt gießen müssen. Total unfassbar! Aber wie der Euro abhebt! Wie er in die Stratosphäre donnert! All Systems go! Volle Schubkraft, Turbo zugeschaltet! Und Big Wim an den Konsolen im Aufwertungszentrum Frankfurt. Und W.? Er wird zum "Vater der US-Lira". Welch ein Ehrentitel, welch historische Größe! Davor kann man sich nur still verneigen.



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