Kommentar zum Antisemitismus Kippa auf den Kopf!
Kippa-Träger: Juden sollten sich nicht verstecken müssen
Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpaWer eine Kippa trägt, kann in Deutschland Probleme bekommen.
In Vierteln mit hohem muslimischem Anteil der Bevölkerung, müssten sich Juden fragen, "ob es tatsächlich sinnvoll ist", sich mit der religiösen Kopfbedeckung zu erkennen zu geben - sagt Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er hat wohl leider Recht - zumindest, was Berlin betrifft.
In der jüngeren Vergangenheit sind dort mehrfach Mitbürger zur Zielscheibe geworden, nur weil sie offensichtlich als Juden zu erkennen waren: Am Rande von pro-palästinensischen Demonstrationen , in Problemvierteln , in hippen und in nobleren Kiezen, in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Liste ist lang, viel zu lang.
Noch sind diese Attacken nicht die Regel, sie sind aber auch schon lange keine Ausnahmen mehr. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime hat erfreulicherweise das Problem mit vor allem jungen muslimischen Männern und ihrem Hass auf das Judentum eingestanden. Es wäre aber falsch, bei den Attacken auf Juden von einer Folge der Islamisierung Deutschlands zu sprechen.
Antisemitismus ist nicht nur ein Problem der muslimischen Gemeinde. Auch viele Herkunftsdeutsche hängen antisemitischen Stereotypen an . Diese Vorurteile sind der Nährboden für den Hass auf alles jüdische.
Die Antwort auf diesen Hass kann aber nicht sein, sich zu verstecken. Freilich kann niemand von den hier lebenden Juden verlangen, sich einer offensichtlichen Gefahr auszusetzen. Aber wenn der Klügere nachgibt, regiert der Dumme. Die Antwort kann auch nicht noch mehr Polizeischutz sein. Es ist schön und richtig, dass die Kanzlerin ihren jüdischen Mitmenschen leibliche Unversehrtheit verspricht. Was soll sie auch anderes tun? Doch die Bilder von schwer bewaffneten Polizisten vor jüdischen Einrichtungen, zum Beispiel vor der Talmud Tora Schule in Hamburg, sind unerträglich. Sie sollen Sicherheit geben und beweisen den hier lebenden Juden doch nur das Gegenteil.
Nein, die Antwort kann nur sein, dass möglichst viele Menschen in Deutschland eine Kippa tragen - auch und gerade Nichtjuden. Wenn die Mehrheit zum Feindbild wird, dann wird das Feindbild uninteressant. Denn meist entlädt sich die Gewalt gegen Schwächere, Alte, Einzelne. Am Ende ist es sowieso egal, was wir auf dem Kopf tragen. Nur sein Inhalt zählt.