Kirche und Kunst "Glaubensprozession" sorgt für Streit

Nach der Debatte um die Papst-Satire "Popetown" gibt es  nun auch in Österreich Streit um das Verhältnis von kreativer Freiheit und kirchlichen Tabus. Ein für Karfreitag geplanter Prozessionszug von Salzburger Künstlern wurde abgesagt.   


Salzburg - Die Sicherheit der Teilnehmer sei nach zahlreichen Drohungen in Form von Mails und Anrufen nicht mehr gewährleistet gewesen, sagte der künstlerische Leiter des Veranstalters "ARGEkultur", Marcus Hank. Gegner der alternativen Prozession hätten die "Kreuzigung" der DarstellerInnen gefordert und offen mit "physischer Gewalt" gedroht.

Kunst-Figur am Kreuz: "Arge Provokation" für den christlichen Glauben
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Kunst-Figur am Kreuz: "Arge Provokation" für den christlichen Glauben

Das geplante Stationendrama mit dem Titel "Er-Lösung? Eine Glaubensprozession" hatte in Salzburg zu massiven Protesten von Kirche und Politik geführt. Die Veranstalter selbst wollten allerdings keine blasphemisches Projekt in Szene setzen, sondern "das Opferbild, den Opferbegriff, deren Gebrauch/Missbrauch in einer säkularisierten Welt thematisieren", wie es auf der Homepage von "ARGEkultur" heißt.

Auf einem Plakat, das die Veranstalter zeigten, ist eine nackte junge Frau zu sehen, die am Kreuz hängt. Geplant war ein Prozessionszug-artiger Gang am Dom vorbei. Die polnische Künstlerin Dorota Niesnalska hätte den Zug als "Opfer" begleiten sollen, danach hätte es eine "Kreuzigung" geben sollen.

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser bezeichnete die Aktion als "arge Provokation" für den christlichen Glauben. Die Verantwortlichen in der Stadt zogen ein Verbot des Umzugs in Erwägung, dem die Veranstalter nun mit der Absage zuvorkamen.

anr/dpa



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