Kremlkritiker Serebrennikov Hausarrest bestätigt, Spaziergänge erlaubt

Ein Moskauer Gericht hat entschieden, dass der kremlkritische Regisseur Kirill Serebrennikov weiter unter Hausarrest steht. Es erlaubt ihm jedoch tägliche Freigänge - innerhalb seines Stadtbezirks.

Kirill Serebrennikov (M.) mit der Schauspielerin Yelena Koreneva nach der Gerichtsverhandlung in Moskau
REUTERS

Kirill Serebrennikov (M.) mit der Schauspielerin Yelena Koreneva nach der Gerichtsverhandlung in Moskau


Der 47-Jährige darf seine Wohnung im Moskauer Zentrum jeden Tag zwischen 18 und 20 Uhr für Spaziergänge verlassen: Ein Moskauer Gericht hat dem unter Hausarrest stehenden russischen Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov die Erlaubnis für Freigänge erteilt. Jedoch dürfe er nicht außerhalb seines Stadtbezirks unterwegs sein.

"Ich habe sowieso keine Möglichkeit, zu flüchten oder mich zu verstecken", äußerte sich der Regisseur laut der Agentur Interfax. Serebrennikow habe zudem den Wunsch geäußert, dass sein Yogalehrer und ein buddhistischer Geistlicher Zugang zu seiner Wohnung erhalten sollen.

Der Leiter des Moskauer Gogol-Theaters war am 22.08.17 festgenommen worden; die Ermittlungsbehörde wirft ihm vor, 68 Millionen Rubel (etwa eine Million Euro) staatlicher Förderungen unterschlagen zu haben. Seither steht er wegen Betrugsverdachts unter Hausarrest, gegen den er Berufung eingelegt hatte. Sein Anwalt hatte vorgeschlagen, Serebrennikow gegen eine Kaution in der Höhe desselben Betrags freizulassen - diesem Vorschlag kam das Gericht nun nicht nach.

Der Regisseur nutzte den Gerichtstermin, um abermals seine Unschuld zu beteuern. "Die Anschuldigung gegen mich ist absurd, erlogen und absichtlich fabriziert", sagte Serebrennikow und fügte hinzu, dass er sich nie persönlich bereichert habe.

Unterdessen haben bei der vom Intendanten der Berliner Schaubühne Thomas Ostermeier initiierten Solidaritätsaktion "Freiheit für Kirill Serebrennikov" 12.638 Unterstützerinnen und Unterstützer unterschrieben, darunter die Schauspielerinnen Cate Blanchett und Nina Hoss, die Schriftstellerin Elfriede Jelinek und der Regisseur Volker Schlöndorff.

Auch der Stuttgarter Staatsopernintendant Jossi Wieler ist dabei. An dessen Haus wird am 22. Oktober die Premiere der neuen Operninszenierung von Kirill Serebrennikov stattfinden: Verwirklicht werden soll "Hänsel und Gretel" nun von Mitarbeitern von Serebrennikov.

bsc/dpa



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