Kirill Serebrennikov Kreml-kritischer Regisseur erhält Hausarrest

Ein Moskauer Haftrichter hat den russischen Starregisseur Kirill Serebrennikov unter Hausarrest gestellt. Ihm wird Veruntreuung vorgeworfen, der regierungskritische Künstler bestreitet das.

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov
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Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov


Der russische Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov, der der russischen Führung offen kritisch gegenübersteht, war am Dienstag wegen angeblichen Betrugsverdachts festgenommen worden. Der Leiter des Moskauer Gogol-Zentrums stehe im Verdacht, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben.

Nun kam ein Gericht in Moskau der Forderung der Staatsanwaltschaft nach und stellte Serebrennikov bis zum 19. Oktober unter Hausarrest. In dieser Zeit darf er keine Theater besuchen und keine Filme drehen. Der Künstler selbst hatte zuvor im Gericht alle Beschuldigungen zurückgewiesen und seine Freilassung verlangt.

Die Justiz wirft Serebrennikov Betrug in einem besonders schweren Fall vor. Der entsprechende Paragraf des russischen Strafrechts sieht hohe Geldstrafen oder bis zu zehn Jahre Haft vor.

Das Gogol-Zentrum gilt als eines der besten Theater Moskaus und ist vor allem beim liberalen gebildeten Publikum beliebt. Der Konflikt um mögliche Veruntreuungen schwelt seit mehreren Monaten. Bereits im Mai wurden das Theater sowie Serebrennikovs Wohnung durchsucht. Die Polizei holte Serebrennikov damals ab. Es hieß, er sei ein Zeuge im Fall der angeblichen Veruntreuung. Noch am selben Abend wurde er wieder freigelassen. Weil aber sein Pass eingezogen war und er nicht ins Ausland reisen durfte, fürchtete auch er eine Festnahme.

Das Verfahren um mögliche Veruntreuungen ist nicht der einzige Konflikt, der Serebrennikovs Arbeit in Russland zusetzt. Erst im Juli hatte das Moskauer Bolschoi-Theater drei Tage vor der Welturaufführung eine Ballett-Inszenierung Serebrennikovs über den russischen Startänzer Rudolf Nurejew abgesagt. Das Bolschoi dementierte damals, es hätte die Aufführung abgesagt, weil in dem Stück Nurejews Homosexualität offen thematisiert würde. Doch der Fall erinnert an ein Filmprojekt Serebrennikovs: Vor einigen Jahren wurden ihm bereits genehmigte Fördergelder für ein Filmprojekt über Pyotr Tschaikowsky entzogen, weil bekannt wurde, dass Tschaikowskys Homosexualität im Film vorkommen sollte.

International ist Serebrennikov vor allem als Film- und Opernregisseur bekannt: Im Januar 2017 lief in den deutschen Kinos sein religions- und gesellschaftskritischer Film "Der die Zeichen liest" an, für den er nach den Erfahrungen mit dem Tschaikowsky-Projekt keine russischen Fördergelder mehr einwarb und ihn stattdessen komplett international finanzierte.

Immer wieder arbeitet Serebrennikov auch an deutschen Opernhäusern. An der Komischen Oper Berlin ist zurzeit seine Inszenierung von "Der Barbier von Sevilla" zu sehen. Im Oktober soll Serebrennikov in Stuttgart die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszenieren.

cbu/heb/dpa



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