Kremlkritischer Regisseur Kirill Serebrennikow aus Hausarrest entlassen

Er ließ sich vom Kreml nicht einschüchtern, inszenierte aus seinem fast zwei Jahre dauernden Hausarrest heraus Opern wie zuletzt "Nabucco" in Hamburg. Nun wurde der Arrest überraschend aufgehoben.

Kirill Serebrennikow
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Kirill Serebrennikow


Immer wieder war der Hausarrest des russischen Theater-, Opern- und Filmregisseurs Kirill Serebrennikow verlängert worden, zuletzt in der vergangenen Woche bis zum 4. Juli. Nun hob das zuständige Moskauer Gericht diesen völlig überraschend auf, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldet.

Der 49-Jährige dürfe die Stadt aber nicht ohne Genehmigung der Polizei verlassen; sein Reisepass ist eingezogen. Serebrennikow sagte nach der Entscheidung, dass er nun wieder ungehindert arbeiten wolle. Menschenrechtler begrüßten die Entscheidung des Gerichts.

Der auch in Deutschland bekannte Regisseur, der mehrmals am berühmten Bolschoi-Theater inszenierte, war im August 2017 festgenommen worden. Ihm wird die Veruntreuung von staatlichen Fördergeldern in Höhe von 133 Millionen Rubel (rund zwei Millionen Euro) vorgeworfen.

Inszenierungen aus dem Hausarrest heraus

Er selbst hatte die Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen. Unterstützer sprachen von dem Versuch, den Kremlkritiker und sein Künstlerumfeld einzuschüchtern. Bereits kurz nach der Verhaftung Serebrennikows hatte der Intendant der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, zur Solidarität aufgerufen, 34 Kunstschaffende und Schauspieler, darunter auch Cate Blanchett, schlossen sich an.

Trotz des Hausarrestes und ohne Internet und Telefon gelang es dem Regisseur, künstlerisch zu arbeiten. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung liefen die Dreharbeiten zu seinem Film "Leto" ("Sommer"), der 2018 in Cannes ohne ihn Premiere feiern musste. Über seinen Anwalt und andere Helfer schickte er zudem mehrfach Regie-Anweisungen per USB-Stick an Opern-Ensembles, zuletzt für "Così fan Tutte" in Zürich, "Hänsel und Gretel" an der Oper in Stuttgart und "Nabucco" in Hamburg. Ende März erhielt er den renommierten russischen Filmpreis "Nika" - für die beste Regie.

brs/dpa

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