Klima-Kampagne Nacktfotos sollen Gletscher retten

Einmal nackte Tatsachen auf Eis, bitte: Der Fotograf Spencer Tunick soll für Greenpeace mit einem Gletscher-Shooting auf den Klimawandel aufmerksam machen - es werden noch Freiwillige gesucht.

Genf/Zürich - Kann man sich auch auf den höchsten Gipfeln bald sonnen wie am Strand? Um das zu verhindern, möchte die Umweltorganisation Greenpeace Alarm schlagen: Der weltbekannte Fotograf Spencer Tunick soll für eine Kampagne zum Schutz der Gletscher nackte Erwachsene fotografieren.

Die unbekleideten Menschen sollen auf den Eismassen posieren, um auf die Gefahren des Klimawandels hinzuweisen, wie die Schweizer Abteilung von Greenpeace der Nachrichtenagentur afp mitteilte. "Wir müssen unverzüglich handeln, sonst ist es zu spät", erklärte Kampagnenchef Markus Alleman.

Dabei sollten so viele Nackte wie möglich auf dem Gletscherbild von Tunick verewigt werden. Trotz der klaren Faktenlage zum Klimawandel sei immer noch kein Politiker zum Handeln bereit, sagte Alleman. "Jetzt müssen wir die Gefühle der Menschen aufrütteln." Denn wenn die Klimaerwärmung im heutigen Ausmaß fortschreite, bleibe im Jahr 2080 von den meisten Gletschern nur noch eine Geröllhalde zurück.

Zuletzt war im vergangenen Sommer ein Felsvorsprung ("Gupf") an der Eiger-Ostflanke nahe dem Schweizer Bergdorf Grindelwald zu Tal gerauscht. Der Geologe Hans Rudolf Keusen sagte damals zu SPIEGEL ONLINE, dass "mit der Klimaerwärmung und dem Rückgang der Gletscherdecke (...) der Druck auf die angrenzende Ostflanke des Eiger immer mehr abgenommen" habe. So entstünden im Fels langsam, aber sicher Spannungen bis zum Zerreißen.

Möglichst viele Freiwillige sollen am Wochenende vom 18. und 19. August die Hüllen fallen lassen und damit die Verletzlichkeit der schwindenden Gletscher wie auch des Menschen symbolisieren, sagte die Umweltorganisation der Nachrichtenagentur AP. In der Sommerhitze soll die eisige Kälte für die Teilnehmer erträglicher sein.

Welcher Gletscher "nackt beehrt" werden soll, wird laut Greenpeace erst eine Woche vor dem Termin bekannt gegeben. Als Ausweichdatum gilt das darauf folgende Wochenende. Freiwillige können sich auf der Schweizer Greenpeace-Internetseite bewerben.

Der US-Amerikaner Tunick, 40, ist für spektakuläre Fotos mit Nackten bekannt, die er "lebende Skulpturen" oder "Körperlandschaften" nennt. Für seine Werke posierten Hüllenlose bereits in Melbourne, Barcelona, Amsterdam, New York und auf dem Zocalo-Platz in Mexico-Stadt. Seine Modelle arbeiten stets ohne Gage, erhalten jedoch ein signiertes Foto der Installation als Dank für ihre Teilnahme.

bos/afp/AP

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