Piacenza Gestohlenes Klimt-Gemälde in Galeriemauer entdeckt

Es war einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle der jüngeren Kriminalgeschichte, als das Klimt-Gemälde vor 22 Jahren aus einer italienischen Galerie verschwand. Nun ist es wieder aufgetaucht - genau dort.
"Porträt einer Frau" von Gustav Klimt: In Piacenza ist das 1997 gestohlene Gemälde wieder aufgetaucht

"Porträt einer Frau" von Gustav Klimt: In Piacenza ist das 1997 gestohlene Gemälde wieder aufgetaucht

Foto: Polizia di Stato/ REUTERS

Nach dem rätselhaften Diebstahl eines Gemäldes von Gustav Klimt aus einer italienischen Galerie vor mehr als 22 Jahren sind die Umstände, unter denen das Kunstwerk nun wieder aufgetaucht ist, mindestens genauso kurios: Als Arbeiter die Außenwand der Galerie von Efeu befreien wollten, entdeckten sie eine kleine Klapptür, dahinter stießen sie auf das in eine Plastikmülltüte gewickelte "Porträt einer Frau" des österreichischen Malers (1862-1918).

Die Polizei habe nun die weiteren Ermittlungen und die Suche nach Experten übernommen, die die Echtheit des Gemäldes überprüfen sollen, teilten die Behörden der norditalienischen Stadt Piacenza mit. "Das Gemälde ist in einem ausgezeichneten Zustand und es ist schwer zu glauben, dass es 22 Jahre in der Mauer so nah an Erdreich und Vegetation gelagert gewesen sein soll", sagte der Kulturbeauftragte der Stadt, Jonathan Papamarengh. Er bezeichnete das Bild als das zweitwertvollste auf der Liste der in Italien vermissten Kunstwerke. Auf Platz eins steht ein Gemälde von Caravaggio, das 1969 in Sizilien gestohlen worden war.

Der Diebstahl von Klimts "Porträt einer Frau" war von Anfang an mysteriös. Lange konnte die Polizei nicht einmal sagen, wie es aus der Galerie verschwinden konnte. Dann hieß es, die Täter hätten es mit einer Angel durch eine Dachlucke vom Haken manövriert. Dort sollten sie es aus dem Rahmen gelöst haben. Hinzu kam, dass eine gut gemachte Fälschung des Bildes wenig später an einen in Ungnade gefallenen Politiker geschickt und dann von der Polizei beschlagnahmt worden war. Wegen seiner Bekanntheit galt das 50 mal 60 Zentimeter große Gemälde als unverkäuflich.

Zufall statt DNA-Beweise

Erst ein Jahr vor dem Diebstahl hatte man bemerkt, dass es sich bei dem Bildnis um ein doppeltes Porträt handelte: Klimt hatte die Leinwand 1912 für das Bildnis eines Mädchens genutzt und es dann 1917 übermalt.

Vor etwa fünf Jahren dann hatten die Behörden die Ermittlungen wieder aufgenommen und auf Erkenntnisse durch einen halben Fingerabdruck auf dem Rahmen gehofft. Damals war auch bekannt geworden, dass die Täter wohl über eine anstehende Renovierung der Galerie informiert gewesen waren. Das Klimt-Gemälde soll da schon für einen Transport verpackt, die Alarmanlage seit Monaten ausgeschaltet gewesen sein.

Nun also hat, sollte sich die Echtheit bestätigen, der Zufall das Gemälde wieder zutage befördert. Klimt gilt als einer der bekanntesten Künstler des Jugendstils und einer der teuersten Maler der Welt. Die Neue Galerie New York kaufte 2006  das Klimt-Gemälde "Adele Bloch-Bauer I" für 135 Millionen Dollar.

brs/Reuters