Kölner Krawall-Oper Sänger melden sich wegen Vergewaltigungs-Szenen krank

Vor Erschießungen auf offener Bühne befragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker: Mitglieder des Kölner Opernchors können nicht auftreten, weil sie eine "Samson und Dalila"-Inszenierung allzu sehr psychisch belastet.


Köln - Bislang galt, das Heikelste im Umgang mit Camille Saint-Saëns sei die Aussprache seines zungenbrecherischen Namens.

Nun haben sich mehrere Sänger des Kölner Opernchores wegen der drastischen Darstellung von Kriegsszenen in einer anstehenden Inszenierung der Oper Köln krank gemeldet. Derzeit stünden acht von 66 Mitwirkenden des Chores nicht für die Premiere der Oper "Samson et Dalila" von Camille Saint-Saëns zur Verfügung, teilte die Bühne am
Donnerstag mit. Die Musiker klagten über psychische Belastungen und Schlafstörungen.

Regisseur Tilman Knabe hat bereits mehrfach mit der Interpretation von Gewalt auf der Bühne für Aufsehen gesorgt. In der Kölner Inszenierung seien unter anderem Szenen von Massenvergewaltigungen und Erschießungen vorgesehen, berichteten Probenteilnehmer.

Die Oper aus dem späten 19. Jahrhunderts fußt auf einer alt-testamentarischen Geschichte, Knabe verlegte die Handlung in den Gaza-Streifen.

Der geschäftsführende Intendant der Bühnen, Peter F. Raddatz, äußerte in einer Erklärung zwar Verständnis für die Musiker.

Andererseits sollten gerade Künstler zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können. An der Inszenierung und dem Premierentermin 2. Mai werde festgehalten. Die Bühnen haben für den Besuch des Stücks ein Mindestalter von 16 Jahren empfohlen.

Das allerdings gilt nicht für Saint-Saens bekanntestes Werk: Es ist "Karneval der Tiere", ein Stück für Kinder.

sha/ddp

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