Kölner Kunstskandal Beltracchi fälschte Bilder von mehr als 50 Künstlern

Verurteilt wurde er wegen 14 unechter Bildern, es könnten jedoch deutlich mehr sein: Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi räumt im Gespräch mit dem SPIEGEL ein, mehr als 50 Maler kopiert zu haben. Der Drahtzieher des Kölner Fälschungsskandals verrät auch, wie sein kriminelles Schaffen aufflog.
Drahtzieher einer vierköpfigen Fälscherbande: Wolfgang Beltracchi hat 50 Maler kopiert

Drahtzieher einer vierköpfigen Fälscherbande: Wolfgang Beltracchi hat 50 Maler kopiert

Foto: Andreas Teichmann

Hamburg - Der im Oktober wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi hat in einem Gespräch mit dem SPIEGEL mehr Fälschungen eingeräumt als bislang bekannt. In seinem Leben, so der 61-Jährige, habe er Werke von "ungefähr 50" verschiedenen Künstlern gefälscht. Die genaue Zahl der Bilder und wo sie sich heute befinden, will Beltracchi jedoch nicht preisgeben. In dem Gespräch mit dem SPIEGEL berichtet er zum ersten Mal, wie er den Kunstmarkt narrte - und warum er aufflog.

Begonnen habe seine Fälscher-Karriere bereits in den siebziger Jahren, als er "ungemalte Werke Alter Meister, später auch Jugendstil und Expressionisten" produziert und auf Flohmärkten verkauft habe. In den achtziger und neunziger Jahren erfand er die Sammlungen "Knops" und "Jägers", aus denen angeblich verschollene Originale der klassischen Moderne stammen sollten. In Wahrheit hatte Beltracchi die Werke gefälscht.

Aufgeflogen sei der jahrzehntelange Schwindel schließlich durch eine falsch etikettierte Farbtube aus Holland, die geringe Mengen Titanweiß enthielt. Die Farbe, die später auf einem von Beltracchi gefälschten Heinrich Campendonk festgestellt wurde, war zur angeblichen Entstehungszeit des Werkes jedoch gar nicht in Gebrauch. Er hätte, so Beltracchi, wegen der großen Nachfrage leicht "1000 oder 2000 Stück" seiner Fälschungen auf dem Kunstmarkt absetzen können.

Beltracchi löste den größten Fälschungsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte aus. Verurteilt wurde er wegen 14 gefälschter Gemälde von sechs namhaften Künstlern wie Heinrich Campendonk, Fernand Léger oder Max Ernst; der Gesamtschaden beläuft sich bislang auf 34 Millionen Euro.

jus