S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Für eine Sekunde gute Laune

Hören wir doch mal für einen Moment damit auf, uns über die sogenannten Gutmenschen lustig zu machen. Denn Leute, die sich um Dinge kümmern, die nicht sofort zu Geld gemacht werden können, gibt es viel zu wenig. Ein Loblied.
Lehrerin, Schulkinder: Ein großes Glück

Lehrerin, Schulkinder: Ein großes Glück

Foto: Corbis

Gute Güte! Wie wieselgleich manche Menschen Jahre ihres beschränkten Lebens darauf verwenden, die Welt in einem Status quo der Ekelhaftigkeit zu halten, ist immer wieder erstaunlich. Zum Beispiel dieser junge Vogel, der daran tüftelte, dass jeder Honk, der Zugang zu einem 3-D-Drucker hat, in den Besitz eines unregistrierten Revolvers kommen kann. Unscannbar, versteht sich. Oder all die eifrigen Hacker, deren höchstes Ziel es ist, an Kreditkarteninformationen anderer Sterblicher zu gelangen. Oder all die Bastler von Würmern und Trojanern, um nur ein paar unsinnige Lebensformen zu erwähnen.

An matten Tagen zwischen Dauerregen und Serengeti-Hitze denke ich mir, wie es wäre, wenn all die Energie, die für Blödheit flöten geht (Steilvorlage: Frau Berg, wenn Sie die kostbare Lebenszeit dafür nutzten, in einem Kinderkrankenhaus in Lambarene zu arbeiten, statt uns hier, an dieser Stelle...) in niedliche Bahnen gelenkt würde. Aus aktuellem Anlass, der eine Einladung an mich war von einer kleinen Schule in der Schweiz, deren DeutschlehrerInnen Lesungen organisieren und Schreibwerkstätten für Kinder anbieten, einfach, damit die Kinder Freude am Lesen lernen: Eine Hymne auf alle Menschen, die etwas machen, womit sie weder in die "Forbes"-Liste noch ins Fernsehen kommen.

"Vermutlich werdet Ihr diesen Text nie lesen, weil Menschen, die Dinge tun, die schlecht bezahlt werden, keine Zeit zum Lesen von Online-Essays haben. Aber vielleicht berichtet Euch ein arbeitsloser Freund von meiner Huldigung, und Ihr bekommt für eine Sekunde gute Laune. Es ist großartig was Ihr macht, Ihr schlecht bezahlten LehrerInnen, die nach Schulschluss Theater mit Kindern spielen oder Computerkurse anbieten. Ihr, die Ihr Sprachkurse für Neuzugezogene anbietet. Ihr netten Leute, die Ihr Städte guerilliaesk begrünt und auf die Kinder des Nachbarn aufpasst.

Ich danke Euch dafür, dass Ihr mit alten Leuten spazieren geht, die sonst nicht mehr rauskommen, dass Ihr Bands für junge Leute anleitet, die sonst gelangweilt an Bushaltestellen rumhängen und Spatzen erschießen würden. Danke, dass Ihr in Eurer freien Zeit Euer Geld nicht an der Börse versenkt, sondern Busse mit Hilfsgütern nach irgendwohin lenkt. Danke, dass Ihr, statt in einem Blog vor Euch hinzufuchteln und auf eine Einladung von Markus Lanz zu warten, in der Freizeit Katzen rettet oder Hunde auf Mallorca. Danke, dass Ihr Euch Hilfsprojekte überlegt, und dass Ihr, statt gegen Bahnhöfe zu demonstrieren, Geld für Länder sammelt, in denen die Leute noch nie von Eisenbahnen gehört haben.

Ich singe für Euch leise (laut ginge daneben), die Ihr Überstunden macht, weil Ihr Euren Beruf liebt. Der anstrengend ist und nicht sehr gut bezahlt, der eventuell mit dem zu tun hat, was in unserem System nicht so viel wert ist: mit Alten, Kindern, Kranken, Behinderten, Asylanten, Zugezogenen, mit allen also, die kein Geld erwirtschaften. Für jeden, der seine Zeit nutzt, um unser Leben netter zu machen, liebevoller, aufmerksamer. Für jeden, der anderen fucking Respekt zeigt (und zwar nicht in einem ekligen Bushido-Sinn), dem gilt meine Hymne an diesem Sahara-Tag in diesem Klima, das seltsam wird, in dieser Welt die schon immer seltsam war."

Und wer einen sieht, der manchmal vielleicht ein wenig selbstgerecht scheint, weil er hilft und sich darum besser fühlt als die anderen, die lieber Ärger verbreiten, sollte ihn in den Arm nehmen und sich freuen, dass es ihn oder sie gibt. Weil Leute, die nicht nur an sich denken, verdammt rar sind und schützenswert.

Und nun singen wir alle: Danke!

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