S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Nicht aufgeben, das Gute siegt!

Anteilnahme muss man sich erlauben können. Selbstlos kann nur derjenige sein, der kein Bluffer ist. Die Welt ist verblüffend voll mit guten Menschen. Ihr Leben ist anstrengender. Macht aber entschieden mehr Spaß.

Eine Kolumne von


Behauptungen verdunkeln unsere Welt wie Aschewolken. Viele Manager behaupten Kompetenz, Experten behaupten, den klaren Durchblick und diverse Lösungen zu haben, Autoren behaupten zu wissen, was schon immer mal gesagt werden musste, Intendanten behaupten Leitkultur, Impfgegner und -befürworter behaupten, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, manchmal behaupten sogar Ärzte, Ärzte zu sein. Und nachts, denke ich, müssen sie alle doch mit rasendem Herz liegen, vom Schlaf nicht bedacht, und befürchten, dass irgendjemand ihnen auf die Schliche kommt. Und sagt: Wir haben herausgefunden, dass du keine Ahnung hast und jeder deinen Job spielend erledigen kann.

Bluffer, so meine heutige verwegene Theorie, nehmen andere nicht wahr, weil die Aufrechterhaltung eines Status so eine fragile Angelegenheit ist. Nur nicht innehalten und stolpern, nur nichts vom eigenen Zweifel zeigen. Von der Ahnung der Sterblichkeit. Anteilnahme muss man sich erlauben können. Selbstlosigkeit hat, wer weiß, dass es seiner großartigen Persönlichkeit nichts nimmt, sich nicht nur mit sich selber zu beschäftigen.

In diesem Fall lohnte die Nachfrage

Darrell Barton ist ein rundlicher Busfahrer in Buffalo, USA. Aus dem Augenwinkel bemerkt er auf seiner Tour, weiß der Geier von wo nach wo, eine Frau, die über die Gitter einer Brücke geklettert ist und springen will. Vermutlich. Der Busfahrer stoppt mitten auf der Straße, zieht die Frau zurück auf die sichere Seite der Absperrung und beginnt, mit ihr zu reden.

Das Recht zur Selbsttötung ist unantastbar, aber in diesem Fall lohnte die Nachfrage. Die junge Frau war noch nicht so weit, vielleicht wird sie es nie sein und die kurze Zeit bis zum Tod einfach absitzen. Vielleicht wird sie irgendwann wieder versuchen, sich aus dem Leben zu befördern, dann aber zu einem entschiedenerem Zeitpunkt. Egal, wir werden es nicht erfahren. Jetzt aber gibt es das Video von Bartons Hilfsaktion, aufgenommen von einer Überwachungskamera. Die klatschenden Leute im Bus, die Rührung, hervorgerufen durch die kurze kollektive Idee, dass es das Gute gibt. Und dass es siegt, so wie wir es alle von diversen Märchen und Religionen gelernt haben.

Diese erstaunlichen Momente, in denen Menschen selbstlos handeln, erschüttern so fundamental, weil sie wie eine Fata Morgana sind. Etwas, das sein könnte. Es rührt mich bereits, wenn Menschen in Chören singen, einfach so, und in Fußgängerpassagen Blasmusik spielen, ohne etwas zu erwarten. Einfach, weil es ihnen gute Laune macht, die sie an andere weitergeben wollen. Im Chor singende Menschen, die über sich wachsen, ein vollkommen aus der Zeit gefallenes Phänomen, fast so wie hilfsbereite Menschen. Die sich vor andere stellen, ihnen auf die Beine helfen, die handeln, ohne zuerst an sich zu denken oder an den Nutzen, den sie aus etwas ziehen können.

Die Welt ist voll von ihnen. Jeder ein fleischgewordenes "Nicht aufgeben", das er anderen zuflüstert. Statt zu beschimpfen und zu hassen. Etwas Freundliches sagen. Es ist anstrengender, als einen Tunnelblick einzustellen, nichts zu sehen außer der eigenen Behauptung. Es ist anstrengender, macht aber entschieden mehr Spaß. Das war mein Wort zum Sonntag. Jetzt Sie.

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insgesamt 117 Beiträge
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Seite 1
un-Diplomat 21.12.2013
1. Ja, so ist es, da ...
Zitat von sysopAnteilnahme muss man sich erlauben können. Selbstlos kann nur derjenige sein, der kein Bluffer ist. Die Welt ist verblüffend voll mit guten Menschen. Ihr Leben ist anstrengender. Macht aber entschieden mehr Spaß. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kolumne-von-sibylle-berg-ueber-selbstlosigkeit-a-939565.html
... braucht es keine weiteren Worte. Danke, Frau Berg, und frohe Weihnachten.
herr_neudeck 21.12.2013
2. Daumen hoch!
..und frohes Fest.
limubei 21.12.2013
3. donnernder Applaus
liebe Sybille habe gerade den Samstagsverkehr in Dalian überlebt indem ich 4 mal todesmutig den Zebrastreifen überquert habe zusammen mit vielen anderen Todesmutigen. Wir haben es überelbt und nicht mal Beifall geklatscht. Einfach so. Nicht aufgeben, denn das Gute könnte siegen. Wenn wir aufgeben, werden wir niemals erfahren, ob das Gute gesiegt hätte. Wobei zuviel des Guten auch das Gegenteil bewirken kann. Zuviel Homesecurity bei unseren amerikanischen Freunden oder zuviel "War against Terror". Vor allem, wenn man den Terror erfinden musste indem man zuerst durch die Welt trampelt und die Alleinherrschaft beansprucht. Aber das wollen wir nicht weiter ausführen, so kurz vor Weihnachten. Ich hoffe dass AMAZON doch noch alles pünktlich rausbringt oder ZALANDO. Auch wenn ich absolut gegen diese Monopolunternehmungen bin mit Alles-schnell-und-günstiger-und-kostenlos-retournieren auf Kosten der Billiglohkräfte in Versand, Lager und Logistik. Egal welches Produkt ich google AMAZON taucht IMMER auf und bietet ALLES günstiger. Ich wünsche mir den Untergang von AMAZON so wie es Praktiker erwischt hat. Alles 20% günstiger bis auf Tiernahrung. Wie schön, dass man nun mit dieser doffen Werbung nicht mehr belästigt wird in Funk und Fernsehen. Da hat das Gute des Marktes mal aussortiert und gesiegt. Und wir Verbraucher haben es in Hand und Fuss und können alle Bücher ohne Versandkosten beim nächsten freundlichen Buchladen um die Ecke bestellen und wenn wir einmal dort sind noch ein wenig blättern und schmökern. Manche Buchläden bieten sogar Tee und Gebäck an. Für diesen Beitrag werde ich von den ohne AMAZON könnte ich nicht mehr Leben Menschen nicht geliebt werden. Aber das ist mir jetzt egal, wo ich gerade den Verkehr in einer chinesischen Grossstadt überlebt habe.
RigmorU 21.12.2013
4.
frohes fest - grüße an die goodys ;)
caecilia_metella 21.12.2013
5. Der persönliche Nutzen
An den denken diese Menschen vermutlich auch. Ganz nebenbei. Vielen Dank für den Artikel.
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