Stefan Kuzmany

Krebsgefahr Ab morgen keine Wurst mehr, vielleicht ganz bestimmt

Alles macht krank, nun auch noch Wurst. Jetzt ist es also so weit: Nicht einmal mehr in Ruhe essen kann man.
Salami: Lecker - oder doch lieber Käse aufs Brot?

Salami: Lecker - oder doch lieber Käse aufs Brot?

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Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Halt, Stopp, Moment, nicht hineinbeißen, schauen wir erst einmal, was Sie da auf dem Brötchen liegen haben. Aha, eine Scheibe Wurst. Verstehe schon, Sie wollen jetzt frühstücken und sich nicht mit unangenehmen Tatsachen auseinandersetzen, schon gar nicht auf nüchternen Magen. Aber es muss sein. Denn, wie man jetzt weiß: Diese köstliche Scheibe Wurst ist krebserregend. Und nicht nur diese, sondern jede. Mit jeder Scheibe steigt Ihr Risiko, an Darmkrebs zu erkranken und/oder an Magenkrebs.

Also überlegen Sie bitte gut, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist: Wäre es nicht besser, diese Wurst beiseite oder vielleicht gar in den Mülleimer zu legen? Sollten Sie nicht lieber noch einmal zum Kühlschrank gehen und etwas Gesünderes herausholen? Zum Beispiel, was gäbe es denn da, sagen wir mal: eine Karotte? Oder einen Joghurt? Oder, am besten, Sie bereiten sich im Mixer einen vitaminreichen und darmschonenden Flüssigbrei aus Obst und Gemüse zu. Am besten mit Spinat drin.

Nein?

Schon klar. Es reicht. Langsam sollte es keine Liste krebserregender Stoffe mehr geben, viel praktischer und kürzer wäre doch eine, auf der nur noch solche stünden, die garantiert keinen Krebs erregen. Wie herrlich muss die Welt früher einmal gewesen sein: Rauchen galt als unbedenklich, Asbest war feuerfest, Fleisch war gesund, und anschnallen musste man sich auch nicht. Gut, die Leute starben vielleicht jünger, aber wenigstens wussten sie nicht, woran. Bis auf die Gurtmuffel, die ahnten es wahrscheinlich, aber nur sehr kurz. Diese Gnade der Ignoranz ist uns Heutigen verloren gegangen. Nichts bleibt mehr zu tun ohne Kenntnis des Risikos.

Die Gewohnheiten sind stark

Dass übermäßiger Wurstkonsum nicht besonders gesund ist, sollte allerdings niemanden überraschen. Dazu kommen die Qualen der Massentierhaltung, die Ressourcenverschwendung bei der Fleischproduktion und der damit beschleunigte Klimawandel - gute Argumente, weniger oder gar kein Fleisch zu essen, gibt es viele, und es gibt sie schon lange.

Es wird darum wohl kaum jemand, der bisher gerne Wurst gegessen hat, ausgerechnet wegen der neuesten Erkenntnisse der Experten von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) zum Vegetarier werden: Die Gewohnheiten sind stark. Wem Wurst schmeckt, dem wird sie weiterhin schmecken - wer die unappetitlichen Umstände ihrer Herstellung verdrängen kann, ist ohne Weiteres dazu in der Lage, auch das Gesundheitsrisiko auszublenden. Und kann sich nach dem Frühstück ganz entspannt eine Zigarette anstecken.

Trotzdem ist die Warnung der IARC vielleicht nicht ganz sinnlos. Denn möglicherweise liest sie jemand und denkt sich: Darmkrebs? Vielleicht sollte ich doch mal eine Früherkennungsuntersuchung machen lassen - und wird rechtzeitig behandelt. Vielleicht liest sie jemand und sagt sich: Wenn ich schon diese Wurst esse, dann nehme ich heute mal nicht den Aufzug, sondern die Treppe. Und vielleicht gibt es auch jemanden, der nachdenklich auf sein Wurstbrot blickt und sich überlegt: Käse wäre auch mal nicht schlecht. Morgen vielleicht ganz bestimmt, abgemacht?

Anmerkung: In einer ersten Version dieses Artikels war davon die Rede, man könne wegen Darmkrebs eine "Vorsorge"-Untersuchung durchführen lassen. Ein medizinisch versierter Leser weist darauf hin, dass es hier leider keine Vorsorge gibt - nur eine Früherkennung.

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