Umstrittene Koons-Skulptur Zehn-Meter-Tulpen erheben sich über Paris

Das Bataclan-Denkmal von Jeff Koons hat in Paris viel Zwietracht gesät. Nun wird das riesige Blumen-Bouquet aus Stahl errichtet - glücklich sind damit trotzdem nicht alle.

Kamil Zihnioglu/ AP

Eine riesige Hand, die einen Tulpenstrauß emporreckt: Mehr als zwei Jahre hat Paris über diese monumentale Skulptur von Jeff Koons gestritten. Nun haben die Arbeiten an der Installation nahe den Champs-Élysées begonnen. Anfang Oktober soll die mehr als zehn Meter hohe Skulptur aus Aluminium und Stahl eingeweiht werden. Glücklich sind damit trotzdem nicht alle.

Der 62-jährige US-Amerikaner Koons, der für monumentale, poppige Skulpturen in Knallfarben bekannt ist und seit der Versteigerung seines Ballonhundes 2013 bei Christie's als teuerster lebender Künstler der Welt gilt, hatte der Stadt Paris nach dem Terroranschlag im Bataclan 2015 mit dem Entwurf seine Trauer und Mitgefühl aussprechen wollen. Seine Blumen seien zugleich ein Mahnmal und eine Geste der Freundschaft zwischen den USA und Frankreich. Doch das Pariser Kunstmilieu fühlte sich übergangen.

Zunächst ging es um Ort und Größe: Die Kritiker bemängelten den prominenten Standort unweit des Eiffelturms, auf dem Vorplatz zwischen zwei Museen für moderne und zeitgenössische Kunst, der damit dominiert worden wäre. Vor allem aber sahen sie in dem Geschenk einen kommerziellen Coup des amerikanischen Stars. Denn die auf über drei Millionen Euro geschätzten Herstellungskosten trägt nicht der Künstler, sondern französische und amerikanische Sammler und Mäzene.

"Disneyland-Ästhetik" oder Optimismus?

Und auch das Werk selbst stieß nicht nur auf Begeisterung, denn der ehemalige Wall Street-Broker Koons gilt mit seinen chromglänzenden Ballon-Figuren und dem lebensgroßen Michael Jackson aus Porzellan als Ikone des Kapitalismus und der Konsumkultur. Seine fröhlich-ironischen Werke zwischen Kitsch und Kunst symbolisieren für viele Betrachter einen als typisch amerikanisch empfunden Optimismus.

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Umstrittenes Geschenk: Danke für die Blumen

Diese "Disneyland-Ästhetik" solle doch "vor dem Trump-Tower platziert werden", schimpften Pariser Kulturschaffende, die das Werk als respektlos empfinden. Zudem soll die Idee, den bunten Hingucker als Mahnmal zu platzieren, nicht Koons eigene Idee gewesen, sondern von der US-Botschaft in Paris initiiert worden sein.

Die Debatten um das blumige Geschenk warfen weitere schwierige Fragen auf: Ist ein Kunstwerk überhaupt ein gutes Mittel, um zur Auseinandersetzung mit einem der furchtbarsten Anschläge anzuregen, der je auf französischem Boden stattgefunden hat? Und wenn, darf man dann auf einen prunkvollen Trostspender setzen, statt auf Erinnerung an das Entsetzliche? Sind die emporgereckten Tulpen, angelehnt an die Fackel der Freiheitsstatue, das geeignete Symbol? Hätte man Pariser Einwohner oder die Hinterbliebenen mit einbeziehen müssen?

Nur beim Standort zeigte sich die Stadt Paris flexibel. Um den Streit zu schlichten, wurden Jeff Koons mehrere Standorte vorgeschlagen, die dem Künstler zunächst alle nicht zentral genug waren. Bald wird das beeindruckende "Bouquet of Tulips" nun im kleinen Park vor dem Kunstmuseum Petit Palais stehen. Momentan sind die Teile noch mit Kunststoffplanen verdeckt. Ziemlich sicher wird es ab Oktober zur neuen angesagten Selfie-Kulisse.

cpa/dpa

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