Kosovo Konrad will Diplomatie und Herr Handke schmeißt hin

Der ungarische Schriftsteller György Konrad fordert ein Ende der gewalttätigen Eskalation. Und: Peter Handke gibt den Büchner-Preis zurück und tritt aus der Kirche aus.

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke gibt aus Protest gegen die Nato-Luftangriffe auf Jugoslawien den Büchner-Preis von 1973 zurück und tritt aus der katholischen Kirche aus. Um „seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren“, werde er die 10 000 Mark Preisgeld von damals an die Deutsche Akademie zurückgeben, schreibt Handke in einem Brief, den das österreichische Magazin News in seiner neuesten Ausgabe veröffentlicht. Die Rückgabe des Preises sei ebenso „symbolisch“ wie das „Zuschlagen der Nato im Herzen Belgrads“.

Die Akademie reagierte am Mittwoch abwartend auf die angekündigte Rückgabe des Preises. Generalsekretär Gerhard Dette sagte: "Wir wissen ja noch nicht, ob es stimmt. Wenn es so wäre, müßte sich Herr Handke schon bei uns melden. Ich weiß auch gar nicht, wie so eine Preisrückgabe technisch vor sich gehen soll." Nach Angaben Dettes ist so etwas noch nie vorgekommen. Die Akademie vergibt alljährlich die mit mittlerweile 60 000 Mark dotierte, bedeutende Literatur-Auszeichnung.

In dem Brief kritisiert Handke auch die Haltung der römisch- katholischen Kirche. Der Papst habe sich nicht entschieden genug gegen die Nato-Angriffe auf Jugoslawien gewandt und in seiner Osterbotschaft zwar den "Bruderkrieg", aber nicht den "Allrohrüberfall der Nato gegen ein kleines Land" verurteilt, zitiert News den proserbischen Autor. Als "getaufter und nach Möglichkeit praktizierender Katholik" erkläre er seinen Austritt aus der "momentanen" katholischen Kirche, schreibt der 56jährige Schriftsteller. Handke war nach dem Beginn der Nato-Bombenangriffe demonstrativ nach Belgrad gereist. Dort wurde er mit der Auszeichnung "serbischer Ritter" ausgezeichnet. Ob Handke sich noch in Belgrad aufhält, war am Mittwoch nicht bekannt.

Unterdessen forderte der ungarische Schriftsteller György Konrad im Kosovo-Konflikt eine Rückkehr zu politischen Verhandlungen . Der Krieg kenne nur das Gesetz der Eskalation, schreibt Konrad, der auch Präsident der Berliner Akademie der Künste ist. Der Einsatz militärischer Mittel allein werde das Töten in Jugoslawien nicht beenden können. Es sei nun zu einem Krieg gekommen, dessen Ziel, die Gewalt und das Töten zu beenden, sich ins Gegenteil verkehrt habe. Gewalt und Töten potenzierten sich noch, der Krieg gehe in Richtung Eskalation, die humanitäre Rhetorik lasse die Kampfflugzeuge noch öfter zum Einsatz kommen. Mit militärischen Drohungen lasse sich aber keine Demokratie schaffen. "Die betroffenen Nationen müssen dazu gebracht werden, wechselseitig an einer Regelung interessiert zu sein."

In dem Brief kritisiert Handke auch die Haltung der römisch-katholischen Kirche. Der Papst habe sich nicht entschieden genug gegen die Nato-Angriffe auf Jugoslawien gewandt und in seiner Osterbotschaft zwar den „Bruderkrieg“, aber nicht den „Allrohrüberfall der Nato gegen ein kleines Land“ verurteilt. Als „getaufter und nach Möglichkeit praktizierender Katholik“ erkläre er seinen Austritt aus der „momentanen“ katholischen Kirche.

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