Kriegsberichterstattung Der Medien-General Murdoch

Sein Reich ist groß und spricht mit einer Stimme - nämlich seiner. Wie Rupert Murdoch sein Medien-Imperium in Zeiten des Krieges kontrolliert.


Der Medien-Tycoon Rupert Murdoch bestimmt, wohin die Kriegsberichterstattung seiner Medien geht
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Der Medien-Tycoon Rupert Murdoch bestimmt, wohin die Kriegsberichterstattung seiner Medien geht

Hamburg - Er macht Krieg zum Medienspektakel. Seit Beginn des Irak-Feldzuges verbreitet Rupert Murdoch seine Pro-Kriegs-Parolen in Druckauflage von rund 40 Millionen auf drei Kontinenten. In rund 175 Titeln wird täglich von Heldentaten der US-Soldaten berichtet. Der 72-jährige Medienunternehmer formuliert dabei seine Meinung ganz klar: "Ich denke, Bush handelt sehr moralisch, sehr korrekt und ich denke das wird auch weiterhin so sein“, sagte er dem australischen Magazin "Bulletin“.

Alles unter Kontrolle

Als Boss von News Corporation dominiert der gebürtige Australier den Zeitungsmarkt in Großbritannien, Australien und Neuseeland. Mit "New York Post“, Sky-TV, 20th Century Fox und United Television hat Murdoch auch den amerikanischen Medienmarkt fest im Griff. Eben diese Dominanz ruft gerade in Kriegszeiten immer wieder Kritiker auf den Plan. Sie sehen durch Murdoch die Medienvielfalt gefährdet. Solchen Vorwürfen steht Irwin M. Stelzer, Murdochs wirtschaftlicher Berater, gelassen gegenüber: "Ich kann Fox News oder CNN verfolgen“, weist er auf die Mündigkeit des Zuschauers hin.

Im letzten Jahr ging dieses Duell eindeutig an Murdochs stramm-konservativen US-Nachrichtensender Fox News. Mehr als zwei Millionen Zuschauer verfolgten in der Prime Time die Fox-Berichterstattung. Platzhirsch CNN gilt vielen Patrotismus-Trunkenen in den USA als zu liberal.

Die derzeitige Kriegsberichterstattung macht dabei den Unterschied zwischen CNN und Fox News noch deutlicher. Seit Beginn hat Fox eine amerikanische Flagge als Symbol im Bild und spricht von den britischen und US-Truppen als "wir“, "unsere“ und "Befreier“. Andere Nachrichtensender verzichten auf derartige Identifikationen mit den Militärs.

Die patriotische Kriegsberichterstattung hat Fox die Front-Stellung am Kriegsschauplatz gekostet. Mitte Februar wurden die Reporter des Senders ohne Angaben von offiziellen Gründen aus dem Irak gewiesen. Die Fox-Crew sieht darin eine Reaktion auf die Ausweisung des irakischen Reporters Mohammed Allawi aus den USA. Der Mann musste wegen seiner US-kritischen Berichterstattung das Uno-Hauptquartier in Washington verlassen. Fox News setzt seine Kriegsberichterstattung nun aus den Nachbarländern fort.

Boulevard - eine Erfolgsgeschichte

Von Kollegen wird Rupert Murdoch, der soeben in dritter Ehe zum sechsten Mal Vater wird, als Journalist mit Leib und Seele beschrieben. Er wurde 1931 in Australien geboren, studierte in Oxford und übernahm im Alter von 22 Jahren die "Adelaide News“ von seinem verstorbenen Vater. Das war der Beginn einer spektakulären Karriere. Es folgten Zeitungen, Magazine und TV-Stationen in Europa, Asien, Lateinamerika und den USA.

Bunte Schlagzeilen und emotionale Berichterstattung wurden seine Markenzeichen "Ich habe genug von Snobs, die uns sagen, dass das schlechte Zeitungen sind, Snobs die ausschließlich Zeitungen lesen, die sonst niemand liest“, begründete Murdoch sein Engagement im Boulevard. Mit Erfolg - die 1969 von ihm übernommene britische Zeitung "The Sun“ ist mit einer Auflage von 3,4 Millionen Marktführer auf der Insel.

Murdoch sieht alles

Im Jahr 1985 wurde Murdoch amerikanischer Staatsbürger und versorgt seitdem verstärkt auch persönlich seine US-Redaktionen mit Informationen. “Er ist eine Nachrichten-Quelle für uns. Er ist wie ein guter Informations-Service“, beschreibt John Moody, Senior Vice President of "Fox News“, Murdochs Rolle in der Berichterstattung. Oft leitet der Boss persönlich Informationen von einer seiner Redaktionen zu anderen weiter.

Seit Kriegsbeginn ist er noch regelmäßiger in Kontakt mit seinen Chefredakteuren. Während er die meisten Redaktionen telefonisch über seine Vorstellung von Berichterstattung informiert, nimmt Murdoch regelmäßig an den 8-Uhr-Meetings bei Fox News in New York teil. Meist sitzt der Medien-Tycoon dabei in der letzten Reihe, mit einem Stapel Zeitungen in der Hand und unterbricht häufig mit Fragen und Kommentaren zur aktuellen Lage.

Macht entscheidet

Der Grad seines Einflusses variiert dabei von Medium zu Medium. Der britische Sender Sky-News etwa, welcher nur zu einem Drittel in Murdochs Besitz ist, berichtet durchweg auch kriegskritisch. Diese faktenreiche Berichterstattung hat Sky-News bereits den Spitznamen BBC-Light von Murdoch eingebracht. Das ist aber eher die Ausnahme, Murdoch versteht es durchaus, seinen Einfluss in den Redaktionen geltend zu machen.

Bestes Mittel dafür ist seine Personalpolitik. Murdoch sucht die Führungs-Crew seiner Medien höchstpersönlich aus. Wichtige Positionen besetzt er dabei mit Familienmitgliedern. Seine Tochter Elizabeth hat zwar mittlerweile Sky-Television aus privaten Gründen wieder verlassen, seine Söhne James und Lachlan stehen aber bereits in den Startlöchern, um einmal das Imperium des Vaters zu übernehmen. Wann das sein wird, ist noch unklar. "So lange ich mich danach fühle, bleibe ich auch", sagte Murdoch dem US-Magazin "Fortune".

Sein Frontblatt ist die "Sun“

Besonders deutlich wird Murdochs Einfluss bei dem britischen Massenblatt "The Sun“. "Mir gefällt "The Sun“. Mir gefällt ihre Macht und ihre Frechheit“, sagte Murdoch in einem Interview über das Boulevardblatt, welches vor allem durch Oben-Ohne-Fotos bekannt wurde. Die "Sun“-Chefredakteurin Rebekah Wade bespricht die einzelnen Themen meist persönlich mit dem Medien-Mogul, bevor sie zu Schlagzeilen werden.

Kriegsgegner wie etwa der französische Ministerpräsident Jacques Chirac werden dabei zu Feindbildern stilisiert. Für Frankreich wurde sogar eine Sun-Sonderausgabe mit Chirac als Wurm auf dem Cover publiziert. Ebenfalls zum Aufmacher wurde ein Bild von Soldatengräbern in der Normandie, mit der Überschrift: “Opfer – Sie starben für Frankreich aber Frankreich hat vergessen!“

Feindbild Frankreich

Die Kampagne gegen Frankreich wird im gesamten Murdoch-Imperium sehr präzise verfolgt. Beispiel dafür ist ein Artikel der "New York Post". In diesem wurde im März 2003 ohne Beweise verkündet, dass Saddam Hussein eine 57 Millionen Pfund hohe Beteiligung am französischen Hachette-Verlag, Herausgeber von "Elle“ und "Red“, habe. Dieses Gerücht existiert bereits seit zwölf Jahren und wurde erneut aktiviert, da es Murdoch offenbar ins Bild passte.

Der Hachette-Verlag, ein Ableger des französischen Medien-Giganten Lagardere SCA, betonte stets, dass jegliche Verbindungen zum Irak bereits seit 1991 eingefroren seien. Das Gerücht wurde dennoch von britischen Zeitungen übernommen.

Ein Mann – eine Meinung

Murdochs einheitliche Schlagzeilen sind von China, über Australien bis nach Papua Neu Guinea zu lesen. Der 72-jährige wird dabei nicht müde, seine Sicht der Dinge auch persönlich an die Öffentlichkeit zu bringen. "Wir machen uns in diesem Land zu viele Sorgen darüber, was Leute über uns denken. Es scheint, als hätten wir einen Minderwertigkeitskomplex“, sagte Murdoch bei einer Wirtschafts-Konferenz im April.

Er selbst lässt sich von kriegskritischen Stimmen nicht beirren und spricht in dem "Bulletin“-Interview auch ein Thema an, was von US- und britischen Politikern tunlichst vermieden wird: "Das Beste was bei dem ganzen für die Weltwirtschaft herauskommen kann, wäre ein Ölpreis von 20 Dollar pro Barrel.“



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