Kritik an Papst-Seligsprechung Diktatoren stützen, die Armen verraten

Ist Johannes Paul II. seinen Glaubensbrüdern in Lateinamerika in den Rücken gefallen? Kurz vor der Seligsprechung des 2005 gestorbenen Papstes übt ein ökumenisches Bündnis starke Kritik am ehemaligen Kirchenoberhaupt.

Johannes Paul II. im Jahr 2003: Ist die rasante Seligsprechung gerechtfertigt?
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Johannes Paul II. im Jahr 2003: Ist die rasante Seligsprechung gerechtfertigt?


Hamburg - Für Vatikanverhältnisse kam die Entscheidung zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. geradezu rasant zustande. Normalerweise dauert es mehrere Jahrzehnte, ehe ein Pontifex sich dazu durchringt, einen seiner Vorgänger so zu würdigen. Der 2005 gestorbene Johannes Paul II. soll indes schon an diesem Sonntag entsprechend geehrt werden. Doch nun machen prominente Theologen, Politiker und kirchliche Gruppen Stimmung gegen die schnelle Seligsprechung.

Wie die am Donnerstag erscheinende Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrer Beilage "Christ und Welt" berichtet, lautet der Vorwurf: Johannes Paul II. habe als Oberhaupt der Katholischen Kirche den vor 31 Jahren ermordeten Erzbischof Óscar Arnulfo Romero aus El Salvador nicht genügend gegen die Bedrängnisse der damaligen Militär-Junta unterstützt.

In dem ökumenischen Aufruf, den auch CDU-Politiker Heiner Geißler unterzeichnet hat, heißt es, Romero habe 1979 bei einer Papst-Audienz kein Gehör gefunden. Weil er den Militärs kritisch gegenüberstand, wurde er am 24. März 1980 bei eine Messe durch einen Killer der sogenannten Todesschwadronen erschossen.

Geißler zufolge habe Johannes Paul II. die Armen in Lateinamerika "regelrecht verraten", weil er Romero zu guten Beziehungen zu den Machthabern in seinem Land geraten habe. Der Antikommunismus des früheren, aus Polen stammenden Papstes habe zwar zum Fall des Ostblocks beigetragen, doch habe er ihn auch verblendet gegenüber dem Machtmissbrauch in El Salvador.

Johannes Paul II. habe zudem "dauernd die Falschen zu Heiligen ernannt", etwa den wegen seiner Kontakte zu Militärdiktatoren umstrittenen Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá. Das Bündnis fordert in einem Aufruf die Heiligsprechung Romeros.

cbu/dpa



insgesamt 108 Beiträge
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crocodil 27.04.2011
1. Papst
Was soll der ganze Sch.. Seligsprechung für was? Ich glaube an die ganzen Religionen nicht. Warum hat denn niemand (bei der Geburt), einen Dialog mit "Gott" führen können. Genau so wie beim Tod. - Kommt eine Ameise in den Himmel??? Das ist den Religionen (alle), aber am besten gelungen, Geld anzusammeln. Ist nicht die Kirche der größte Grundbesitzer in Deutschland. Ganz zu schweigen, dass die Päpste im Mittelalter das Sagen hatten.
surselva-29 27.04.2011
2. Befreiungstheologie
Johannes Paul II. stand der sog. Befreiungstheologie Lateinamerikas, zu dessen herausragenden Vertretern Oscar Arnulfo Romero zählte, Zeit seines Lebens kritisch gegenüber. Romero war sich des Risikos seines mutigen politischen Engagements durchaus bewusst und ihm war auch die Haltung der römischen Kurie, die im Gegensatz zu seinem politischen Handeln stand, bekannt. Die Seligsprechung Johannes Paul II. jedoch allein an seiner damaligen Haltung zu Romero bzw. der Befreiungstheologie festzumachen, ist m.E. unzulässig.
jujo 27.04.2011
3. Der alte Mann
in Rom beklagte unlängst die Abkehr der Menschen von Gott. Dieser Mensch verkennt völlig, daß sich immer mehr Leute diesen Unsinn den er und Seinesgleichen verbreiten, nicht zuletzt durch eigenes Verschulden, nicht mehr abnehmen. Die Leute lassen sich nicht mehr durch seltsame Kostümierung und Rituale für dumm verkaufen.
snickerman 27.04.2011
4. Hier könnte mein Klarname stehen
Der rückwärtsgewandte Kurs von Johannes Paul II. und seinem Nachfolger hat dazu geführt, dass sich viele Millionen Menschen in Süd- und Mittelamerika (nun auch in Afrika) von der katholischen Kirche abgewandt haben. Leider laufen diese nun den evangelikalen Sekten zu, die sich von den USA herkommend, überall verbreiten wie eine Seuche. Sowas nenne ich vom Fegefeuer in die Vorhölle kommen. Die Evangelikalen kümmern sich überhaupt nicht um Politik, stellen sich mit allen Machthabern gut und verdienen sich dumm und dämlich. Romero ist für seine "Caritas" gestorben, wenn denn einer die Heiligsprechung verdient hätte, wäre er das... Ceterum censeo, dass der Mensch die Religion überwinden möge.
ruebenkatze 27.04.2011
5. Selig sind die,
die diesen mittelalterlichen Schwachsinn hinter sich gelassen haben.
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