Kritik an "Zeitungszeugen" Knobloch kritisiert Hitler-Nachdruck

Hitler für alle? Gegen den Plan des britischen Verlegers Peter McGee, "Mein Kampf" an den zu Kiosk bringen, regt sich Widerspruch. Den Briten wird das freuen. Bereits vor vier Jahren hatte er mit der Neuauflage des "Völkischen Beobachters" einen kalkulierten Klein-Skandal ausgelöst.
Wiederholte Debatte um "Zeitungszeugen": Jetzt neu mit Hitler-Buch

Wiederholte Debatte um "Zeitungszeugen": Jetzt neu mit Hitler-Buch

Foto: A2585 Frank Leonhardt/ dpa

Berlin/München - Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, ist gegen eine Veröffentlichung des Hitler-Buches "Mein Kampf". "Es handelt sich um eine der übelsten Hetzschriften, die in diesem Land je verfasst worden ist", erklärte die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am Mittwoch.

Bei dem Plan des britischen Verlegers Peter McGee, kommentierte Auszüge aus dem Pamphlet von Adolf Hitler als Broschüre in seiner historischen Wochenzeitung "Zeitungszeugen" zu veröffentlichen, geht es ihrer Ansicht nach ums Geld. "Ich habe Verständnis für das Ansinnen, das bisweilen mystifizierte Werk zu entzaubern. Aber bei dem Projekt von McGee geht es letztlich auch ums Geschäft", sagte sie.

Sie vertraue auf die Urteilskraft der Menschen, sagte Knobloch. "Aber jenes Buch verdient dieses hohe Maß an Aufmerksamkeit nicht. Wüssten wir nicht um die grauenvolle Nachgeschichte, es wäre nichts weiter als eine mies verfasste, beinahe peinliche Mischung aus Biografie, Bekenntnis und Agenda."

Zuvor hatte schon Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) den Verkauf von Auszügen des Hitler-Buches kritisiert. "Um die Menschenverachtung der NS-Taten zu begreifen, braucht man angesichts zahlloser eindrucksvoller Orte des Grauens überall in Deutschland ganz bestimmt nicht Auszüge aus 'Mein Kampf' in den Zeitschriftenständen", sagte Schröder dem "Wiesbadener Kurier".

Die Debatte ist eine fast deckungsgleiche Wiederholung einer ähnlichen Diskussion um den ersten Versuch McGees, mit Druckerzeugnissen aus der Nazi-Zeit an deutschen Kiosken Kasse zu machen. Damals entzündete sich der Unmut an der Wiederveröffentlichung einzelner Ausgaben von Nazi-Zeitungen wie dem "Völkischen Beobachter". An ihrem mäßig erfolgreichen Verkauf änderte die Debatte jedoch nichts.

kuz/dpa/dapd