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Kubas Vermächtnis: Zigarren, Oldtimer und Lebensmittelmarken

Foto: © Desmond Boylan / Reuters/ REUTERS

Kuba Endstation Sehnsucht

Heruntergekommene Villen, Oldtimer, Armut - aber auch ein bisschen Stolz auf das Erreichte, den Widerstandsgeist und Zusammenhalt. Was bleibt vom sozialistischen Sehnsuchtsort Kuba nach der wirtschaftlichen Öffnung?

Im kubanischen Winter 2014 muss man sich schon erheblich strecken, um hinter den Alltagssorgen, hinter der augenscheinlichen Ungleichheit und dem Karibikkitsch noch den Sozialistischen Inseltraum zu entdecken. Dabei war Kuba lange der Sehnsuchtsort der Linken. Gleichheit am Karibikstrand und dabei über den großen imperialistischen Bruder gespottet - das ließ sich gut romantisieren in den 68er-WGs.

Längst sind in der heutigen europäischen Linken Che-T-Shirts zur reinen Folklore verkommen und kaum einer der jungen Linken wird mehr als das "Bolivianische Tagebuch" von Ernesto Guevara gelesen haben. Che ist ein Poster, ein Plattencover, eine Postkarte geworden.

Mit der gerade erfolgten wirtschaftlichen Öffnung Kubas könnte die letzte Idealisierung des linken Traums vom gelebten Sozialismus endgültig verblassen. Denn ohne die romantische Brille entdeckt man auf Kuba vor allem: leere Geschäfte und lange Schlangen. Verrottende Häuser und junge Menschen. Sie sehnen sich nach Jobs, nach Geld, nach dem Internet und Smartphones. Sie sehnen sich nach Konsum. Vor allem aber wollen sie in die Welt hinaus.

Ein sozialistisches Paradies war Kuba noch nie, das wussten auch linke Zeitzeugen schon lange. Kein Zufall also, dass Hans Magnus Enzensberger nach seinem langen Aufenthalt auf Kuba nach seiner Rückkehr darauf verzichtete, mit seinen Berichten das linke Utopia zu demontieren. Seine Erinnerungen, die in diesem Jahr unter dem Titel "Tumult" erschienen sind, lesen sich jedenfalls desillusionierend. Repressionen gegen Regimegegner gab es damals und gibt es heute, sie passten nur nie so recht in das Bild vom schönen Sozialismus unter Palmen und sie passen jetzt nicht in die Urlaubsbroschüren der All-Inclusive-Anbieter.

Aber es gibt die medizinische Grundversorgung, Geburtenraten und eine Säuglingssterblichkeit wie in Europa. Es gibt Bildung für alle, und zwar mit einer Durchschnittsschulzeit von über zehn Jahren!

Das ist so, und deshalb geht es den ärmeren Kubanern auch sichtbar besser als vielen anderen in den lateinamerikanischen Ländern. In der Medikamentenentwicklung ist Kuba führend, beim Ebola-Ausbruch sandte das Land sofort Ärzte und Experten. Und deshalb war Raúl Castro auch bei seiner wirtschaftlichen Öffnung so vorsichtig, die Sparten Militär, Bildung und Gesundheit für ausländische Investoren unantastbar zu lassen.

Doch momentan wendet sich jeder Kubaner, der es kann, den devisenbringenden Touristen zu, bietet Zigarren, Taxifahrten oder seinen Körper an, um die mageren Lebensmittelkarten der Regierung aufzubessern. Nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittslohn eines Arztes oder Lehrers bei etwa 25 Euro liegt.

Gemessen an der unzeitgemäßen Wirtschaftsblockade der USA ist es ein kleines Wunder, dass diese Insel des Sozialismus, deren Ende wieder und wieder vorhergesagt wurde, bis heute überlebte. Und vielleicht täuschen sich die Propheten der kubanischen Vereinnahmung durch den globalisierten Kapitalismus ja auch dieses Mal. Denn soweit es aus Kubanern herauszuhören ist, herrscht durchaus auch ein Stolz auf das Erreichte vor, auf den kubanischen Widerstandsgeist und Zusammenhalt.

Trotzdem bleibt die Frage, ob die tatsächlichen Errungenschaften der Revolution über die kommenden Jahre der Öffnung gerettet werden können. Wenn nicht, dann wird in wenigen Jahren vom Sozialistischen Traum nur noch eine zweite Dominikanische Republik mit Che-T-Shirts und ein paar verbleichenden Wandbildern geblieben sein.

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