Küblböck meets Kerner Weisheiten fürs Poesiealbum

Die Nation spaltet sich in Daniel-Küblböck-Fans und Küblböck-Feinde. In der "Johannes B. Kerner Show" musste sich der "Superstar"-Kandidat mal wieder vorwerfen lassen, er sei ein bayerisches Bübchen ohne Talent und Stimme. Küblböck versprach, er werde "auf jeden Fall eine Gesangsausbildung" machen.

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Daniel Küblböck: Singende Teenie-Torte
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Daniel Küblböck: Singende Teenie-Torte

Hamburg - Der Superstar kam als Letzter, natürlich: Erst berichteten gestern Abend im "ZDF" bei "Johannes B. Kerner" der ehemalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk und seine Frau, die Operettensängerin Dagmar Koller, über ihre Ehe und darüber, wie sie das Briefbombenattentat auf Zilk vor zehn Jahren bewältigt haben. Dann erzählte der Schauspieler Michael Gwisdek ("Good-bye Lenin") über seinen vergeblichen Versuch, aus der DDR zu fliehen. Und dann kam Detlef Soost dran, Coach der "No Angels", der seine vaterlose Kindheit schilderte.

Und endlich lief Daniel Küblböck ins Studio, einer der letzten drei Kandidaten in der "RTL"-Supererfolgsshow "Deutschland sucht den Superstar". Er war tadellos gekleidet in braunem Anzug und T-Shirt, was darauf hindeutet, dass dieses Mal nicht die "Superstar"-Stylisten das Outfit ausgesucht hatten, sondern entweder Küblböck selbst oder das "Kerner"-Personal. Küblböck schüttelte zunächst allen Gästen artig die Hand, strahlte wie immer euphorisch und bat Kerner, ihn zu duzen - ein Angebot, das der Moderator mit den Worten "ich bin ein alter Sack" annahm.

Ursprünglich sollte der ausgeschiedene "Superstar" Daniel Lopes zu "Kerner" kommen und erzählen, wie es hinter den Kulissen der Sendung wirklich zugeht. Aber da er - wie alle Kandidaten der Show - noch bei der BMG-Tochter "Grundy" unter Vertrag ist, wurde er wieder ausgeladen.

Im Norden nichts Neues

Dass Küblböck nicht auspacken würde, war klar. Trotzdem kam Kerner gleich zur Sache: Die Nation sei gespalten in Küblböck-Fans und Küblböck-Feinde. Das war sehr nett formuliert, denn die eigentliche Frage ist ja: Wie erträgt es ein offensichtlich psychisch fragiler Siebzehnjähriger, wenn in den Boulevardzeitungen seine unglückliche Kindheit ausgebreitet wird? Wenn ihm vor mehr als zwölf Millionen Fernsehzuschauern erklärt wird, er könne einfach nicht singen? Wenn er vom Studiopublikum ausgebuht wird?

"Belastet Dich das?", fragte Kerner, und Küblböck antwortete: "Ja, das belastet mich schon", aber wenn "Deutschland nicht so gespalten wäre, hätte ich nicht so viel Kampfgeist gehabt". Außerdem sei er beschützt von "positiver Energie". Und von Bodyguards. "Wieso will mir einer eine reinhauen?", fragte Küblböck ratlos, "ich bin doch so klein und zierlich."

Der erste kleine Riss in der Fassade. Kerner hakte nach: "Macht es noch Spaß?" Küblböck wich aus: "Mit meinen 17 Jahren habe ich schon viele interessante Menschen kennen gelernt, heute Abend auch Frau Koller." Kerner wiederholte die Frage. "Es macht Spaß, auf der Bühne zu stehen, es macht nicht Spaß, die negativen Schlagzeilen zu lesen", antwortete Küblböck und zitierte einen Spruch seiner Großmutter: "Wenn die Menschen sich ärgern, ärgere Dich nicht."

Soost gibt den Bösewicht

Kerner brummelte etwas von "Poesiealbum", aber bevor Küblböck diese Ironie begreifen konnte, ging der "No Angels"-Coach Soost (der vermutlich zu genau diesem Zweck eingeladen war) auf Küblböck los: "Er hat etwas Charmantes und Interessantes, aber er kann nicht besser singen als ich, und ich kann überhaupt nicht singen." Fazit: Küblböck habe nicht das Zeug zum Superstar.

Nach zwei Monaten Dauerbeschuss hat Küblböck eine betonharte Schutzmauer um sich herum errichtet - Abwehr ist in dieser extremen Stress-Situation eine kurzfristig einfachere Strategie, als Kritik zu verarbeiten und zu bewältigen. Also sagte Küblböck: "Was ist für Sie singen? Jeder hat eine andere Stimme." Und ging zum Gegenangriff über: "Ihre Aussage als professioneller Mann, als der Sie sich ausgeben, finde ich nicht so toll."

Der Fernsehzuschauer konnte sich daraufhin ein eigenes Bild machen: Kerner zeigte einen Einspielfilm von Küblböcks quälend gescheitertem Versuch, am vergangenen Samstag "Night Fever" zu singen. Nun war Soost erst richtig aufgebracht, "wenn es da nicht funktioniert, geht es nie", und Frau Koller sah sich genötigt, dem jungen Superstar Trost zuzusprechen. "Mit der heutigen Technik und einer guten Produktion kann man aus jeder Stimme etwas machen." Das war zwar völlig neben der Sache - schließlich wird in der "RTL"-Show jemand gesucht, der wirklich etwas kann, und nicht jemand, aus dem man irgendwie etwas machen kann - aber nett war es trotzdem.

Und dann gab Küblböck schließlich zu, dass er manchmal "schon ein bisschen überfordert" sei. Er habe so viel für die Show geübt, "so viel reingepowert, dass ich nicht mehr konnte". Schließlich musste er nebenbei auch noch ein Album aufnehmen, Tanzen üben und sich für die diversen "Superstar"-Nebenprodukte filmen, fotografieren und interviewen lassen. Und heute Abend muss er zur "Echo"-Verleihung, wo ihm vorgeführt wird, was richtige Superstars wie Robbie Williams alles können.

Falls er nicht zum "Superstar" gewählt werde, sagte Küblböck am Ende der Sendung, werde er "auf jeden Fall eine Gesangsausbildung" machen. Jedenfalls, wenn seine Schutzmauer stabil bleibt.



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