Chinesischer Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei auf dem Weg nach Deutschland

Vier Jahre lang konnte Ai Weiwei China nicht verlassen. Nun hat er seinen Pass wieder und ist auf dem Weg nach Deutschland. Britische Behörden haben ihm indes ein langfristiges Visum verweigert: Ai soll seine "kriminelle" Vorgeschichte verheimlicht haben.
Visum nur für drei Wochen: Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei

Visum nur für drei Wochen: Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei

Foto: Andy Wong/ AP

Erst vor wenigen Wochen bekam Chinas berühmtester zeitgenössischer Künstler Ai Weiwei von der chinesischen Regierung seinen Pass zurück, nun darf der Regimekritiker wieder ins Ausland reisen: Sein erstes Ziel nach vier Jahren heißt Deutschland. Ai Weiweis Berliner Galerie Neugerriemschneider bestätigte, dass er bereits im Flieger nach München sitzt und dort heute Nachmittag landen soll. In den kommenden Tagen will er auch nach Berlin reisen - sein sechsjähriger Sohn lebt seit einem Jahr dort. Der Künstler hatte ihn aus Angst vor der Unberechenbarkeit des chinesischen Regimes in die deutsche Hauptstadt geschickt.

Ohne Schwierigkeiten hatte Ai am Wochenende das deutsche Visum erhalten - Probleme gibt es indes mit den Behörden in Großbritannien: Um an der Installation und Eröffnung seiner Ausstellung in der Royal Academy of Arts in London teilzunehmen, die vom 19. September bis 13. Dezember gezeigt wird, hatte Ai in Großbritannien ein sechsmonatiges Geschäftsvisum beantragt. Die britischen Behörden verweigerten ihm dieses und gewährten stattdessen nur einen dreiwöchigen Aufenthalt.

Grund dafür seien Falschangaben im Visumsantrag: London wirft dem Künstler vor, seine bisherige Straffälligkeit verschwiegen zu haben. In einem Schreiben der britischen Behörden, das der Künstler auf dem Fotodienst Instagram  veröffentlichte, heißt es: "Es ist öffentlich bekannt, dass Sie früher eine kriminelle Verurteilung in China erhalten haben."

Nach eigenen Angaben versuchte Ai, den Sachverhalt in Telefonaten mit der Botschaft und den Einreisebehörden zu klären. Er hob hervor, "niemals wegen eines Verbrechens angeklagt oder verurteilt worden" zu sein. In den Gesprächen aber habe die britische Behörde auf Ais Festnahme in 2011 und die Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen seine Studiofirma Fake Design verwiesen.

Der Künstler ist jedoch weder Inhaber der Firma, noch kam es zu einem Prozess. Ai war nach 81 Tagen Haft an einem unbekannten Ort wieder freigelassen worden. Sein Pass war seither einbehalten worden, erst vergangene Woche hatte er ihn zurückbekommen.

Ai wirft den britischen Behörden nun vor, sich mit der Verweigerung eines längeren Visums auf die Seite Pekings zu stellen: Großbritannien verweigere ihm seine Rechte als einfacher Bürger und nehme dadurch "die Position jener ein, die Menschenrechtsverteidigern Leid zugefügt haben", heißt es in der Mitteilung.

Die Botschaft in Peking reagierte nur mit einem Hinweis auf eine Stellungnahme des Londoner Innenministeriums: "Alle Anträge werden individuell und im Einklang mit jeweiligen Gesetzen entschieden." Auch wurde darauf verwiesen, dass Ai Weiwei ein Visum für die "ganze Zeitdauer" zwischen den Reiseterminen gewährt worden sei, die er in seinem Antrag angegeben habe. In dem Schreiben der Einreisebehörden wurde ferner darauf verwiesen, dass damit trotz seiner falschen Angaben im Visumantrag "eine Ausnahme gemacht worden ist".

hkn/dpa
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