Kulturprojekte Der Kanzler lässt Berlin nicht hängen

Bundeskanzler Schröder unterstützt die Berliner Landesregierung bei der Finanzierung der ehrgeizigen Kulturprojekte. Der Aufbau der Museumsinsel soll nun zu 100 Prozent vom Bund finanziert werden. Das Gerangel um die Neubebauung des Schlossplatzes geht unterdessen munter weiter.


Kanzler Schröder: "Die Kirche in der Stadt lassen"
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Kanzler Schröder: "Die Kirche in der Stadt lassen"

Berlin - Der Bund lässt seine völlig überschuldete Hauptstadt nicht hängen und unterstützt sie bei Kulturaufgaben von nationalem Rang. Man wisse um die finanziellen Probleme Berlins auf Grund der besonderen historischen Entwicklung der Stadt, betonte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Mittwoch nach der gemeinsamen Sitzung von Bundeskabinett und Berliner Senat. "Die Teilung hat Wunden gerissen, die noch nicht überwunden sind", sagte Schröder. Deshalb übernehme der Bund ab 2003 die volle Finanzierung der Sanierung der Museumsinsel. Sollte der Berliner Anteil für 2002 - rund 35 Millionen Euro - bis Ende des Jahres nicht verbaut werden, wird das Land diese Mittel auf Wunsch des Bundes in die Co-Finanzierung der Forschungseinrichtungen stecken.

Der Kanzler warnte jedoch zugleich die Hauptstadt davor, sofort weitere Hilfen zu verlangen. "Die Mentalität, wenn man gerade ein Problem gelöst hat, die nächste Forderung nachzuschieben, ist nicht sehr hilfreich", betonte Schröder. Kritik, die Bundesregierung lasse nicht genügend Geld in die Hauptstadt fließen, wies der Kanzler energisch zurück. Der Bund mache gerade im Bereich Verkehr erhebliche Anstrengungen für Berlin. Zudem sei auch erst kürzlich das Problem Sicherheit "befriedigend für Berlin" gelöst worden. "Ich kann nur dringend raten, die Kirche im Dorf oder besser in der Stadt zu lassen", sagte Schröder.

Berliner Prestige-Projekt Museumsinsel: Kulturaufgabe von nationalem Rang
DPA

Berliner Prestige-Projekt Museumsinsel: Kulturaufgabe von nationalem Rang

Für die Neugestaltung der historischen Mitte rund um den Schlossplatz kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit unterdessen die Einsetzung einer weiteren Kommission an. Diese solle ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept erarbeiten. Grundlage für die Arbeit der neuen Runde sollten die Vorschläge der internationalen Expertenkommission "Historische Mitte" sein. Diese hatte den Bau eines Gebäudes mit den Umrissen des ehemaligen Stadtschlosses und einer historischen Fassade auf dem Schlossplatz empfohlen. Der Palast der Republik aus DDR-Zeiten sollte abgerissen werden.

Wowereit veranschlagte für die Arbeit der neuen Schlosskommission rund ein Jahr. Mitarbeiten sollen darin alle künftigen Nutzer des Neubaus wie Vertreter von Museen oder der Humboldt-Universität. Dagegen sprach sich am Donnerstag der ehemalige Kultursenator und designierte Berliner CDU-Landeschef Christoph Stölzl aus. Im DeutschlandRadio kritisierte er, die Entscheidung für den Neubau könne durch neue Kommissionen nicht schnell genug umgesetzt werden. Notwendig sei, jetzt zu handeln und weniger zu diskutieren. "Mir wäre es lieber, wenn die verhandeln, die wirklich Ja und Nein sagen können", als dass eine "Gelehrten-Runde mit wenig Durchschlagskraft schöne Thesen verfasst", sagte Stölzl.



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