Kulturstreit in Görlitz Angst vor Pädophilen

In Görlitz mussten Ausstellungsplakate mit leicht bekleideten Mädchen überklebt werden. Oberbürgermeister Joachim Paulick hatte sich beschwert: In der ostdeutschen Stadt gehe die Angst um, "Menschen mit pädophilen Neigungen" könnten dadurch geradezu angestachelt werden. 

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Görlitz - Die Geschäftsstelle "Kulturhauptstadt" musste mehr als 300 Plakate im Stadtgebiet mit schwarzer Folie versehen, nachdem sich Paulick (CDU) schriftlich beschwert hatte. Auf dem Plakat für die international beachtete Videokunstausstellung "Die Vergänglichkeit des Schönen" war ein Standbild aus einem Video der Moskauer Künstlergruppe AES+F mit dem Titel "Le roi des aulnes" (Erlkönig) abgebildet. Es zeigt zwei leicht bekleidete Kinder vor barockem Glanz.

Das Bild, befand der einstige Bergmann Paulick, sei "geschmacklos und obszön". In der Stadt gehe die Angst um, "Menschen mit pädophilen Neigungen" könnten geradezu angestachelt werden. Zudem sorgt sich der Christdemokrat um den Sächsischen Familientag, der am Wochenende in Görlitz stattfindet.

Die Ausstellung mit Künstlern wie Una Szeemann, Julia Rosefeld, Bogna Burska und Sam Taylor-Wood war zuletzt im spanischen Salamanca gezeigt – und mit gleichem Plakat beworben worden.

Görlitz war im April gegen Essen bei der Bewerbung um die europäische Kulturhauptstadt 2010 gescheitert. Die Geschäftsstelle ist jedoch noch existent.



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