Kunst-Eklat Museum enfernt Embryonenkopf

Das Kunstmuseum Bern hat eine Skulptur des Künstlers Xiao Yu aus einer Ausstellung chinesischer Gegenwartskunst entfernt. Das Kunstwerk besteht aus einer geköpften Möwe, auf die ein Kopf eines menschlichen Embryos gepflanzt wurde.


Umstrittene Xiao-Skulptur: "Ich will, dass es gezeigt wird"
AFP

Umstrittene Xiao-Skulptur: "Ich will, dass es gezeigt wird"

Peking/Bern - "Ruan" heißt die Skulptur des chinesischen Künstlers Xiao Yu: Eine geköpfte Möwe in Formalin trägt einen mit Hasenaugen bestückten Embryonenkopf. Wie der Kurator des Kunstmuseums Bern, Bernhard Fibicher, sagte, wird das Kunstwerk zunächst provisorisch weggeräumt. Damit solle verhindert werden, dass die übrige Ausstellung "Mahjong - chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg" weiterhin gestört wird.

Zuvor hatte der Walliser Journalist Adrien de Riedmatten Strafanzeige gegen das Museum, den Kunstsammler Uli Sigg und den Künstler selbst gestellt. Er macht Gewaltdarstellung, Störung des Totenfriedens und Verletzung des Tierschutzgesetzes geltend.

Am 22. August will das Kunstmuseum ein Symposium mit Vertretern aus Ethik, Kunst und Philosophie durchführen und danach über eine mögliche Wiederausstellung entscheiden. In einer ersten Reaktion hatte die Museumsleitung bei der Skulptur Warnschilder aufgestellt.

Xiao verteidigt sein Werk, das als Kritik gegen die Genversuche gesehen werden soll. "Gerade weil ich alles Leben achte, habe ich dies getan", sagte der Künstler der Nachrichtenagentur AP. "Der Vogel und der Fötus starben, weil mit ihnen etwas nicht stimmte. Ich habe sie zusammengesetzt, als ob sie dadurch ein anderes Leben haben könnten", sagte der 40-jährige.

Nach eigenen Angaben kaufte er den menschlichen Fötus-Kopf 1999 für einige Dutzend Yuan von einem Mann, der eine medizinische Ausstellung räumte. Den toten Vogel habe er gefunden. Die Glasflasche mit dem Kopf war laut Xiao mit einem handgeschriebenen Zettel versehen, der den Inhalt als weibliche Spezies aus den sechziger Jahren beschrieb. Ein Name wie auch eine Angabe der Todesursache hätten gefehlt, doch sei ein Datum vermerkt gewesen. Er habe den Zettel verloren. "Es war aber in der Nähe meines Geburtstags, ich habe dies damals als Zufall betrachtet." Xiao kam am 22. April 1965 zur Welt.

Aufgrund der Entwicklung des Kopfes geht er davon aus, dass der Fötus von einer Fehlgeburt im sechsten Monat stammt. Von einer Abtreibung sei nicht auszugehen, datiere der Fötus doch vor Chinas "Ein-Kind-Politik" zur Geburtenkontrolle. "Ich will, dass es gezeigt wird", sagte Xiao über sein umstrittenes Werk. Er ist bekannt für schockierende Darstellungen. In einer anderen Installation ließ er lebende Labormäuse an den Hüften zusammennähen und stellte sie in Glasschalen aus.

Der ehemalige Schweizer Botschafter Sigg, aus dessen Sammlung Xias Skulptur stammt, gilt als der passionierteste Sammler zeitgenössischer chinesischer Kunst. Unter den Werken der Ausstellung "Mahjong" befindet sich auch eine Säule mit menschlichem Fett, das bei Schönheitsoperationen abgesaugt wurde.



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