Kunst-Kontroverse Warum kann Jesus nicht weiblich sein?

Eine Fotoserie der schwarzen Künstlerin Renee Cox erregt vor allem die katholischen Gemüter New Yorks. Bürgermeister Rudolph Giuliani plant rechtliche Schritte.


Weiblicher Jesus: "Beruhigt Euch!"
REUTERS

Weiblicher Jesus: "Beruhigt Euch!"

Das Brooklyn Museum of Art ist schon fast berüchtigt für sein explizites Programm. 1999 provozierte die Darstellung einer mit Dung beschmierten Jungfrau Maria einen sechsmonatigen Rechtstreit zwischen den Stadtoberen, der katholischen Kirche und den mutigen Künstlern. Jetzt hat das New Yorker Museum seinen nächsten Skandal: Eine heute eröffnete Foto-Ausstellung zeitgenössischer afroamerikanischer Fotokunst brachte die klerikalen Klüngel der Millionen-Metropole schon im Vorwege erneut auf die Palme. Der Grund: In der fünfteilige Serie "Yo Mama's Last Supper" der Fotografin Renee Cox bildet sich die Künstlerin selbst als Jesus ab.

Die auf Jamaika geborene Cox wurde katholisch erzogen und sieht ihre Arbeit als berechtigte Kritik an der Kirche und zielt mit ihrem provozierenden Bild vor allem auf das katholische Verbot weiblicher Priester. "Beruhigt Euch. Warum kann eine Frau nicht Christus sein, wir sind immerhin die Gebärenden", rechtfertigte sich die Künstlerin bei einer anberaumten Pressekonferenz. Bürgermeister Rudolph Giuliani fand das gar nicht lustig und schlug sich auf die Seite der erbosten Kirchenlobby.

Künstlerin Cox vor ihrer Serie "Yo Mama's Last Supper"
AP

Künstlerin Cox vor ihrer Serie "Yo Mama's Last Supper"

Schon beim letzten Eklat büßte das Brooklyner Museum seine staatlichen Subventionen in Höhe von 7,2 Millionen Dollar ein, jetzt dreht Giuliani nicht nur an der Geldschraube, sondern droht sogar mit der höchsten rechtlichen Instanz. "Ich finde es ekelhaft, was die tun", ließ er am Donnerstag verkünden und beschwor eine drohende Akzeptanz von Anti-Katholizismus in der Stadt. Diesmal, so kündigte er an, werde er den US Supreme Court um rechtlichen Beistand bitten. Nur zu, Rudy, die obersten Richter bewiesen ja bereits bei der Präsidentschaftswahl, zu welch besonnenen Urteilen sie fähig sind.



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