Kunstexperte Peter Raue "Die Diebe sind Dummköpfe"

Die aus dem Brücke-Museum gestohlenen Bilder sind nach Einschätzung des renommierten Berliner Kunstanwalts Peter Raue, der auch Vorsitzender der Freunde der Nationalgalerie ist, unverkäuflich.


Peter Raue, Vorsitzender des Vereins "Freunde der Nationalgalerie" Berlin
DDP

Peter Raue, Vorsitzender des Vereins "Freunde der Nationalgalerie" Berlin

Berlin - "Es gibt für die Bilder keinen Abnehmer", sagte Raue am Sonntag. "Einen Markt gibt es dafür nicht, höchstens einen Auftraggeber als Abnehmer, also irgendwo auf der Welt einen Multimillionär, der so etwas in seiner Wohnung 50 Jahre bewundern will."

Das sei bei Ikonen der Kunstgeschichte schon denkbar - etwa bei den "Sonnenblumen" van Goghs. Er könne sich aber schwer vorstellen, dass sich solche Leute ausgerechnet Heckel- oder Kirchner-Bilder ins Wohnzimmer hängen, meinte Raue. "Wer interessiert sich denn in Japan für die "Nordsee" oder den "Tiergarten Berlin"? Das sagt nichts über den Wert der Bilder, aber es sind schwierige Bilder, wo jemand etwas von expressionistischer Kunst verstehen muss."

Die verschwundenen Bilder würden mit allen Details sofort im Internet in das internationale "Lost Art"-Verzeichnis aufgenommen. erläuterte der Kunstexperte. "Je prominenter ein Bild ist, desto unverkäuflicher ist es, wenn es gestohlen wurde." Seiner Ansicht nach werden die Bilder möglicherweise dem Museum von Erpressern wieder zum Rückkauf angeboten. Das sei eine Methode, die immer wieder versucht werde.

"Oder aber die Diebe gehören zu den Dummköpfen, die tatsächlich glauben, mit den Bildern schnelles Geld machen zu können und in das nächste Auktionshaus rennen. Das kriegen die nie an jemand los, der nur annähernd etwas mit Kunst zu tun hat, und der, der nichts mit Kunst zu tun hat, der gibt auch kein Geld für so etwas aus."



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