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10. Dezember 2012, 14:16 Uhr

Schadensersatz

Kunstfälscher Beltracchi muss selbst zahlen

Zwei Millionen Entschädigung im Skandal um Wolfgang Beltracchi: Nicht das vermittelnde Auktionshaus muss Schadensersatz an den getäuschten Käufer zahlen, sondern der Fälscher selbst. Ein maltesisches Unternehmen erhält den Kaufpreis für das Werk zurück, das den Skandal auslöste.

Köln/Hamburg - Erstmals wird der verurteilte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi im Zuge des Skandals um von ihm fingierte Werke selbst zur Kasse gebeten: Aus seinem Immobilienvermögen zahlt Beltracchi zwei Millionen Euro Schadensersatz für einen gefälschten Heinrich Campendonk an das maltesische Unternehmen Trasteco Ltd. Damit sei ein jahrelanger Schadensersatz-Prozess zwischen dem Kölner Kunsthaus Lempertz und Trasteco durch einen Vergleich beigelegt worden, teilten die Anwälte beider Seiten am Montag mit - Trasteco hatte das vermeintliche Campendonk-Werk "Rotes Bild mit Pferden" 2006 für rund 2,9 Millionen Euro bei Lempertz ersteigert.

Lempertz hatte bereits rund 800.000 Euro Kommissionsgebühr an das Unternehmen zurückerstattet. Das Landgericht Köln hatte das Kunsthaus aber im September verurteilt, weitere zwei Millionen Euro Schadensersatz an Trasteco zurückzuzahlen. Lempertz war gegen das Urteil in Berufung gegangen.

Durch den Vergleich muss Lempertz für den Schaden nun nicht selbst aufkommen. Die Hauptforderung von zwei Millionen Euro wurde durch den Verkauf einer Hypothek auf ein Grundstück Beltracchis beglichen. Lempertz selbst habe lediglich einen Teil der Zinsen und die Prozesskosten übernommen, sagte der Anwalt des Auktionshauses. Das gefälschte Campendonk-Gemälde sollte Anfang der Woche an Lempertz zurückgegeben werden.

Verdächtiges Pigment

Das Kölner Urteil gegen Lempertz hatte Aufsehen erregt, weil in dem Kunstfälscherskandal um Beltracchi erstmals ein Kunsthaus zu einer Schadensersatzzahlung verurteilt worden war. Dass Lempertz von Beltracchi getäuscht worden war, erkannte das Gericht nicht als Entschuldigung an. Vielmehr wäre nach Ansicht des Richters eine naturwissenschaftliche Untersuchung des Bildes erforderlich gewesen.

Genau durch das Bild, um das es im Schadensprozess nun ging, waren die Ermittler auf die Spur Beltracchis gekommen. 2008 hatte ein von Trasteco beauftragtes Institut festgestellt, dass in dem Bild das Pigment Titanweiß enthalten war, das zum Zeitpunkt der angeblichen Entstehung des Gemäldes 1914 noch gar nicht hergestellt wurde. Daraufhin erstattete Trasteco Anzeige gegen Lempertz.

Beltracchi, seine Frau Helene und zwei weitere Komplizen waren Ende Oktober 2011 vom Landgericht Köln zu Haftstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt worden. Die Bande hatte jahrelang gefälschte Bilder aus frei erfundenen Sammlungen in den Kunstmarkt geschleust und dafür mindestens 16 Millionen Euro kassiert. Unter anderem hatte sich das Ehepaar Beltracchi eine Luxusvilla in Freiburg bauen lassen und ein Anwesen in Südfrankreich bewohnt.

feb/dpa

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