Kunstmarktstudie Zum Ersten, zum Zweiten, am billigsten

Sie wollen ein Schnäppchen? Dann gehen Sie zu Sotheby's oder Christie's. Deutsche Wissenschaftler haben den Kunstmarkt analysiert und sind zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen: Auktionshäuser sind billiger als Galerien.

Witten - 14,5 Millionen Euro für Damien Hirsts Tablettenschrank "Lullaby Spring". Rund 90 Millionen Dollar für Picassos "Junge mit Pfeife". Diese horrenden Summen brennen sich ein in die Erinnerung und bestimmen das gemeine Bild von Kunstauktionen: Häuser wie Sotheby's oder Christie's treiben die Preise in phantastische Höhen. Alles Unsinn, sagen jetzt Wissenschaftler der Uni Witten/Herdecke. Im Durchschnitt sei Kunst auf Auktionen nur halb so teuer wie in der Galerie, heißt es in ihrer Studie, die am Montag veröffentlicht wurde.

Das Forscherteam hatte verglichen, welche Preise die Werke von 100 führenden Künstlern erzielten. Was kostet ein Gerhard Richter, eine Rosemarie Trockel oder ein Jörg Immendorff in der Galerie? Und wie viel wird für ein Bild des Künstlers auf einer Auktion ausgegeben? Die Langzeitstudie war auf 34 Jahre (1970 bis 2004) angelegt.

Das Ergebnis: Zu Zeiten des Kunstmarktbooms Ende der achtziger Jahre bezahlte man für Gemälde oder Skulpturen ein und desselben Künstlers in Galerien rund 25 Prozent mehr als bei Auktionen. Nachdem die Spekulationsblase wenige Jahre später geplatzt war, erzielten die Galerien kurzfristig sogar vier Mal höhere Preise. Im Durchschnitt des Untersuchungszeitraums pendelte sich der Unterschied zwischen den beiden Kunstmärkten auf den Faktor zwei ein. Das bedeutet: Kunst in Galerien ist doppelt so teuer wie auf Auktionen.

Gustav Klimts Goldgemälde "Adele Bloch Bauer" ist ein Beispiel für das happige Zulangen der Galeristen. Der 135-Millionen-Dollar-Deal sei zwar über ein Auktionshaus vermittelt, der Kauf aber privat abgeschlossen worden, sagt Christian Knebel, einer der Autoren der Studie, SPIEGEL ONLINE. "Für Exklusivität und Sicherheit lassen sich die Galeristen einen Aufpreis bezahlen." Auch die Wertbeständigkeit sei ein Grund: Manche Galeristen sicherten ihren Kunden zu, das Werk zu einem bestimmten Preis zurückzukaufen, wenn der Kunde den Kauf bereuen sollte.

Außerdem kümmerten sich Galeristen aktiv um die Weiterentwicklung der Künstler und damit um eine Steigerung des Marktwerts. Und auch der Glamour spielt eine Rolle: Der Preisaufschlag könne als eine Art "Mitgliedschaftsgebühr" für den exklusiven Zirkel der Kunstliebhaber gewertet werden. Man erhalte Einladungen zu Vernissagen und Ausstellungen, von denen man ohne den Kauf ausgeschlossen wäre, heißt es in der Studie.

Dass die Preise irgendwann fallen werden, halten Knebel und seine Kollegen für ausgeschlossen. Denn Galeriepreise veränderten sich fast ausschließlich in eine Richtung: nach oben. Wer als Galerist die Preise senke, brandmarke den Künstler als unverkäuflich, sagen sie. Bei Auktionen regierten dagegen die freien Kräfte des Marktes, mit der Folge großer Preisschwankungen.

Das Wittener Forscherteam untersuchte auch, welchen Einfluss das Alter eines Künstlers auf die Preise seiner Werke hat. Das Ergebnis war weit weniger überraschend: Je älter ein Künstler ist, desto teurer sind seine Werke.

cc/AP