Hacker-Angriffe aus der Türkei "Zenith"-Macher erstatten Anzeige

Das Themenheft "Kurdistan" der deutschen Zeitschrift "Zenith" hat heftige Reaktionen in der Türkei ausgelöst. Zudem haben Hacker massive Angriffe auf die Online-Domain des Magazins gestartet, die offenbar zumindest teilweise aus der Türkei kommen. Jetzt sollen deutsche Behörden ermitteln.

Magazin "Zenith" (Ausgabe Juli/ August 2013): Themenheft "Kurdistan"
Zenith

Magazin "Zenith" (Ausgabe Juli/ August 2013): Themenheft "Kurdistan"


Hamburg/Berlin - Das aktuelle Heft des Berliner Magazins "Zenith - Zeitschrift für den Orient" befasst sich mit dem Schwerpunkt "Kurdistan", die Zeile auf dem Titel lautet: "Ist dieses Land noch zu verhindern?". Insbesondere in der türkischen Presse hat schon allein dieses Cover heftige Reaktionen ausgelöst - und offenbar auch massive Hacker-Angriffe auf die Online-Domain der Zeitschrift.

"Nach Auskunft des IT-Dienstleisters kommt dabei das 'gesamte Spektrum' von Störmaßnahmen und Intrusionsversuchen zum Einsatz," heißt es in einer "Zenith"-Mitteilung vom Mittwoch: "Viele Angriffe erfolgen offenbar aus der Türkei". IP-Adressen des Anbieters TurkTelecom seien nachweisbar. Bislang konnten die "Zenith"-Macher die Attacken ohne schwere Schäden abwehren. Man habe aber Anzeige beim Landeskriminalamt Berlin erstattet.

In dem fraglichen Schwerpunktheft behandelt "Zenith" die Folgen der revolutionären Umbrüche für die Staatenordnung im Nahen Osten. Die als islamisch-konservativ geltende Zeitung "Sabah" bezeichnete den Titel als "schockierend", die liberale Zeitung "Media Taraf" schrieb: "Grenzenlose Frechheit - Deutschland hat die Türkei geteilt."

Diese Interpretation weist "Zenith"-Chefredakteur Daniel Gerlach zurück. "Wir geben keine Handlungsempfehlung und maßen uns nicht an, die politische Geografie der Region zu definieren", erklärte der Journalist. "Als unabhängiges Magazin möchten wir eine fundierte Debatte über eine zentrale politische Frage anregen - und über den Sinn und Unsinn von Nationalstaatlichkeit insgesamt," sagte Gerlach. Das Cover entspreche der in Deutschland üblichen Debattenkultur. Das Magazin wolle "türkische Medien und Experten einladen, sich an der Diskussion zu beteiligen".

Der Friedensprozess in der Türkei gerät derzeit ins Stocken. Die kurdische PKK drängt die Regierung in Ankara, versprochene Reformen einzuhalten. Diese hingegen fordert die Rebellen auf, das Land schneller zu verlassen.

bos



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.