Legendäres Theater Der tanzende G.I. kehrt zurück

"Das ist doch ein anständiges Stück!" - mit diesem empörten Zwischenruf machte der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi die "Liliom"-Inszenierung am Thalia berühmt. Jetzt kommt sie, wie auch die legendäre "Othello"-Inszenierung, wieder auf die Bühne.

Es gibt Momente, die schreiben Theatergeschichte, auch heute noch. Am 9. Dezember 2000 im Hamburger Thalia Theater war es wieder mal so weit: Es war der Abend der "Liliom"-Premiere, eine der ersten Premieren unter dem neuen Intendanten Ulrich Khuon nach 15 erfolgreichen, zuletzt ästhetisch sehr gemächlichen Jahren unter Jürgen Flimm. Regisseur des "Liliom"-Abends war Michael Thalheimer, damals 35 und noch fast unbekannt.

Der Abend ist heute legendär, und zwar nicht nur, weil irgendwann der ehemalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi ausrief: "Das ist doch ein anständiges Stück! Das muss man doch nicht so spielen!", sondern vor allem weil "Liliom" den Beginn einer neuen Ära markierte: Das Thalia war im neuen Jahrtausend angekommen, und Thalheimer war einer der Protagonisten.

Die Empörung des Bürgermeisters richtete sich vermutlich gegen die vielen Körpersäfte, die in Thalheimers Inszenierung dieser verzwickten unglücklichen Liebesgeschichte zwischen dem Schiffschaukelbremser Liliom und seiner Julie eine größere Rolle als gewohnt spielten, vielleicht auch gegen die Kürzungen des Originaltextes von Franz Molnar oder gegen die stellenweise sehr laute Musik.

Aber genau aus diesen Gründen ist die Inszenierung heute noch sehenswert – weil sie so radikal ist. In der Sicht auf das Stück, in der Schlichtheit und Unbedingtheit der Bühne, in den Gefühlen, die sie dem Zuschauer zumutet. Und wegen Peter Kurth und Fritzi Haberlandt, die hier erstmals zu einem unmöglichen Traumpaar zusammengespannt wurden: Sie erträgt die Aggressionen und Demütigungen mit so viel Stolz und Trotz im Gesicht, wie er hinter seiner Raserei immer seine Verletztheit spüren lässt.

Wer "Liliom" also noch nicht gesehen hat, sollte das jetzt unbedingt tun – am 7. Juli ist die letzte Vorstellung.

Eine andere legendäre Inszenierung, aus dem Jahr 2004, ist am 11. Juli am Hamburger Schauspielhaus zum letzten Mal zu sehen: "Othello" in der Regie von Stefan Pucher. Auch diese Inszenierung hat Theatergeschichte geschrieben, und zwar, weil sie dem damaligen Schauspielhaus-Intendanten Tom Stromberg einen dringendst benötigten Publikumserfolg bescherte.

Auch das ist heute längst egal, überzeugend ist aber wie bei "Liliom" nach wie vor die neue Sicht des Regisseurs auf das Stück: Bei Pucher ist Othello eindeutig ein (pechschwarz geschminkter) Schwarzer, ein cooler afroamerikanischer G.I., den seine weißen Kameraden nur scheinbar als ihresgleichen akzeptiert haben. Alexander Scheer (der Junge aus "Sonnenallee") spielt diesen nicht unanstrengenden Typen – und allein schon seine Tanzeinlage kurz vor Ende des Dramas, auf einer Showbühne, immer am Rand der Absturzkante entlang, ist unbedingt sehenswert. Wenn er es noch so gut kann wie vor vier Jahren.


Liliom, am 7.7. im Thalia Theater Hamburg , Tel. 040/32 81 44 44.Othello, am 11.7. im Hamburger Schauspielhaus , Tel. 040/24 87 13.

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