Leserreaktionen auf GEZ-Serie "Willkür erzeugt schlicht Hass"

Die SPIEGEL-ONLINE-Serie über die Methoden der GEZ-Agenten und die Gebührenpolitik der öffentlich-rechtlichen Sender hat zahlreiche Stellungnahmen von Lesern hervor gerufen. Viele berichteten auch über eigene Erfahrungen mit den Gebühreneintreibern. Ein Überblick über die Beiträge aus Forum, Lesermail und Online-Vote.


Mit verblüffender Deutlichkeit haben mehr als 43.000 SPIEGEL-ONLINE-Leser zu den Gebührenforderungen von ARD und ZDF und den Methoden der GEZ Stellung genommen. Nur jeder fünfte Teilnehmer am Online-Vote (19,6 Prozent) würde "auch freiwillig Rundfunk- und Fernsehgebühren zahlen". 82 Prozent klagen über eine "unverhältnismäßige Belästigung und Bespitzelung durch Gebührenfahnder", weitere 14,5 Prozent sind zwar für Kontrollen, "aber nicht so". Ein ähnliches Stimmungsbild vermitteln Leserbriefe und Forum-Einträge zur SPIEGEL-ONLINE-Serie "Datenkranke GEZ". Tenor: "Willkür erzeugt schlicht Hass."

Als "das größte Herzinfarktrisiko der Welt" und oder einfach als "Frechheit" bezeichnen Leser die Praktiken der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), der sie "Arroganz der Macht" und zum Teil "illegale Praktiken" vorwerfen. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht Auszüge aus Briefen, in denen Leser über ihre Erfahrungen mit den Gebühreneintreibern der öffentlich-rechtlichen Anstalten berichten:

"Hier in Bochum geben sich die Leute als Berater aus. Diese Berater weisen einen im Studentenheim freundlich darauf hin, dass man als Student doch das Recht hat, sich befreien zu lassen. Man müsse es nur beim Sozialamt beantragen. Auf jeden Fall versuchen die so aus einem rauszulocken, ob man Radio oder Fernseher hat, fangen unverfängliche Gespräche über TV-Karten etc. an. Diese Masche ist besonders dreist."
Hyun-A Cho

"Ich bedanke mich für Ihre aufwendige Recherche, mit der Sie die "stasiartigen" Methoden in vielen Aspekten verdeutlicht haben."
André Sbresny

"Meine Frau und ich leben in Saarbrücken und zahlen GEZ. Seit neuestem arbeitet meine Frau in der Nähe von Aachen, und nun soll sie auch dort Gebühren zahlen. Das finde ich, gelinde gesagt, eine Frechheit. Zudem finde ich die Spitzeleien der GEZ mehr als fragwürdig. Und wer will jemandem denn beweisen, dass sie/er Öffentlich-Rechtliche schaut oder hört? Nur, weil er einen Fernseher hat? Was aus dieser Schlussfolgerung für Umkehrschlüsse gezogen werden könnten, würde Bücher füllen. Ich bin dafür, die GEZ abzuschaffen oder aber die Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dass werbefreie Sender - ob TV oder Radio - durch die GEZ finanziert werden sollen, das leuchtet ein. Aber so kassieren die Öffentlich-Rechtlichen doppelt."
Kai Florian Becker

"Mit großem Interesse habe ich Ihre aktuellen Artikel auf der SPIEGEL-Webseite gelesen - diese Webseite ist eine meiner Hauptinformationsquellen, da seit dem 4. August mit der Umstellung auf digitales TV der Empfang terrestrischer Rundfunksender ohne Decoder nicht mehr möglich ist (Radiogerät besitze ich gar nicht). Die GEZ lehnt die Abmeldung meines Fernsehgerätes vehement ab, da ich mir ja einen Decoder kaufen könnte..."
Oliver-Martin Rapsch

"Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel über die Schikanen der GEZ. Mir als überzeugtem Nicht-Fernseher haben Sie aus dem Herzen geschrieben."
Olaf Lipinski

"Der schlechte Ruf der GEZ beruht nicht nur einfach darauf, dass diese Behörde versucht, berechtigte Ansprüche mit Tricks durchzusetzen. Diese Behörde agiert mit einer Arroganz der Macht, die kaum noch zu überbieten ist, und sie bewegt sich selber am Rande der Legalität. Als wir unseren Fernseher abgemeldet haben (wir haben Kinder und wollten diese mit dem medialen Müll nicht mehr zukippen), wurde diese Abmeldung schlicht ignoriert. Monate später kamen Rechnungen über Nachzahlungen. Bei Telefonaten mit der GEZ wurde meiner Freundin von einem Mitarbeiter der GEZ gesagt, sie hätten nie eine Abmeldung bekommen, und was nicht per Einschreiben käme, käme dort prinzipiell nicht an.

Ich habe Rechnungen bekommen, meine Freundin auch. Später erfuhr ich, dass beim gemeinsamen Haushalt für ein gemeinsam genutztes Gerät auch nur einmal gezahlt werden muss. Wie gesagt, alle Schreiben und Telefonate wurden abgewimmelt, erst als ich ein Schreiben (natürlich per Einschreiben) schickte, in dem darauf hinwies, dass sie wider besseres Wissen zweimal kassieren, hörte der Terror auf. Diese Demonstration staatlicher Willkür erzeugt schlicht und einfach Hass und spricht sich herum. Wer glaubt, gegen das selbst erzeugte Image mit ein paar "coolen" Werbespots anzukommen. unterschätzt die Wirkung von Werbung maßlos. Aber das hat Tradition bei Behörden, siehe Bundesbahn."
Hellmann

"Vielen Dank für Ihren tollen Artikel! Es wird Zeit, dass die Machenschaften der GEZ endlich mal in der Öffentlichkeit hinterfragt werden. Seit einem guten Jahr wohne ich in Thüringen (wo die Meldeämter, ebenso wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt, keine Daten an die GEZ weiterleiten dürfen, - d. Red.), ich bin hier einmal umgezogen. In beiden Fällen habe ich kurz nach meiner Ummeldung beim Einwohnermeldeamt ein Schreiben der GEZ erhalten, noch bevor meine jeweils neue Adresse durch Gewinnspiele in die Hände von Datenbrokern hätte fallen können. Ähnlich erging es vielen Freunden. Meiner Ansicht nach geben die Thüringer Behörden, wenn auch illegal, die Daten an die GEZ weiter."
Christoph Hennig

"Ich habe gerade den Artikel über die GEZ gelesen, in dem gesagt wurde, dass die GEZ sich Zugang zu den kommunalen Ummelde-Daten verschaffen darf - außer in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Ich studiere seit 2,5 Jahren in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) und habe zu Beginn einen Zweitwohnsitz angemeldet. Wie kann es dann sein, da nur das Einwohnermeldeamt in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) meine Anschrift kennt, dass ich kurz nach der Anmeldung einen Brief von der GEZ erhalte habe mit der Aufforderung zur Anmeldung? Dies erging im Übrigen auch anderen Studenten so, die sich dort angemeldet haben."
Lydia Werner

"Ihr Artikel über die GEZ hat mir gefallen. Zufälligerweise habe ich erst einen Tag zuvor aus einer wirklich beklemmenden Situation heraus eine E-Mail an die GEZ versandt. Nachdem ich nun mehr als zehn Mal angeschrieben wurde, wird nun immer wieder ein Zettel in den Briefkasten eingeworfen mit dem Vermerk, ein Mitarbeiter sei dagewesen und ich solle nun endlich reagieren.

Ich bin noch in der Ausbildung, verfüge aber meines Erachtens über mehr als das 1,5-fache des Sozialhilfesatzes, wodurch eine Befreiung von den Rundfunkgebühren unmöglich wird. Derzeit bin ich sehr knapp bei Kasse und würde bei überschüssigen finanziellen Mitteln mir lieber neue Schuhe kaufen oder die ausgetragene Unterwäsche auswechseln als das Geld für weniger nötige Dinge auszugeben. Während meiner Schulzeit habe ich mir durch Ferienjobs allerlei technische Geräte gekauft. So besitzte ich nun neben einer Musikanlage auch einen Videorekorder sowie einen Fehrnseher. Nun zum Problem: Die Musikanlage nutze ich ausschließlich, um ab und zu eine CD zu hören. Es ist mir nicht möglich, damit Radio zu hören, da ich mir keine Zimmerantenne gekauft habe. Das gleiche gilt für den Fernseher. Ich benutze den Fernseher absolut nie, um Rundfunkprogramme zu empfangen, sondern ausschließlich um mit dem angeschlossenen Videorekorder ausgewählte Filme zu sehen. Auch ist am Fernseher niemals eine Antenne für den Empfang angeschlossen (was ja überflüssig wäre).

Mir wurde von der GEZ gesagt, daß es völlig unerheblich ist, ob ich die Geräte für den Empfang von Rundfunkprogrammen nutze oder nicht, ich müsse immer zahlen. Einzig und allein ein von einem Fachmann bestätigter Umbau der Geräte (Musikanlage, Fernseher, Videorekorder) könnte Hilfe erwarten lassen. Aber dies würde Kosten mit sich bringen, die eine Jahresgebühr für Radio und Fernsehen bei weitem übersteigen. Was soll ich tun? Soll ich wegen meines finanziellen Engpasses gänzlich auf Musik und Film verzichten?"
H. Müller

"Habe gerade ihren äußerst interessanten Artikel gelesen - bravo. Allerdings kann ich noch einen draufsetzen, nämlich den Paragraphen 5a des Rundfunkgebührenstaatsvertrages. Dieser Paragraph besagt, dass bis zum 31. Dezember 2004 für Rechner, die Rundfunkprogramme ausschließlich über Angebote aus dem Internet wiedergeben können, Gebühren nicht zu entrichten sind. Im Klartext: Nach dem genannten Datum könnte sehr wohl, salopp formuliert, die Saison auf private Rechner eröffnet sein (eventuell sogar auf WAP-fähige Handys) Die GEZ würde sich im Fall der Besteuerung von PCs somit einen regelrechten Goldesel zulegen. Für Firmen könnte sich dies jedoch noch viel drastischer auswirken, da große Unternehmen in der Regel über deutlich mehr als bloß ein Gerät verfügen. Und wenn man sich die derzeitige Situation vor Augen ruft, dass JEDES Gerät gebührenpflichtig ist, wird klar, dass somit auch jeder vorhandene PC zum Gebührenfall wird.

Nicht auszudenken, was geschieht, wenn jemand auf die Idee kommt, auch Server, die ja im Grunde genommen durchaus dazu in der Lage wären, Internet-Inhalte darzustellen, dies in der Regel jedoch nicht tun, in die Pflicht zu nehmen: Unternehmen, die große Serverparks betreiben, könnten sich auf einen ziemlich kalten Wind einstellen, der plötzlich durch ihre Buchhaltung weht. Ja, die Zukunft sieht düster aus. Allerdings könnte eine Besteuerung von PCs auch ein Lichtblick sein: Vielleicht werden dann endlich genug Menschen die Rückständigkeit und Unnötigkeit unseres Rundfunkmodells einsehen und eventuell sogar etwas dagegen unternehmen. Es bleibt abzuwarten, was am 1.1.2005 letztendlich geschehen wird. Vielleicht kommt es auch gar nicht zum oben geschilderten Szenario - möglich wäre es, jedoch nicht sehr wahrscheinlich."
Martin Leidenfrost

"Interessant ist auch die Frage, ob jeder, der ein Nokia-Handy hat, auch GEZ-Gebühren zahlen muss, denn mit seinem Handy und Headset kann ein Nokia-Besitzer mit allen neuen Geräten Radio hören..."
Jan Andresen

"Vielen Dank für Ihren Artikel zum größten Herzinfarktrisiko der Welt, der GEZ. Mich und meinen Lebensgefährten hat die GEZ vor wenigen Monaten ebenfalls "erwischt". Ein netter, netter Herr wollte penetrant wissen, ob wir nicht doch auch TV schauen statt nur Radio hören. Nach viel Gejammere, wie schlecht es doch den armen GEZ-Gebühreneintreibern geht, dass auch er im Alter quasi ohne Rente dasteht und bis dahin ja noch drei Kinder und eine Frau durchzubringen hat und das zu sehr mageren GEZ-Löhnen, dröselte er langsam zum Punkt. Es reichte ihm nämlich nicht, dass wir nun TV und Radio bezahlen. Denn er saß in den Büroräumen unserer kleinen Firma und hätte wohl gerne geweint, dass er kein Radio finden konnte, für das wir noch zusätzlich hätten blechen können.

Aber als alter GEZ-Fuchs fiel ihm ja noch viel mehr ein. Mein Lebenspartner fährt mit seinem Privatauto auch viele Fahrten für seine Firma, denn noch ist die Firma zu klein, um sich einen eigenen Firmenwagen leisten zu können. Doch die GEZ sieht das gar nicht so eng, wie das jeder gesunde Mensch täte. Nein. Mein Lebenspartner hat de facto zwei Wagen: Sein Privatauto und das Firmenauto. Dass es sich um ein und das selbe Auto handelt, ist dabei schrecklich zweitranging und auch echt kleinkariert gesehen. Und wenn es ja zwei Wagen sind, dann fallen ja auch zwei Radiogebühren an. Und weil mein Lebensgefährte die Firma seit 2000 führt, zwinkerte ihm der nette GEZ-Mensch an, dass man ja kein Unmensch sei, aber dann die Gebühren seit 2000 nachberechnen werde. Und falls noch ein anderer unserer Mitarbeiter manchmal Firmenfahrten mit seinem Privat-PKW fahren sollte - auch die müssen ordnungsgemäß extra von unserer Firma zusätzlich angemeldet werden. Ich war kurz davor zu gestehen, dass ich eigentlich ein penetranter Schwarzhörer sei, denn oft kaufe ich in Geschäften ein, in denen nebenbei das Radio dudelt. Dafür zahle ich auch nicht extra.

Wir sind gespannt daruf, wann der GEZ einfällt, dass jeder Mensch zwei Ohren hat....! Und noch dazu zwei Augen....!!! Ja, Donnerwetter! Da tun sich ja ganz neue Horizonte auf! Und Ohren und Augen als eines zu sehen, nur weil sie sich zufällig am gleichen Körper befinden - das ist dann aber echt Haarspalterei. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass man gefallene Engel nicht unbedingt in der Hölle antreffen muss. Man muss einfach nur mal bei der GEZ reinschauen."
Anne Bauerfeld

"Ich finde es prima, dass Sie das Thema der GEZ mal auf den Tisch bringen. Ich zahle jedes Jahr knapp 200 Euro an die GEZ für eine Sache, die ich nicht, wirklich nicht nutze. Ich schaue ausschließlich private TV-Sender und höre nur private Radiosender, die Sache mit der GEZ ist doch wirklich die einzige Sache, bei der man man für etwas zahlt, was man nicht nutzt. Die Bundesländer sollten den Mut dazu haben, den Staatsvertrag mit den Landesmedienanstalten zu kündigen, und die Öffentlich-Rechtlichen in ein Pay-TV umwandeln mit Decoderzugang oder diese in private Gesellschaften umwandeln und Werbung auch nach 20 Uhr zulassen. Ich denke, hier sind umfassende Reformen notwendig. Was mich wundern das es noch kein straff organisiertes Bürgerbegehren oder ähnliches dagegen gab."
Alexander Scholz

"Sie haben einen sehr interessanten Bericht über die GEZ geschrieben. Ich frage mich, warum ARD und ZDF als staatlicher "Pay-TV" Sender ihre Programme, so wie private Pay-TV Sender (Premiere), nicht einfach verschlüsseln? Über Satellit und Kabel dürfte das doch eigentlich kein Problem sein, und die analoge terrestrische Ausstrahlung von Radio- und Fernsehsendungen wird ja in Zukunft vermutlich sehr bald der digitalen weichen. Also sollte es auf dem Wege doch möglich sein, Schwarzseher/-hörer via Decoder-Box und Chipcard auszusperren. Zudem hat der Bürger dann endlich die ECHTE Wahlfreiheit, ob er gegen Entgelt die öffentlich-rechtlichen Sender sehen/hören möchte oder das bisherige Zwangsabonnement beenden will."
Martin Wessner



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