Ehemalige Heimat der britischen Presse Londoner Fleet Street ohne Journalisten

Über Jahrhunderte war die Fleet Street in London die Heimat der britischen Presse. Jetzt haben die beiden letzten Journalisten ihr Büro in der Straße verlassen.

Die Fleet Street 1987
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Die Fleet Street 1987


Fleet Street - das ist in England nicht nur ein Straßenname, sondern auch ein Synonym für die Presse. Seitdem sich hier im Jahr 1702 mit dem "Daily Courant" die erste englische Tageszeitung angesiedelt hatte, war die Straße Heimat der englischen Zeitungsverlage. Jetzt haben die letzten beiden Journalisten die berühmte Straße verlassen.

Die schottische "Sunday Post" unterhielt dort bis zuletzt ihr Londoner Büro. Nun gab sie es auf, die "Post"-Mitarbeiter Gavin Sherriff und Darryl Smith zogen um. "Hier arbeiten nun fast nur noch Banker", sagt Smith. "Ich bin mir nicht einmal sicher, ob die die Geschichte dieser Straße kennen."

Der Niedergang der Fleet Street als Hort des Journalismus begann 1986, als Medienunternehmer Rupert Murdoch die Redaktionen seiner Zeitungen "Times", "Sunday Times" und "Sun" ins östliche London in ein neues, modernes Gebäude verlegte.

Innerhalb der nächsten drei Jahre hatten alle anderen überregionalen Tageszeitungen die Straße ebenfalls verlassen, um Mietkosten zu sparen. Das Art-Deco-Gebäude, in dem einst der "Daily Express" saß, ist heute das Zuhause von Goldman Sachs; wo früher die Nachrichtenagentur Reuters seinen Hauptsitz hatte, ist heute ein Restaurant.

Sherriff will deshalb nicht Trübsal blasen: "Wie jeder andere Geschäftszweig auch muss sich der Journalismus entwickeln. Wir sitzen jetzt zufällig am Ende dieses Kapitels, während gleichzeitig anderswo neue geschrieben werden."

kae/rtr



insgesamt 5 Beiträge
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aleamas 05.08.2016
1. Murdoch hat mehr auf dem Kerbholz
...als nur das Ende der Fleet Street einzuleiten. Wenn's nur das wäre. Was er wirklich verbrochen hat, am britischen - und englischsprachigen Journalismus allgemein - dafür hätte man früher Teer und Federn bereitgestellt. Was soll's, der Kollege hat Recht; jetzt werden die kritischen und informativen Texte eben woanders recherchiert, geschrieben und veröffentlicht. Die Fleet hat auch eine Menge Mist produziert, da darf man sich keine Illusionen machen. Der wirkliche Skandal ist, wie der Mist heute zu 85 Prozent den Content des Printjournalismus in GB ausmacht. DAS ist die Tragödie.
thequickeningishappening 06.08.2016
2. In den Achtzigern wurde mit der Fleet St
auch die Macht der Unions zerschlagen.
susuki 06.08.2016
3.
Die Unions haben Fehler gemacht (sogenannte gesplittete Schichten an Druckmaschienen damit sich die vielen Arbeiter nicht gegenseitig behindern) und die Arbeitgeber manipulierten die Unions um Konkurenten klein zu halten. Mit dieser Ausgangssituation war es für Murdoch ein leichtes die Fleetstreet-Unternehmer auszuschalten.
susuki 06.08.2016
4.
Am Ende konnte Murdoch den Unions sogar das Angebot unterbreiten Gebäude, Maschinen und Arbeitsverträge zu schenken. Die Unions haben abgelehnt und lieber weiter die unnützen veralteten Produktionsanlagen bestreikt.
Deep_Thought_42 06.08.2016
5. Der Babier aus der Fleet Street
Nun denn, dann bleibt uns nur noch Sweeney Todd, diese Strasse im Gedächtnis zu halten ....
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